Mais und Bohnen gegen den Hunger und für ein Überleben mit HIV

von Katja Weber, 05.10.2011

Spontaner Beifall, schrilles Trillern und lachende Gesichter - so haben sich die Männer und Frauen am vergangenen Donnerstag dafür bedankt, dass sie die nächsten Wochen mit Lebensmitteln versorgt werden. Sie kommen aus unterschiedlichen Dörfern rund um den kleinen Markt Gai im Osten Kenias, aber sie haben eines gemeinsam: Sie haben Hunger. Und sie sind HIV-positiv.

Die Patienten des Tei Wa Yesu Health and Family Care Center in Gai bekommen Bohnen, Mais und Öl für die kommenden Monate. Foto: humedica/Katja Weber

Das Tei Wa Yesu Health and Family Care Center in Gai ist einerseits ein ganz normales Krankenhaus auf dem Land. Andererseits hat es eine ganz besondere Abteilung: Hier können sich Menschen auf eine HIV-Infektion testen lassen.

Diejenigen, die HIV-positiv sind und mutig genug, dazu zu stehen, kommen regelmäßig zur Behandlung. Sie erhalten Medikamente, die ihr Immunsystem stärken und ihrem Körper helfen, mit der Krankheit zu leben. Diese Medikamente können aber nicht auf leeren Magen eingenommen werden, sie verursachen ansonsten große Übelkeit, den Patienten geht es im ersten Moment schlechter als ohne.

In diesen Zeiten ist das ein doppeltes Problem für die Babys, Kinder, Frauen und Männer: Sie haben ohnehin wenig zu essen, sind geschwächt. Wenn sie nun obendrein ihre Medizin nicht nehmen, fahren ihre Abwehrkräfte komplett herunter. Sie leiden extrem unter ansonsten leichten Immunkrankheiten - die für sie tödlich enden können.

humedica hat sich deswegen entschieden, den 120 HIV-/Aids-Patienten (darunter 15 Kinder) und ihren Familien drei Monate lang mit Mais, Bohnen und Speiseöl vom lokalen Markt zu helfen. Als stärkende Ration zu Beginn wurde außerdem Milchpulver und Suppe verteilt - eine Spende von deutschen Unternehmen.

Florence Mali Musunza ist eine der glücklichen Frauen, die heute mit 30 Kilogramm Mais, 30 Kilogramm Bohnen und 2,5 Liter Öl versorgt wurden. Sie kam am frühen Morgen 27 Kilometer weit gelaufen, um vier Uhr in der Frühe lief sie los.

Eine idyllische, aber überschattete Zusammenkunft, denn sowohl Johnston (links) als auch Florence (2. v.l.) sind HIV-positiv. humedica-Mitarbeiter Joshua Ogola und Mitarbeiter des Tei Wa Yesu ermutigen die Erkrankten, sich nicht aufzugeben. Foto: humedica/Katja Weber

Jede Woche geht sie diese Strecke, um ihre Medikamente zu bekommen. Manchmal bringt sie auch neue Patienten mit. Sie ist eine ehrenamtliche Sozialarbeiterin, die mit dem, was sie einerseits im Krankenhaus gelernt hat und was ihr andererseits persönlich widerfahren ist, anderen HIV-Positiven hilft, das Stigma zu überwinden und Hilfe zu suchen.

Manche wollen lieber sterben, als sich zu dem Schandfleck „Aids“ zu bekennen. Sie geben sich selbst auf, und damit ihre ganze Familie. Weil sie nicht mehr arbeiten gehen können, das Geld ausbleibt, um Essen zu kaufen und die Kinder zur Schule zu schicken. Florence weiß seit 2007, dass sie HIV-positiv ist. Ihr Mann ließ sich daraufhin auch testen. Auch er ist positiv.

Die Kinder sind HIV-negativ und die Eltern nehmen sich nun viel Zeit, sie über die Gefahren aufzuklären. An einem normalen Tag würde Florence auch die fünf Stunden zurück nach Hause gehen.

Heute wird sie sich einen Transport gönnen - um das schwere, schöne Geschenk für ihre Familie mitbringen zu können. Zwei Wochen lang werden sie nun genug zu essen haben. Und Florence und ihr Mann werden ihre lebenswichtigen Medikamente nehmen können.

Auch vor dem Alter macht der Virus nicht Halt: Johnston Ketheka Rongo ist 60 Jahre alt, er hat erst dieses Jahr im April erfahren, dass er HIV-positiv ist. Ein mutiger Mann, der nun andere berät und unterstützt, es ihm gleich zu tun, sich testen zu lassen und Hilfe zu suchen.

Auch für ihn fängt das in der eigenen Familie an: Seine Frau weiß, dass sie nicht infiziert ist. Er erzählt ganz offen: Sie war wütend, als die Ergebnisse kamen - denn er muss sich woanders angesteckt haben. Seither haben sie keinen sexuellen Kontakt mehr.

Waisenkinder, die dank des Tei Wa Yesu Centers Bildung erhalten und in einer liebevollen Pflegefamilie aufwachsen. Foto: humedica/Katja Weber

Johnston redet darüber auch mit seinen Kindern, die teilweise schon verheiratet sind, und er ermutigt sie, sich testen zu lassen - und vor allem vorsichtiger und treuer zu sein als er.

Neben der Arbeit mit den HIV-/Aids-Patienten haben die Mitarbeiter des Krankenhauses auch ein großes Herz für Kinder. Sie unterstützen 75 Waisen aus der Umgebung. Die Waisen leben in Pflegefamilien, um ihnen ein möglichst natürliches Aufwachsen zu ermöglichen - und humedica hilft auch hier mit Lebensmitteln für die ganze Familie.

Drei Monate lang können die Kinder nun satt werden, gestärkt zur Schule gehen, und ohne ein bohrendes Hungergefühl einschlafen.

Bitte unterstützen Sie humedica mit einer Spende bei dieser Hilfe für die Menschen am Horn von Afrika, die noch lange Zeit von Nöten sein wird.

      humedica e.V.
      Stichwort "Hungerhilfe Afrika"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und einfach ist auch die Möglichkeit der Unterstützung durch das Senden einer sms: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5,- Euro fließen 4,83 Euro direkt in die humedica-Katastrophenhilfe. Vielen Dank!

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