Mit Zuversicht und Tapferkeit den Problemen entgegentreten

von Caroline Klein, Ruth Bücker, 08.06.2011

Seit etwa einer Woche ist Haiti aufgrund eines Wettertiefs starkem Regen ausgesetzt, der schwere Überschwemmungen nach sich zog. 20 Menschen verloren aufgrund der verheerenden meteorologischen Bedingungen bereits ihr Leben, aktuellen Angaben der UN OCHA zufolge sind 470 Familien betroffen (den vollständigen Lagebericht können Sie hier einsehen). Ganze Stadtteile der Hauptstadt stehen noch immer unter Wasser. Und der Regen will nicht enden.

Wie im vergangenen Herbst, als Starkregen die Straßen von Port-au-Prince überschwemmte, stellt sich auch die aktuelle Situation dar. Foto: humedica/Ruth Bücker

Die Situation in den ursprünglich provisorisch angedachten Zeltstädten hat sich durch den Regen deutlich verschlechtert. Tausende Menschen mussten fliehen und eine neu Bleibe suchen, da Regenschauer und damit verbundener Schlamm die Notunterkünfte zerstört hatten. Sogar Gebäude wurden beschädigt oder stürzten unter den Wasser- und Schlammmassen ein.

Im „Krankenhaus der Hoffnung“, in dem humedica seit dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010 tätig ist und aktuell die Prothesen- und Orthesenwerkstatt errichtet, verursachten die Regenfälle ebenfalls Überflutungen. In den frühen Morgenstunden des vergangenen Montags wurde Projektleiterin Caroline Klein von der lokalen Leitung der Klinik telefonisch aus dem Schlaf gerissen.

Die Büroräume stünden unter Wasser, lautete die Hiobsbotschaft. Glücklicherweise waren weder elektronische Geräte durch die Nässe beschädigt worden, noch betrafen die Überschwemmungen das Prothesenzentrum. „Das Schöne und immer auch wieder Unglaubliche und Inspirierende der Haitianer ist, dass sie nach kurzer Traurigkeit sofort damit beginnen, die Situation zu verbessern.“, berichtet die junge Leiterin der Projekte in Haiti.

„Es wurden unverzüglich Eimer, Lappen, Teller und sonstige Gegenstände herangeschafft, mit denen das Wasser aus dem Gebäude geschippt werden konnte. Nach etwa vier Stunden Arbeit, die wir barfuß im Schlamm verrichteten, konnten schließlich alle Schäden behoben werden. Unsere Büros sahen fast so aus wie vor dem Wassereintritt.

Glücklicherweise hat es die humedica-Büroräume bisher nicht stark überschwemmt - im Gegensatz zu den Notunterkünften mehrerer hundert Familien. Foto: humedica/Caroline Klein

Dies konnte ausschließlich dank der haitianischen Mitarbeiter des Krankenhauses, sowie unserer Koordinatoren André Lannoo, Danny Pelaez und unseren Volontären Tobias Gienger und Rudolf Welz erreicht werden. Mit tapferem Enthusiasmus wurde diesem weiteren Schicksalsschlag entgegengewirkt, auch wenn es keineswegs leicht war, da während unserer Aufräumarbeiten im Radio die Nachrichten das verheerende Ausmaß stets präsent machten.“

Die anhaltenden Regenschauer wirken sich auch negativ auf die ohnehin herausfordernden Straßenverhältnisse aus: Kleine Schlaglöcher verwandeln sich in große Straßengräben und der Landweg zu der Dominikanischen Republik ist komplett überflutet.

Beim Kampf gegen die Cholera stellen die Überschwemmungen darüber hinaus einen herben Rückschlag dar und die im Cholera-Behandlungszentrum in Drouin arbeitenden Mediziner Dr. Stefan Kusick und Klaus Ruhrmann werden mit stetig steigenden Patienten vor neue Herausforderungen gestellt.

In den vergangenen Wochen ist die Zahl der pro Woche aufgetretenen Cholerafälle von 1700 auf 2600 erkrankte Personen angestiegen. Viele der Gesundheitszentren verfügen zur Bewältigung dieser großen Anzahl an Patienten schlichtweg über zu wenig medizinisches Material, um die Patienten ideal aufnehmen zu können. Da ist die Unterstützung durch humedica-Einsatzteams zur Behandlung der Erkrankten dringend notwendig.

Die Cholerafälle steigen extrem an, und wir hoffen, dass sich die dramatische Situation von vor einigen Monaten nicht wiederholen wird. Da aber nicht mehr viele Organisationen in der Cholerabekämpfung aktiv sind, freue ich mich besonders, dass wir diese Region medizinisch unterstützen und am Ort sofort handeln können, falls die Cholerafälle in unserem Gebiet wieder ansteigen würden.“, äußert Caroline Klein ihre Befürchtungen aber auch ihre Hoffnung und ihre Zuversicht.

Der auch bereits 2010 über die Ufer getretene Fluss Artibonite begünstigt den erneuten Anstieg der Cholerafälle. Helfen Sie uns, handeln zu können. Foto: humedica/Ruth Bücker

Hoffnung, dass der Regen keine weiteren Opfer fordern wird und dass die übrigen Camps bei den anhaltenden Schauern von Zerstörung verschont bleiben. Zuversicht, dass die Menschen bald wieder zu ihren alltäglichen Aktivitäten zurückkehren können. Ihre zwar besorgniserregende, aber dennoch hoffnungsvolle Nachricht schließt Caroline Klein mit folgenden Sätzen:

Wir können von den Haitianern viel darüber lernen, wie man mit all diesen Schwierigkeiten leben und die Probleme bewältigen kann. Nach den ersten Stunden die wir gearbeitet haben um das Wasser aus dem Gebäude zu befördern, saßen wir alle gemeinsam, haben gegessen und gelacht. Dies ist eine Gabe der Haitianer: unermüdliche Lebensfreude. Und die Kraft, auch die schlimmsten Situationen zu bewältigen.

Liebe Freunde und Förderer, seit dem ersten Juni sind zwei medizinische Einsatzkräfte in Drouin tätig, wo bereits im vergangenen Jahr ein gut funktionierendes Cholera-Behandlungszentrum eröffnet wurde. Dank der Unterstützung von BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ kann humedica bis Oktober weitere medizinische Teams nach Haiti senden.

Bitte unterstützen Sie uns bei dem Kampf gegen die erneut ansteigenden Cholerafälle mit einer konkreten Spende über unser Online-Formular oder durch eine Überweisung auf folgendes Konto:

      humedica e.V.
      Stichwort „Haiti Cholera
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und direkt ist die Möglichkeit der sms-Unterstützung: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5 Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Projekte.

Vielen herzlichen Dank!

Unwetterwolken über Haitis Hauptstadt. Foto: humedica/Caroline Klein

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