Ein Jahr voller Lichtblicke, aber auch dunkler Momente

von Steffen Richter/RBU, 12.01.2011

Als an diesem 12. Januar 2010 die Erde bebte, hätte kaum einer für möglich gehalten, dass innerhalb kürzester Zeit mehr als 220.000 Menschen ihr Leben verlieren würden. Weitere Statistiken dieses furchtbaren Bebens in der Karibik erschüttern:

Eine Stadt lag in Trümmern, und mit ihr die Lebensgrundlage von mehr als einer Millionen Menschen. Foto: humedica

1,5 Millionen Obdachlose, mehrere einhunderttausend, zum Teil schwer verletzte Haitianer. Zehn Monate später der nächste Schicksalsschlag: Cholera. In den zwölf Monaten nach dem Erdbeben kamen die Menschen nicht zur Ruhe. Bewirkt wurde dennoch vieles.

Mehr als 140 medizinische Einsatzkräfte hatte die Katastrophenhilfe für humedica bis zum Sommer umgesetzt. Bereits am dritten Tag nach dem Beben war eine erste Gruppe von Helfern gemeinsam mit zwei Koordinatoren im „Krankenhaus der Hoffnung“ in Haitis Hauptstadt Port-au-Price gelandet und hatte den Betrieb übernommen.

Dieses Haus ist bis heute Ausgangspunkt aller unserer Bemühungen und die Erlebnisse des Teams dort, könnten mit hoher Wahrscheinlichkeit ein dickes Buch füllen. Traurige Erlebnisse wie Todesfälle oder Amputationen gingen zeitlich nahezu einher mit nachwirkenden Zeichen der Hoffnung wie etwa sicheren Geburten.

Das zunächst zu großen Teilen einsturzgefährdete Klinikgebäude konnte zwischenzeitlich vollständig renoviert werden, die Patientenzimmer sind eingerichtet, eine Begehungsrampe für gehbehinderte Patienten wurde erbaut und Ende des vergangenen Jahres konnte das „Krankenhaus der Hoffnung“ seine Pforten schließlich wiedereröffnen.

Bis zum frühen Sommer konnte die medizinische Katastrophenhilfe auch auf das eigentliche Epizentrum des Bebens Leogane ausgeweitet werden. Bis heute gehören neben Port-au-Prince auch die kleineren Städte Meyer und Marbial zu den Projektstandorten von humedica.

Schülerinnen und Schüler in provisorischen Klassenunterkünften in Meyer. Foto: humedica

Zwei Schulen, die in diesen Orten innerhalb der 30 Sekunden des Erdbebens zerstört wurden, konnten in den vergangenen zwölf Monaten bereits teilweise wiederaufgebaut, Trümmer abgetragen, einsturzgefährdete Teile des restlichen Gebäudes abgerissen und Schutt beseitigt werden.

Über diese Abriss- und Aufräumarbeiten hinaus wurden auch die ersten Wiederaufbaumaßnahmen durchgeführt. Das Fundament wurde geebnet, Baupläne erstellt und der Grundstein für die neuen Schulen gelegt. Für mehrere hundert Mädchen und Jungen bedeutete die Hilfe von humedica auch, dass sie bereits wenige Monate nach dem Erdbeben in provisorisch errichteten Klassenzimmern wieder dem Unterricht folgen konnten.

In Port-au-Prince ist humedica darüber hinaus in den Aufbau eines Prothesen- und Orthesenzentrums involviert. Tausende Bebenopfer werden nach Amputationen von Armen oder Beinen den Rest ihres Lebens mit einer Behinderung verbringen. Andere bedürfen auch nach Monaten noch Unterstützung bei der Rehabilitation ihrer schweren Verletzungen.

Um vielen dieser Menschen helfend zur Seite stehen zu können, wird humedica Prothesen und Orthesen herstellen, anpassen und reparieren und darüber hinaus einheimisches Personal zu qualifizierten Orthopädiemechanikern ausbilden. Geleitet werden die Arbeiten von dem zuständigen Projektkoordinator Wendell Endley aus Südafrika, der Anfang dieses Jahres schon einmal in Haiti im Einsatz war.

Inmitten der laufenden Projekte des Wiederaufbaus und der Prothesen- und Orthesenwerkstatt platzte Mitte Oktober die Meldung einer ausgebrochenen Cholera-Epidemie in der Region um die Provinzstadt St. Marc.

Noch immer haben die Menschen in Haiti mit Cholera zu kämpfen. Foto: humedica

Dort hatte humedica bereits 2008 und 2009 erfolgreich verschiedene Einsätze mit medizinischen Teams durchgeführt. Entsprechend kurz war die Reaktionszeit unserer Mitarbeiter in Port-au-Prince, die bereits wenige Stunden nach Bekanntwerden des Choleraausbruchs eine Gruppe mit gut ausgestatteten Ersthelfern entsenden konnte.

Mittlerweile konnte das Engagement im Kampf gegen die tückische Seuche durch weitere Teams aus Deutschland unterstützt werden. Zentrum des Einsatzes ist bis heute das kleine Krankenhaus in Drouin, einer Ortschaft, nördlich von St. Marc gelegen.

Es scheint, als käme Haiti nicht zur Ruhe. Bereits vor dem Beben galt der Karibikstaat, idyllisch auf der Insel Hispaniola gelegen, als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Noch immer leben mehr als eine Million Menschen in Flüchtlingscamps. Noch immer sind die großflächigen Zerstörungen des Bebens sichtbar. Längst nicht verheilt sind die physischen und psychischen Wunden der Menschen.

Auch wenn bereits vieles bewirkt werden und Lichtblicke in dunkle Zeiten gebracht werden konnten, braucht Haiti weiterhin unsere Aufmerksamkeit und konkrete Hilfe. Bitte bleiben Sie an unserer Seite und unterstützen uns mit einer Online-Spende oder auf untenstehendes Konto:
      humedica e.V.
      Stichwort "Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Mit dem Senden einer sms und dem Stichwort DOC an die 8 11 90 können Sie uns darüber hinaus ebenfalls sicher und schnell unterstützen. Von den 5 Euro fließen 4,83 Euro direkt in die humedica-Projekte. Vielen Dank!

Ein besonderer Dank gilt dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland für die freundliche Unterstützung und vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der humedica-Hilfe in Haiti.

Mit Bakterien verunreinigtes Wasser und schlechte hygienische Bedingungen sind Hauptgründe für die drastische Choleraepidemie. Foto: humedica/Ruth Bücker

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