„Welche Entscheidung soll man treffen?“

von Florian Klinner, Ruth Bücker, 05.08.2011

Vor etwa einer Woche startete ein erster humedica-Hilfsflug in Deutschland, um unter großer Anteilnahme für die Menschen am Horn von Afrika Hilfsgüter nach Kenia zu transportieren. 30 Tonnen Waren, bestehend aus Sondennahrung, Babybrei, Milchpulver und Medikamenten, die in der Katastrophenregion dringend benötigt wurden und gleichzeitig bis heute Hoffnung bedeuten.

humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß gemeinsam mit lokalen Mitarbeitern beim Entladen der Hilfsgüter. Foto: humedica/Florian Klinner

Hoffnung auf Besserung der lebensbedrohlichen Umstände. Hoffnung auf Unterstützung in ihrer Not. Hoffnung darauf, dass sie nicht vergessen werden in dieser schweren Situation, aus der sie sich alleine nicht retten können. Die Verteilungen der ersten Hilfsgüter brachte zumindest einigen der hungernden Menschen diese Hoffnung.

Ein Teil der Lieferung wurde bereits am vergangenen Dienstag in der Region Wajir in einem Flüchtlingslager verteilt. Die Ladung erreichte die Menschen auf dem Luftweg und wurde noch am selben Tag ausgegeben.

In Nairobi verlud Florian Klinner gemeinsam mit lokalen Mitarbeitern der Hilfsorganisation Diguna zeitgleich weitere Hilfsgüter, die über eine 700 Kilometer lange Strecke auf dem Landweg angeliefert wurden. Ziel des Transportes war die Region Dadaab, in der hunderttausende Flüchtlinge in sporadischen Lagern untergekommen sind und dringend Hilfe benötigen.

Die erste Etappe wird etwa 600 Kilometer umfassen und uns nach Garissa bringen, von wo an wir Mittwochfrüh mit Polizeischutz die restlichen Kilometer zurücklegen werden“, berichtete Florian Klinner vor der Abfahrt des Transporters, den er persönlich begleitete.

Gedanken über die Notwendigkeit eines Polizeischutzes rückten eher in den Hintergrund. Als reine Vorsichtsmaßnahme wird es angesehen, über die Motive einer kriminellen und gewaltsamen Tat wird eher selten nachgedacht. Anders erging es dieses Mal unserem Mitarbeiter, der zuvor in Namibia und in Benin Einsätze koordinierte.

Kilometer um Kilometer legen die Menschen mit ihrem letzten Hab und Gut zurück, um eines der Flüchtlingslager zu erreichen. Foto: humedica/Florian Klinner

Ich möchte es mir nicht vorstellen und selber eine solche Entscheidung treffen müssen“, berichtete er nach seiner Rückkehr in Kenias Hauptstadt und nach der langen Fahrt, die ihm viel Zeit ließ, über die Situation der Menschen nachzudenken. Und auch über die kriminellen Taten, denen in der Regel pure Verzweiflung zugrunde liegt.

Wenn man sich entscheiden muss: Überfalle ich eine Hilfslieferung, um meine Familie und mich vielleicht vor dem Tod retten zu können oder tätige ich zwar keinen Überfall, weiß aber dafür nicht, ob ich ohne Essen und Trinken das weit entfernte Flüchtlingslager erreiche. Welche Entscheidung soll man treffen?

Den Kindern, Frauen und Männern, die es bereits in eines der zahlreichen Flüchtlingslager geschafft haben, wird dort lebensrettende Hilfe zuteil. So umfasste auch die Hilfslieferung von humedica dringend benötigte und für manche Kinder zu diesem Zeitpunkt überlebensnotwendige Güter.

Sondennahrung und Infusionen für akut unterernährte Mädchen und Jungen, deren kleine Körper keine feste Nahrung mehr vertragen, und Milchpulver und Babygläschen für diejenigen, die das Flüchtlingslager zu einem Zeitpunkt erreichten, in denen ihr Zustand glücklicherweise noch nicht lebensbedrohlich war.

Was nach einem solchen Besuch bleibt?“, schließt Florian Klinner seinen Bericht. „Einerseits das traurige Wissen, dass noch viele Menschen sterben werden und unsere wichtige Hilfe zwar ein Anfang ist, aber an dem von Dürre betroffenen Horn von Afrika noch ausgeweitet werden muss. Von uns allen!

Um die Stadt Dadaab herum haben sich bereits seit Jahren Flüchtlingslager gebildet. Aktuell kommen täglich weitere Notunterkünfte hinzu. Foto: humedica/Florian Klinner

Ebenso bleibt aber auch Hoffnung und Zuversicht. Zuversicht, wenn man die geleistete Hilfe und die aufopferungsvollen und engagierten Mitarbeiter aller Partnerorganisationen sowie dem eigenen Team sieht. Ich möchte diesen Menschen danken und selbstverständlich Ihnen, liebe Spender. Ohne Ihre Unterstützung ist unsere Hilfe nicht möglich!

Ohne Ihre Unterstützung würde lediglich das traurige Wissen über die Menschen bleiben, denen bisher nicht geholfen werden konnte. Mit Ihrer Unterstützung bringen wir den notleidenden Menschen Hoffnung und lebensrettende Hilfe. Vielen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort „Hungerhilfe Afrika
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Ebenso können Sie über unser Online-Formular für unsere Hilfe am Horn von Afrika spenden oder uns mit einer sms unterstützen: senden Sie das Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro fließen 4,83 Euro unmittelbar in die humedica-Katastrophenhilfe. Vielen Dank!

Für die Ermöglichung und Unterstützung bei diesem Hilfsflug danken wir insbesondere Sternstunden e.V. und dem Münchner Flughafen, sowie allen Spenderfirmen. Darüber hinaus ein herzliches Dankeschön an Apotheker helfen e.V. und an das Medikamenen-Hilfswerk action medeor.

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