Zu Hunger kommen Masern und drohende Choleraepidemie

von Sven Ramones, 29.08.2011

„Dollo Ado im Süden Äthiopiens ist eine Stadt an der somalischen Grenze. Für zehntausende verzweifelter Menschen wurde sie in den vergangenen Monaten zum ersehnten Zielort. Sie kamen hierher, um den Folgen der Dürre in ihrem Heimatland Somalia zu entkommen.

Das Flüchtlingslager Melkadida im Süden Äthiopiens ist eines der Standorte, in denen humedica hilft. Foto: humedica/Sven Ramones

Von Dollo Ado aus gelangten sie über ein Registrierungslager und ein Transitcamp in eines der vier großen Flüchtlingslager entlang der nach Norden führenden Straße durch die Wüste. Eines dieser Lager ist das Melkadida Refugee Camp, in dem humedica in den vergangenen Wochen dringend benötigte medizinische Hilfe für die Flüchtlinge leisten konnte.

Die meisten der Menschen, die nach Melkadida kommen sind bettelarm. Sie mussten ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen auf der Flucht vor Hunger und den kriegerischen Unruhen in Somalia. Viele sind schon seit mehr als einem Jahr hier. Sie sind geflüchtet vor den Kämpfen und dem Krieg im eigenen Land.

Die anderen hat die Dürre und mit ihr der Hunger aus der Heimat vertrieben. Sie sind neu in Melkadida. Niemand weiß, wie lange sie hier bleiben werden. Das Lager ist eine Zeltstadt. Hitze, Trockenheit und brennender, allgegenwärtiger Staub machen die Lebensumstände in Melkadida besonders schwer. Dabei scheinen die Reihen der weißen Zelte, die hier dicht an dicht stehen, kein Ende zu nehmen.

Knapp 40.000 Menschen finden in Melkadida einen Zufluchtsort. Sie leben unter einfachsten Bedingungen mit dem, was ihnen zum Leben bleibt. Mit Nahrungsmittelverteilungen im Lager können zumindest die grundlegendsten Bedürfnisse des Überlebens gedeckt werden. Viele Menschen hier sind krank.

In Zusammenarbeit mit dem lokalen medizinischen Personal, widmet sich daher aktuell das Ärzteteam um Dr. Mechthild Wortmann, Dr. Heinrich Laube und Dr. Anja Fröhlich, im Einsatz für humedica der dringend benötigten medizinischen Versorgung hilfsbedürftiger Bewohner des Flüchtlingslagers.

Dr. Heiner Laube bei der Behandlung eines Patienten. Foto: humedica/Sven Ramones

Um die hundert Patienten reihen sich jeden Tag in die Warteschlangen vor den humedica-Behandlungsräumen ein. Neben einer Notfallambulanz und einer Ambulanzstation arbeiten die drei Internisten auch in einer Kinderstation und bei der Betreuung der Patienten des stationären Bettentrakts.

Insbesondere Hautkrankheiten, Magen-Darm-Erkrankungen, Augeninfektionen und Wurmerkrankungen sind weit verbreitete Leiden unter den zehntausenden Campbewohnern. Aber nicht nur Beschwerden, die typischerweise unter den gegebenen Lebensumständen in einem Flüchtlingslager auftreten, müssen behandelt werden.

Unter Kindern und Kleinkindern, die häufig durch Krankheiten und Fieber geschwächt sind, finden sich immer wieder Fälle akuter Unterernährung. Diese kleinen Patienten bedürfen besonderer Aufmerksamkeit und werden behutsam mit Sonden- und Spezialnahrung wieder zurück ins Leben geholt.

Besorgniserregend war bis vor kurzem die Ausbreitung einer Masernepidemie in den Flüchtlingslagern. Zwar konnte dem mit lagerübergreifenden Impfaktionen entgegengetreten werden. Doch droht bereits neues Unheil.

Am Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan wird eine neue Welle von Flüchtlingsströmen aus Somalia erwartet. Nachdem in mehreren Gebieten des Landes die Cholera ausgebrochen ist, wird befürchtet, dass die Krankheit von Flüchtlingen in die Lager gebracht wird und sich als Epidemie ausbreitet.

In Vorbereitung auf diesen Fall, hat sich das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) an humedica gewendet und um Unterstützung durch ein Cholera-Behandlungs-Programm gebeten. humedica könne seit dem Ausbruch der Cholera-Epidemie in Haiti vergangenes Jahr auf einen großen Erfahrungsschatz in der erfolgreichen Bekämpfung der lebensbedrohlichen Krankheit zurückblicken, so die Begründung.

Durch die Unterernährung geschwächt, können auch vergleichsweise harmlose Erkrankungen schwerwiegende Auswirkungen haben. Hinzu kommt die zu bannende Bedrohung einer Choleraepidemie. Foto: humedica/Sven Ramones

Ausgeweitet wird die medizinische Betreuung der Bewohner von Melkadida zukünftig durch den Aufbau einer eigenen zusätzlichen Krankenstation von humedica auf dem Gelände des Lagers. Damit soll ärztliche Betreuung für mehr Menschen im Camp leichter zugänglich gemacht werden.

Ein weiteres Anliegen von humedica ist es, die Qualität der Versorgung von Patienten zu optimieren. Dazu sollen spezielle Schulungen und Fortbildungen des einheimischen Pflegepersonals angeboten und durchgeführt werden. Darüber hinaus soll das einheimische Health Center mit Medikamenten und medizinischen Bedarfsgütern nachhaltig bestückt werden, um eine dauerhafte Versorgung mit den benötigten Materialien sicherzustellen.

Für die Menschen in Melkadida bringt diese Hilfe die Gewissheit, in ihrer tragischen Lebenslage nicht vollkommen auf sich allein gestellt zu sein. Sie wissen, dass jemand da ist, der ihnen zur Seite steht, wenn sie es brauchen. Danke, dass Sie hier gemeinsam mit uns dieses Zeichen setzen und dies mit einer Spende auch zukünftig mit uns tun.

      humedica e.V.
      Stichwort „Hungerhilfe Afrika
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und einfach ist auch die Möglichkeit der Unterstützung durch das Senden einer sms: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5,- Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Katastrophenhilfe.

Vielen Dank und mit herzlichen Grüßen aus Äthiopien.

Ihr Sven Ramones“

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