Physische und psychische Hilfe

von Ruth Bücker, 05.11.2011

Die medizinische Versorgung in Ercis wurde von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag professioneller und weiter ausgebaut. Während in der Sporthalle weiterhin in drei Zelten und einer provisorisch eingerichteten Ambulanz und Notaufnahme Behandlungen vorgenommen wurden, errichtet der Türkische Rote Halbmond zeitgleich ein weiteres Zelthospital.

In beheizten Zelten und mit bestem medizinischen Equipment sind knapp zwei Wochen nach dem Erdbeben alle akuten Lücken, die unmittelbar nach der Katastrophe dem Ausmaß der Zerstörung verschuldet waren, nun gefüllt. Aus diesem Grund brach das humedica-Team nach zehn Tagen im Katastrophengebiet im wahrsten Sinne des Wortes seine Zelte ab.

Stiefel gegen den schlammigen Boden bei Regen und gegen die Kälte im bevorstehenden Winter. Foto: humedica/Ruth Bücker

Ein Pflaster auf Schrammen, Kratzern oder offenen Wunden wird nicht mehr benötigt. Zum Abschied hatten die humedica-Einsatzkräfte aber noch Pflaster für die Seele besorgt, nach Ercis transportieren lassen und dort verteilt.

Was es bedeutet, überlebt zu haben, während geliebte Menschen ihr Leben verloren, körperliche Schmerzen ertragen zu müssen, eine radikale und plötzliche Veränderung und Verschlechterung der Lebensumstände zu erleben und alles Hab und Gut zu verlieren - all das möchte man sich nicht vorstellen. Aber genau das sind die Dinge, die den Menschen in Ercis widerfahren sind und sie ständig beschäftigen.

Kindern werden nach solch traumatisierenden Erlebnissen enorme Selbstheilungskräfte und eine gute Anpassungsfähigkeit in schwierigen Situationen zugesprochen. Aber eben diese Kinder, die Opfer oder Zeugen einer Katastrophe wie des Erdbebens in der Osttürkei wurden, sind es, die am intensivsten betreut werden müssen, damit die schrecklichen Erfahrungen sie nicht lebenslang prägen.

Zu diesem Zweck überreichte humedica einem Team aus ehrenamtlich in Ercis tätigen Psychologen zunächst Zeichenblöcke und Wachsmalstifte. Am Rande der Zeltstadt wurden speziell für die Kinder abgeschirmte Bereiche eingerichtet, die ihnen in dieser Situation der Unsicherheit Schutz und Geborgenheit versprechen.

Für die kommenden Monate wird dies ein Ort für die Kleinen sein, an dem sie unter Aufsicht der psychologischen Betreuer Kinder sein dürfen und die schrecklichen Erfahrungen spielerisch verarbeiten können.

Pflaster und Beruhigungsmittel für die Seele: Kuscheltiere für die tapferen kleinen Patienten. Foto: humedica/Matthias Gerloff

Ebenfalls für die Mädchen und Jungen der Zeltstadt verteilte humedica in Zusammenarbeit mit dem Türkischen Roten Halbmond Stiefel. Bereits 1.500 Paar in verschiedenen Größen und Farben erreichten die kleinen bedürftigen Empfänger. Verursachten vorher noch Schlappen oder Hausschuhe kalte Füße, haben die Kinder mit den Stiefeln nun Schutz vor Nässe und Kälte.

Auch in der Kinderambulanz der umfunktionierten Sporthalle konnte humedica Freude verbreiten und Trost schenken. Als Trostpflaster und Mutmacher erhielten die kleinen Patienten zusätzlich zu der medizinischen Behandlung Kuscheltiere und somit ein Beruhigungsmittel für die Seele.

All diese Güter erscheinen auf den ersten Blick nicht existenziell. Aber insbesondere für Kinder, denen die Grundsicherheit und ihre gewohnte Umgebung genommen wurde, die kein Zuhause mehr haben und im schlimmsten Fall Familienangehörige verloren haben, bedeuten diese Pflaster für die Seele viel. Und dank Ihrer Spenden konnten wir dies ermöglichen.

Dank Ihrer Spenden konnte humedica zwischen all dem Chaos und der Traurigkeit Freude schenken. Lachen hervorrufen. Neben den geleisteten medizinischen Notfallversorgungen auch diese Form der Hilfe leisten. Vielen Dank dass Sie das möglich gemacht haben. Bitte helfen Sie uns auch weiterhin bei unserer Hilfe.

      humedica e.V.
      Stichwort „Erdbeben Türkei
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Auch mit einer kleinen sms Großes bewirken: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro fließen 4,83 Euro unmittelbar in die humedica-Katastrophenhilfe.

Zeichnen beschäftigt die kleinen Mädchen und Jungen und hilft ihnen darüber hinaus, mögliche Traumata zu überwinden. Foto: humedica/Ruth Bücker

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