Bewegende Begegnung nach drei Jahren

von Roswitha Märkle/RBU, 19.10.2011

Viele Augenblicke im Leben stellen ganz besondere Momente dar, die in Erinnerung bleiben und Spuren hinterlassen. Dies können Augenblicke sein, in denen es um die gegenwärtige Situation geht. Dies können aber auch Augenblicke sein, in denen viele Erinnerungen gebündelt werden und die eine Geschichte erzählen, die weit über den einzelnen Augenblick hinausgeht. Die Geschichte hinter dem Bild - dieses Mal aus Haiti.

„Einige humedica-Teilnehmer kennen Maude von der persönlichen Begegnung, andere werden sie aus diversen Internet-Tagebucheinträgen kennen. Bei meinem ersten Haitieinsatz im November 2008 lernte unser Team die liebenswürdige, ungemein tapfere junge Frau mit Mann und ihrem zweijährigen Sohn in erbarmungswürdigem Zustand kennen.

Maude war im Februar 2008 von einem Lastwagen angefahren und schwerst verletzt worden. Beide Beine waren gebrochen und sie hatte bereits ein achtmonatiges Martyrium hinter sich. Ihr großes Glück in diesem Unglück war die Tatsache, dass sie Kontakt zu humedica bekam, die ihr mehrere Operationen, Medikamente und Therapien ermöglichte.

Wir setzten die Arbeit der vorherigen medizinischen Teams fort und führten regelmäßig die notwendige Versorgung mehrerer infizierter Wunden und eines beträchtlichen Dekubitus durch (Anmerkung der Redaktion: Dekubitus bezeichnet eine wundgelegene, offene Stelle der Haut).

Während eines weiteren Einsatzes nach dem Erdbeben im Januar 2010 war das gesamte humedica-Team voll ausgelastet. Bei so viel akutem Leid hatte ich, um ehrlich zu sein, keine Zeit für Gedanken an Maude. Doch bei meinem aktuell dritten Haitieinsatz im September in St. Marc wurde mir ein Besuch in Maudes Dorf ermöglicht.

Kaum sah sie mich kommen, strahlte sie über das ganze Gesicht, kam mir freudig entgegen, umarmte mich und zählte alle fünf Namen der damaligen Teammitglieder auf. Dann führte sie stolz ihren inzwischen fünfjährigen Jungen vor. Im Nu waren wir von sämtlichen Dorfbewohnern umringt.

Maude zeigte ihre vielen riesigen, aber gut verheilten Narben und berichtete von insgesamt sieben Operationen. Unter Zuhilfenahme einer einzigen Krücke lief sie ganz schön flott mit zur Straße, um die im Auto Wartenden zu begrüßen. Maude wieder laufen zu sehen hat mich ungemein berührt und mit ganz großer Freude erfüllt.“

Für die erfahrene humedica-Einsatzkraft Roswitha Märkle war die erneute Begegnung mit ihrer Patientin Maude ein rührendes Erlebnis. Foto: humedica

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