„Jemand in der Welt denkt an uns“

von Margret Müller, 30.12.2011

Gemeinsam mit dem erfahrenen Katastrophenmediziner Prof. Dr. Heiner Laube und Krankenpfleger und Rettungsassistent Philipp Nowack, hilft Koordinatorin Margret Müller erneut auf den Philippinen. Bereits vor wenigen Wochen half sie auf der Hauptinsel Luzon. Aktuell koordiniert sie die humedica-Hilfsmaßnahmen auf Mindanao, wo der Wirbelsturm Washi Zerstörung und Elend brachte, wie die junge Berlinerin berichtet.

„Als die Flutwelle in der Nacht zum 18. Dezember auf die Bewohner Iligans hereinbrach, rannten viele, zumindest von denen die es merkten, auf die einzige Anhöhe der sehr armen Strandgegend der Stadt - auf die Müllhalde. Die Wucht der Wellen weichte den vermeintlichen Berg komplett auf und begrub alle Schutzsuchenden unter den Müllmassen. Allein beim Zuhören dieser Schilderung möchte mein Herz kurz aussetzen.

Was aussieht, als hätte dieser Mann Glück gehabt und sein Haus hätte die Katastrophe gut überstanden, täuscht: lediglich zwei der Außenwände haben den Fluten und Schlammlawinen standgehalten. Foto: humedica/Margret Müller

Der Taifun Washi verursachte eine reißende Schlamm- und Flutwelle von den Bergen die Flüsse herunter an Strandstädte wie Cagayan de Oro und Iligan. Vor allem Baumstämme wurden von den Wassermassen mitgerissen und bildeten die mörderische Kraft der Welle, die sich in die Häuser bohrte und vor allem die kleinen Holzhütten der ärmsten Menschen der Region dem Erdboden gleichmachten.

Es ist an vielen Stellen Iligans nicht mehr erkennbar, dass hier überhaupt jemals Häuser standen. An anderen Stellen stehen manche der Hütten noch, jedoch meterhoch mit Schlamm und Baumstämmen bedeckt oder von Steinen eingezingelt.

In dieser Mondlandschaft leben Menschen, sitzen in kleinen Gruppen auf dem, was mal ihr Haus war und nun oft aus nichts weiter als einer Wand und ein paar nassen Habseligkeiten besteht. Sie wünschen uns lächelnd „Frohe Weihnachten“ sobald wir uns nähern. Frohe Weihnachten?

Das vorgespielte Lächeln hält jedoch nicht lange, zu schlimm ist die Situation. Sie erzählen uns von der Nacht, dem Wenigen das blieb, von überfüllten Auffanglagern, der Angst vor einer neuen Flut und davor, dass jemand ihren „Wohnort“ besetzt.

Darüber hinaus sorgen sie sich wegen ihrer Erkrankungen durch mangelndes sauberes Wasser, da noch immer viele Leichen nicht geborgen werden konnten, sie berichten von dem Staub am Morgen und über den Tag und der Feuchte durch den vielen Regen bei Nacht, der zu Atemwegserkrankungen führt. Viele von ihnen plagt Fieber, noch mehr aber die Angst, wie es weitergehen soll: wohin sollen sie gehen? Wohin wird ihr Leben sie führen? Wie soll die Zukunft aussehen?

Da Iligan nicht so zentral gelegen ist wie Cagayan de Oro, läuft hier die Versorgung sehr viel langsamer an - was uns vor die Herausforderung stellt, akzeptieren zu müssen, das wir uns nicht sechsteilen können, denn unsere Hilfe wird vielerorts dringend benötigt.

Die physische Betreuung der Beschwerden steht im Vordergrund. Aber auch die seelsorgerische Betreuung und das gesetzte Zeichen, dass die Menschen nicht allein sind in ihrer Not, sind von großer Bedeutung. Foto: humedica/Margret Müller

Am zweiten Weihnachtsfeiertag behandelte das humedica-Team in zwei Auffanglagern die evakuierten oder obdachlos gewordenen Kinder, Frauen und Männer. Eines der Zentren war eine umfunktionierte Schule, in der seit dem Wirbelsturm 5.000 Menschen unterkommen. Zwischen 80 bis zu 120 Personen teilen sich einen Klassenraum, welche auf den Philippinen nicht größer sind als in Deutschland.

Aneinander gepfercht teilen sie alles, vor allem auch die Krankheiten, die sich wie ein Lauffeuer zu verbreiten scheinen. Viele Schulen wurden Notunterkunft für Opfer der Fluten, aber im Januar beginnt die Schule wieder - wie es dann weitergehen soll mit den Bedürftigen? Momentan scheint es noch keine ausgereifte Lösung zu geben.

Vielen Bewohnern schlägt die Situation auf die Gesundheit - das ständige Zusammensein und das Gefühl der Enge, des Eingezwängt-Seins mit hundert anderen Personen in einem kleinen Raum, die auch leiden und klagen, sich fürchten und nicht weiter wissen, führt zu Stress, Schmerz, Krankheiten und körperlicher Schwäche.

Unsere Hilfe wird so dringend benötigt, und eigentlich noch viel mehr helfende Hände. Wir merken, dass allein unsere Anwesenheit, „dass jemand in der Welt an uns denkt“, viel ausmacht. Vielmehr wollen wir aber tatsächlich helfen, lindern, zu Heilung verhelfen und zumindest die körperlichen Wunden versorgen."

Liebe Freunde unserer Arbeit. Bitte lassen Sie uns über die eigene Weihnachtsfreude und den bevorstehenden Jahreswechsel die bedürftigen Menschen nicht vergessen, deren Leben vollends durcheinandergerüttelt und zerstört wurden. Lassen Sie uns gemeinsam noch mehr helfende Hände zur Unterstützung entsenden. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Fluthilfe Asien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Großes bewirken auch mit einer kleinen sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro unmittelbar in die humedica-Katastrophenhilfe.

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