Überwältigt von Liebe und Gemeinschaft der Menschen - „Die Katastrophe war überall um uns herum“

von Simon Oeckenpöhler/SRA, 10.02.2011

Nicht zum ersten Mal ging Medizinstudent Simon Oeckenpöhler für humedica in den Katastropheneinsatz. Dieses Mal führte ihn sein Weg nach Brasilien, wo er gemeinsam mit einem medizinischen Hilfsteam die Opfer der dramatischen Erdrutsche vom Januar dieses Jahres versorgte.

Angesichts von mehr als 700 Todesopfern, tausender Verletzter und unzähliger Menschen, die durch das Unglück ihr Obdach verloren hatten, startete humedica vor wenigen Wochen gemeinsam mit den lokalen Partnern von humedica-Brasilien eine Hilfsaktion zur Versorgung der Opfer.

Simon Oeckenpöhler (links) mit dem humedica-Team nach ihrer Ankunft am Flughafen in Rio de Janeiro. Im Bild (v. l.): Dr. Martin Ulbricht, Katrin Hoffmann, Dr. Martin Laue, Dr. Rainer Berendes. Foto: humedica/Wolfgang Groß

Die Bilder, die sich dem Team in den Katastrophengebieten um die Städte Nova Friburgo und Teresópolis boten, beeindruckten Simon Oeckenpöhler ebenso sehr, wie der gemeinschaftliche Zusammenhalt der Menschen und ihre Hilfe für einander.

„Auf den ersten Kilometern vom Flughafen Rio de Janeiro aus schien nichts darauf hinzuweisen, dass wir uns auf dem Weg in ein Katastrophengebiet befanden. Der Blick aus dem Autofenster erinnerte eher an Bilder eines Brasilienurlaubs: schönes Wetter, freundliche und gesunde Menschen, intakter Urwald und eine vollkommen unversehrte Infrastruktur.

Dieses Bild änderte sich allerdings grundlegend, als wir uns kurze Zeit später auf den Weg nach Nova Friburgo machten. Neben Teresópolis war Nova Friburgo eine der beiden durch die Erdrutsche am stärksten betroffenen Städte. Wir sollten bald merken, was das tatsächlich bedeutet.

Der Verkehr wurde stockender, je näher wir an die Stadt kamen. Lastwägen verstopften die Straßen, die immer staubiger wurden. Von einem Moment zum anderen fanden wir uns mitten in einer brasilianischen Innenstadt wieder.

An dem bräunlichen „Anstrich“, der bis zu einen Meter die Hausmauern emporragt, konnte man erkennen, wie hoch sich die Schlammlawinen der Erdrutsche durch die Stadt geschoben hatten.

Schlamm und Erdmassen prägen oft noch das Bild in den Straßen der betroffenen Regionen. Foto: humedica/Christian Simmons

Wir waren angekommen. Mitten in Nova Friburgo, aber nur ganz am Rand des Unglücks. Die Stadt war voll mit Dreck, Staub, Schlamm, Matsch und Wasser, das noch immer nicht abzulaufen schien.

Je weiter wir in Richtung der humedica-Brasilien-Station kamen, die zwischen Nova Friburgo und Teresópolis liegt, desto deutlicher wurde uns allen das Ausmaß der Katastrophe, die sich hier innerhalb weniger Stunden abgespielt haben musste.

Zwei bis drei Meter hohe Felsbrocken lagen, wie aus dem Nichts gekommen, mitten auf der Straße. Wie wir später erfuhren, hatten sie sich mit dem Wasser und der Erde aus einigen Kilometern Entfernung die Berghänge hinunter ihren Weg ins Tal gebahnt.

Immer wieder häuften sich auf der Straße riesige Schlamm- und Erdmassen. Gewaltige Risse im Asphalt ließen erahnen, mit welcher Kraft das Wasser gewütet haben musste. Ganze Siedlungsabschnitte waren einfach weggespült oder von Schlamm bedeckt.

Spätestens zu dieser Zeit war uns allen klar: was wir noch wenige Kilometer zuvor nicht für möglich gehalten hatten, war plötzlich Realität - die Katastrophe war überall um uns herum.

Viele Streckenabschnitte begegneten uns aber auch, die unversehrt wirkten. So hatte die Station von humedica-Brasilien die Erdrutsche unbeschadet überstanden. Und das, obwohl die Hänge in unmittelbarer Nähe alle abgerutscht waren. Wie durch ein Wunder hatte sich nur der Hügel direkt hinter der Station nicht bewegt.

Viele Opfer des Erdrutschunglücks in Brasilien nahmen dankbar die schnelle Hilfe der humedica-Einsatzkräfte an. Foto: humedica/Simon Oeckenpöhler

Hier bei humedica-Brasilien sollte nun die Basis für unseren Einsatz sein und von hier aus sollte unsere Hilfe in den kommenden Wochen koordiniert werden.

Auch bei unserer Erkundungstouren während der ersten Tage begegneten wir ähnlichen Gegensätzen. Eines der Teams fand immer wieder verletzte und traumatisierte Opfer des Unglücks, die dringend unsere Hilfe benötigten und uns dafür zutiefst dankbar waren.

Das andere Team erreichte Orte, in denen die einheimischen Bewohner bereits wieder dabei waren, zum Alltag zurückzukehren. In kürzester Zeit waren dort die Strommasten wieder aufgestellt und die Häuser gesäubert. Auch die Gesundheitsstationen waren schnell wieder in Betrieb.

Es hat mich tief beeindruckt, wie schnell und mit welchem Elan die Brasilianer hier ihre Straßen reparieren, ihre Häuser säubern und die Infrastruktur wiederherstellen. Vor allem aber war ich überwältigt, in welch unglaublich liebevoller Art sie einander gemeinschaftlich helfen.

Nach nur wenigen Tagen gab es keine Person, die noch kein Dach über dem Kopf gefunden hatte. Egal wo sie herkamen, egal was sie verloren hatten, sie wurden freundschaftlich aufgenommen und versorgt.

Die Hilfe kam vielfach von Kirchen, Gemeinden, Freunden und Bekannten, aber auch von völlig Fremden. Der Einsatz in Brasilien hat mir ein Land offenbart, dessen Menschen mir einen unglaublichen Zusammenhalt gezeigt haben.“

Liebe Freunde und Förderer. humedica engagiert sich nach der medizinischen Erstversorgung auch weiterhin im Rahmen von Hilfsgüterverteilungen und Wiederaufbauprojekten für die von den Erdrutschen betroffenen Menschen in Brasilien. Bitte unterstüzen Sie uns dabei, denjenigen zu helfen, die oft weit mehr als nur ihr Obdach verloren haben.

      humedica e.V.
      Stichwort „Erdrutsch Brasilien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Gerne können Sie auch über unser Online-Formular für Brasilien spenden, uns durch eine Familienpatenschaft oder durch das Senden einer sms unterstützen: Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro kommen 4,83 Euro unmittelbar der humedica-Projektarbeit zu Gute. Vielen Dank!

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