"Ein erster Schritt den Menschen zu helfen"

von Irmgard Harms/SRA, 24.07.2011

Die vergangenen zwei Wochen war Dr. Irmgard Harms mit unserem Team in Äthiopien im Einsatz. In Flüchtlingslagern im Osten und im Süden des Landes waren die humedica-Helfer tätig, um die Betroffenen von Dürre und Hungersnot mit dringend benötigter medizinischer Hilfe zu unterstützen.

In ihrem aktuellen Bericht erzählt uns Irmgard, was sie im Einsatz bewegt hat und wie humedica in den nächsten Wochen in der Krisenregion tätig sein wird:

Eine Schulter zum Anlehnen. Dr. Irmgard Harms mit Müttern in einem Flüchtlinslager. Foto: humedica/Judith Kühl

„In einer einfachen Wellblechhütte warteten etwa zwölf Mütter mit ihren Kindern auf medizinische Hilfe. Kein Kind war älter als zwei Jahre. Sie alle waren krank, einige von ihnen stark unterernährt. Um die Kinder in den Flüchtlingscamps steht es ernst.

Unterernährung führt zu erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten wie Infektionen, Durchfall, Hauterkrankungen und Tuberkulose. Ich setzte mich zu den Müttern auf den Boden. Auch ohne einen Übersetzer konnte ich verstehen, was sie mir sagen wollten.

Die Mütter haben mir ihre Kinder gezeigt, die in ihren Armen lagen. Ich habe ihnen Fotos von meinen erwachsenen Kindern in Deutschland gezeigt. Wir saßen dort als Mütter, sie und ich und ich habe ihre Sorge um die Kinder gesehen.

Wie alle Mütter, wünschen auch sie sich, ihre Kinder friedvoll aufziehen zu können. Die Umstände hier im Flüchtlingscamp, unter denen die Kinder aufwachsen müssen sind schlimm zu sehen. Ich spüre die ernsten Sorgen, von denen die Frauen belastet werden.

Besonders getroffen hat mich auch die Hilflosigkeit einer jungen Mutter fern von den Flüchtlingslagern. Sie stand an der Hauptstraße durch Dolo mit ihrem einjährigen weinenden Kind.

Plötzlich hielt mir die Frau einen Geldschein entgegen. In ihrer Verzweiflung wollte sie dafür bezahlen, dass ich ihr Kind mitnehme. Sie hat die Hoffnung aufgegeben, sich und ihr Kind durchbringen zu können.

Viele Kinder in und um die Flüchtlingslager herum brauchen ganzheitliche Hilfe. Für unterernährte Kinder werden spezielle Ernährungsprogramme und Zusatznahrung benötigt, damit sie langsam wieder festes Essen aufnehmen können. Solche Behandlungen müssen sich immer an die jeweiligen Bedürfnisse eines Kindes anpassen.

Darüber hinaus ist die gezielte Behandlung verschiedener anderer Krankheiten wichtig, unter denen viele Menschen in den Flüchtlingslagern leiden. Dringend notwendig sind auch Impfungen und eine sorgfältige Aufklärung der Mütter darüber, wie sie ihre Kinder in dieser Notlage pflegen und versorgen können.

Um ihre Tochter in Sicherheit zu wissen, bot eine Mutter sogar Geld an. Foto: humedica/Judith Kühl

Neben jeder medizinischen und fachlichen Hilfe, ist mir die menschliche Zuwendung sehr wichtig. Die Mütter brauchen eine Schulter zum Anlehnen. Sie sind dankbar dafür, wenn jemand Anteil an ihrer Not nimmt und Sorgen mit ihnen teilt.

Die Menschen erleben unvorstellbar großes Leid, besonders die Frauen. Es geht nicht nur um medizinische Hilfe. Die menschliche Wärme, die man den Frauen, Männern und Kindern in ihrer Not geben kann, ist genauso wichtig. Die vielen Patienten sollen nicht einfach nur abgefertigt werden.

Ich habe nicht den Anspruch, hier allen Menschen helfen zu müssen. Aber ich möchte an einem Ort im Flüchtlingscamp anfangen, wie zum Beispiel in dieser Wellblechhütte bei den Frauen. Das ist ein erster Schritt.

Ich freue mich, dass humedica helfen kann, und dass unser Team - Robert Wunderlich, Judith Kühl, Matthias Gerloff und Bernd Domres - Teil dieser ersten Hilfe hier sein konnte.“

Liebe Freunde und Förderer, die von Dürre und Hunger betroffenen Menschen am Horn von Afrika brauchen dringend Hilfe. Wir bitten Sie darum, uns auch weiterhin bei unseren Hilfsmaßnahmen für die Notleidenden in Ostafrika zu unterstützen.

      humedica. e.V.
      Stichwort “Hungerhilfe Afrika”
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Oder unterstützen Sie unseren Hilfseinsatz mit einer Online-Spende. Ebenso können Sie uns mit einer sms helfen: senden Sie das Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro fließen 4,83 Euro unmittelbar in die humedica-Katastrophenhilfe. Vielen Dank!

Die Hilfe von humedica geschieht nicht nur in enger Zusammenarbeit mit der Kindernothilfe und der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, sondern wird auch unterstützt von Sternstunden e. V., der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, BILD hilft e. V. "Ein Herz für Kinder" und Apotheker helfen e.V.

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