Nach Haiti: "Ich bin überwältigt"

von Annette Dier/RBU, 02.02.2011

Im Herbst vergangenen Jahres absolvierte Annette Dier das humedica-Training für medizinische Einsatzkräfte. Nur wenige Monate später folgte bereits ihr erster Einsatz: die Ärztin reiste nach Haiti, wo Cholerapatienten immer noch dringend Hilfe benötigen. Lesen Sie im folgenden Bericht von Annette Diers Erlebnissen, Eindrücken und Emotionen.

Die Lebensgefahr besteht bei Cholera in der totalen Austrockung des Körpers und damit verbunden Kreislaufkollaps und Herzstillstand. Um dem entgegenzuwirken, bekommen die Patienten Infusionen. Foto: humedica

„Zu Beginn meiner Reise, die meinen ersten Einsatz mit humedica darstellte, war ich sehr überwältigt. Mich erschütterten und berührten die Extreme, die mir in Haiti begegneten. Auf der einen Seite intakte, schöne Straßenzüge, auf der anderen Seite die völlig überbevölkerten Zeltlager und absolute Armut.

In der humedica-Unterkunft angekommen, wurde ich von den anderen humedica-Einsatzkräften aufgenommen, als wäre ich schon jahrelang dabei. Ein ganz fremdes aber phantastisches Gefühl.

Klaus, ein Krankenpfleger, war schon mehrmals in der „Klinik der Hoffnung“ in Port-au-Prince und erklärte mir Anfängerin außerordentlich geduldig alle Zusammenhänge, stellte mich den anderen vor und beantwortete Frage für Frage mit einer Engelsgeduld! Das hat mir unheimlich über die Anfangsängste geholfen.

Aber mein Tätigkeitsort sollte nicht die Hauptstadt Haitis sein, sondern die nördlich gelegene und viele Cholerapatienten aufweisende Stadt Drouin. Dort warteten die Kollegen bereits auf mich um mir alles zu zeigen. Gemeinsam mit der Krankenschwester Antonie Riesen versorgten wir nach zwei Tagen Übergabe alle Cholerapatienten.

Jeder einzelne unserer Patienten hat mich sehr nachhaltig beeindruckt. Geduldig warteten sie, bis sie an der Reihe waren und behandelt werden konnten, ganz gleich wie lange diese Wartezeit war und wie schnell wir „Neuen“ waren. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich anfangs die Zeit auch benötigt habe.

Sehr beeindruckend waren für mich auch die Hausbesitzer unserer Unterkunft in St. Marc, von wo aus wir täglich in die Klinik nach Drouin fuhren. Sie waren unglaublich gastfreundlich und fürsorglich. Ein Wochenende musste ich wegen Krankheit im Bett verbringen. Ich wurde von allen bestens versorgt: die Nachbarin kochte für mich, der Sohn des Hauses erkundigte sich über Handy aus immer wieder nach meinem Befinden und auch der 94-jährige Senior des Hauses zeigte sich sehr besorgt.

Insbesondere die Kinder sind Ärztin Annette Dier und Krankenschwester Antonie Riesen (Bild) ans Herz gewachsen. Foto: humedica

Die Freundlichkeit und Dankbarkeit der Menschen ist unbeschreiblich und hat mich tief bewegt. Die meisten Haitianer besitzen so wenig oder gar nichts, sind aber stets fröhlich und zeigen, dass sie uns und unsere Arbeit schätzen.

Diese drei Wochen meines ersten Einsatzes haben mir gezeigt, dass ich mit meiner Entscheidung, humedica zu kontaktieren und in Haiti den Menschen zu helfen und in der Klinik mitzuwirken, völlig richtig lag.

Und ich hoffe nach diesen Erfahrungen sehr darauf, abermals nach Haiti geschickt zu werden und helfen zu dürfen. Das Land und die Leute sind mir sehr ans Herz gewachsen, und die humedicaner ebenso.

Mit herzlichen Grüßen aus Ettlingen,
Ihre Annette Dier“

Der zunächst bis Ende Januar angesetzte Einsatz medizinischer Teams zur Behandlung der Cholerapatienten, wurde wegen erneut ansteigender Patientenzahlen verlängert. Wir brauchen für diese Hilfsmaßnahmen Ihre Unterstützung. Bitte stehen Sie an unserer Seite.

      humedica e.V.
      Stichwort „Haiti Cholera
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online für die lebensrettenden Behandlungen der Cholerapatienten in Haiti oder unterstützen Sie uns mit einer sms: senden Sie das Stichwort DOC an die 8 11 90 und bewirken Sie mit dem kleinen Beitrag von 4,83 Euro Großes für die Menschen in Haiti.

In den Einsatz zu gehen und Menschen in Not zu helfen war für Annette Dier genau die richtige Entscheidung. Vielen Dank für Dein Engagement, liebe Annette. Foto: humedica/Antonie Riesen

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