„Ich bin gesegnet, helfen zu können“

von Ruth Bücker, 25.06.2011

Seit den dramatischen Minuten des Januars 2010, in denen die Erde bebte und die Leben zahlreicher Menschen zerstörte, arbeitet humedica Seite an Seite mit dem „Krankenhaus der Hoffnung“ in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. Aus der anfänglichen medizinischen Akuthilfe wuchsen verschiedene Projekte heran, die den Erdbebenopfern des Karibikstaates auf ihrem Weg in die Zukunft helfen.

Vor wenigen Tagen war die Leiterin des Krankenhauses, Gladys Thomas, zu Besuch in der humedica-Zentrale in Kaufbeuren. Diese Gelegenheit nutzten wir, um sie nach den Entwicklungen zu befragen, uns ihre Sicht der immer noch andauernden Gefahr der Cholera schildern zu lassen und inwiefern die angekündigte Hurrikansaison bei den Entwicklungen auf der Insel Hiaspaniola mitwirkt.

Liebe Gladys, würdest du Dich bitte kurz vorstellen?

Gladys Thomas (2. v.r.) gemeinsam mit Mitgliedern des Ersteinsatzteams (von links): Dr. Irmgard Harms, Nancy Schmidt, Simon Oeckenpöhler und Simone Winneg. Foto: Humedica

Mein Name ist Gladys Thomas, ich bin die Präsidentin der „Foundation for Children in Haiti“, einer haitianischen Organisation, die vor 30 Jahren gegründet wurde. Ursprünglich handelte es sich bei den Hilfsmaßnahmen meiner Organisation um ein einzelnes Waisenhaus, in dem die Kinder aber weder Bildung und Erziehung bekamen, noch war jemand anwesend, der sich um administrative Angelegenheiten kümmerte.

Inzwischen wurden daraus mehrere Waisenhäuser unter meiner Leitung, die den elternlosen Mädchen und Jungen eine kindgerechte Umgebung zum Aufwachsen bieten. Eines der Waisenhäuser in Port-au-Prince ist zusätzlich dafür ausgestattet, geistig und körperlich behinderten Kindern einen liebevollen Alltag zu ermöglichen.

Darüber hinaus leite ich das „Hôpital Espoir“, das „Krankenhaus der Hoffnung“, dessen Gründung inzwischen 17 Jahre zurück liegt. Ursprünglich galt die medizinische Behandlung den verwaisten Kindern, inzwischen ist es aber eine Klinik für Jung und Alt geworden. Und in dieser Klinik traf ich auch das erste Mal humedica, im Januar 2010 nach dem schweren Erdbeben.

Was bedeuteten die Begegnung und die daraus resultierende Zusammenarbeit für dich?

Als ich humedica zum ersten Mal traf, waren die Rahmenbedingungen sehr schwierig: nach dem Erdbeben war die Situation katastrophal, sehr anstrengend und es herrschte allgemein ein großes Durcheinander.

Es war wie ein Wunder, dass wir unter solch schlechten Bedingungen innerhalb kürzester Zeit so gut und effizient zusammengearbeitet haben und ich als Krankenhausleiterin war dankbar, die Ehrenamtlichen von humedica an meiner Seite zu haben und von ihnen bei der Behandlung der Erdbebenopfer unterstützt zu werden und in dem ersten Chaos den Betrieb quasi an das Team aus Deutschland übertragen zu können.

Ausbildungsstätte und physiotherapeutische Einrichtung in einem: die Prothesen- und Orthesenwerkstatt. Foto: humedica/Gladys Thomas

Während die medizinischen Einsatzkräfte bis in den Juli hinein die Behandlung der Patienten übernahmen, hatte ich Zeit, das Krankenhaus zu renovieren und nach dem Erdbeben einsturzgefährdete Gebäudeteile zu restaurieren.

Einige andere Krankenhäuser sind bei dem Beben eingestürzt oder konnten den Betrieb bei der großen Zahl an verletzten Personen nicht aufrechterhalten. Mein besonderer Dank gehört auch den Mitarbeitern der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH, die uns durch eine überaus großzügige Spende geholfen haben, die Betriebskosten des Hospitals zu finanzieren, da die erdbebenopfer ja für ihre Behandlung nichts bezahlen konnten. Durch die großartigen Kooperation mit humedica hatten wir das Glück, sowohl Patienten behandeln zu können, als auch parallel Baumaßnahmen vorzunehmen.

Zwei weitere, wirklich großartige Projekte der Zusammenarbeit sind die Prothesen- und Orthesenwerkstatt und das Familienpatenschaftsprogramm. Viele Menschen haben durch das Erdbeben alles verloren und in dem Patenschaftsprogramm können wir zumindest hundert Familien unterstützen: die Kinder bekommen Zugang zu Bildung, die Eltern werden bei der Arbeitssuche unterstützt und bekommen Lebensmittel.

Für die Zukunft baue ich sehr darauf, gemeinsam mit humedica noch viel erreichen zu können. Insbesondere in diesen Zeiten der Cholera bei den Themen Bildung und Aufklärung der Haitianer. Kinder brauchen dringend Schulunterricht, und auch viele Erwachsene haben nicht das nötige Wissen, um sich vor Krankheiten schützen zu können.

Aus diesen ganzen Erlebnissen und der gemeinsamen Arbeit hat sich ein freundschaftliches Band geknüpft, das bis heute anhält und uns gemeinsam arbeiten lässt. Innerhalb des vergangenen Jahres sind so viele verschiedenartige Projekte zur Unterstützung der Menschen in Haiti durchgeführt worden, bei denen ich gemeinsam mit humedica so viel erreichte. Ich fühle mich gesegnet, dass ich das tun konnte, Teil dieser Hilfe sein durfte und sein darf.

Inwiefern hat sich ein Band geknüpft?

Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte von humedica sprechen für sich und für die Arbeit von humedica. Jeder von ihnen war besonders und ich traf die wunderbarsten Menschen. An ihnen und ihrem Engagement konnte ich sehen, um was es bei humedica geht. Und meine ursprünglichen Erwartungen an die Zusammenarbeit wurden bei Weitem übertroffen.

Helfen verbindet: "Für mich beinhaltet dieses Band das Gefühl, zu einer Familie zusammengewachsen zu sein." Foto: humedica/Jens Grossmann

Für mich beinhaltet dieses Band das Gefühl, zu einer Familie zusammengewachsen zu sein. Jedes Mal wenn ein Team die Klinik verließ und dafür ein neues Team ankam, war es so, als gingen Familienmitglieder.

Der Wille zu helfen, schweißte uns alle zusammen - bis heute. Wir haben die Liebe zu Gott gemeinsam, und die Liebe zum Menschen. Und so arbeiten wir zusammen, bis heute insbesondere mit Landeskoordinatorin Caroline, und es trägt Früchte!"

Wie Gladys Thomas die Situation der Choleraepidemie erlebt und einschätzt, was sie in naher Zukunft fürchtet und wie ihre Hoffnung für die Zukunft aussieht, können sie in Kürze in dem zweiten Teil des Gesprächs lesen.

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