"Die Hoffnungslosigkeit wächst"

von Judith Kühl/RBU, 02.08.2011

Das humedica-Ersteinsatzteam war zwei Wochen in der Krisenregion an der äthiopischen Grenze zu Somalia tätig. Ein Bild, das die Geschichte einer verzweifelten Mutter erzählt. Ein Moment, der uns als Team zutiefst getroffen hat. Ein Schicksal, das leider keinen Einzelfall darstellt.

Das Leben der kleinen Tikka wäre es ihrer Mutter wert gewesen, sich von ihr zu trennen. Foto: humedica/Judith Kühl

Eine Mutter steht mit ihrer Tochter auf dem Arm an der Hauptstraße von Dolo Addo, fünf Kilometer von Somalia entfernt. Die etwa einjährige Tikka fängt an zu weinen, als sie uns sieht. Ihre Mutter lächelt nur schüchtern, versucht Blickkontakt mit uns aufzunehmen. Das Kind schreit lauter. Das mit Tränen und Staub verschmierte kleine Gesicht drückt sich schutzsuchend an den Hals der Mutter.

Diese winkt uns herbei hinter eine kleine Hütte. Die Umstehenden sollen nicht sehen, was sie von uns will. Wir sprechen keine gemeinsame Sprache, verständigen uns mit Händen und Füßen. Die Mutter lächelt immer noch. Sie zeigt auf Tikka. Wir sollen das Mädchen auf den Arm nehmen.

Unter ihrem T-Shirt holt sie einen zerknüllten Geldschein hervor, nicht mehr wert als zwei oder drei Euro. Sie fuchtelt damit herum, hält ihn uns entgegen. Sie zeigt auf das Kind, dann wieder auf das Geld. Ohne Worte, trotzdem deutlich zu verstehen: „Nehmt das Kind! Ich gebe Euch mein letztes Geld dafür!

Eine hässliche Welle der Hilflosigkeit und Verzweiflung schlägt uns entgegen. Noch mal: Die Mutter hält uns das Kind entgegen: „Nehmt es doch,“ sagt der Ausdruck auf ihrem Gesicht. Tikka weint immer lauter. Es klingt erschütternd bitterlich in unseren Ohren.

Die Lage vieler Flüchtlinge ist verzweifelt. Vor allem die Situation der Mütter ist unvorstellbar schrecklich. Ohne Perspektive wissen sie nicht, wie sie und ihre Kinder den Hunger überleben sollen. Es geht um Leben und Tod. Viele Familien kommen nicht mit allen Kindern über die Grenze.

Kranke Kinder sterben auf der Flucht. Andere werden von ihren Eltern ausgesetzt. Sie setzen sie in der Wildnis aus, um sich oder einen Teil der Familie zu retten.

Unser Partner der Kindernothilfe, Dietmar Roller, erzählt aus Somalia: „Ich habe heute mit einer Mutter gesprochen, die mit vier Kindern losgezogen ist um der Dürre zu entkommen. Sie sagte mir: „Drei musste ich an der Straße zurücklassen, um das eine zu retten.“

Weiterhin ist jede Hilfe in der Krisenregion um die somalische Grenze, sowohl nach Äthiopien als auch nach Kenia dringend nötig. Die Hoffnungslosigkeit der Eltern wächst ins schier Unermessliche. Der Appell vieler verzweifelter Mütter kann nicht lauter sein: „Helft uns! Ich kann mein Kind nicht mehr bei mir haben! Hier stirbt es!“

Bitte unterstützen Sie uns weiterhin bei unserem Einsatz. Vielen Dank!
      humedica e.V.
      Stichwort „Hungerhilfe Afrika
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sie können auch über unser Online-Formular für die Menschen am Horn von Afrika spenden oder uns mit einer sms unterstützen: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro kommen 4,83 Euro unmittelbar der humedica-Katastrophenhilfe zu Gute.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung und die Verantwortung, die Sie übernehmen. Foto: humedica/Judith Kühl

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×