"Neben der Medizin bieten wir Trost und eine Schulter zum Anlehnen"

von Christian Simmons/RBU, 12.02.2011

Christian Simmons reiste im ersten humedica-Team im Januar nach Brasilien und koordiniert seitdem gemeinsam mit Nils Stilke und Dr. Irmgard Harms die Hilfsmaßnahmen. In seinem Bericht beschreibt der 30-Jährige, wie ein solcher Einsatz aussieht und welche Herausforderungen - organisatorisch wie auch emotional - diese Arbeit mit sich bringt.

Christian Simmons ist als logitischer Koordinator seit knapp einem Monat im Katastrophengebiet in Brasilien tätig. Foto: humedica/Irmgard Harms

„Für mich ist es der erste humedica-Einsatz und er wurde binnen einer Minute entschieden. Medizinisch gesehen habe ich noch nie einen Einsatz begleitet. Bislang habe ich nur persönlich in einer Mission am Amazonas gearbeitet die der Bevölkerung hilft, indem sie dort Wasserfilter installieren und Kirchen bauen.

Hier in Brasilien habe ich infolge der Erdrutsche, die in Nova Friburgo, Petrópolis und Teresópolis nieder gingen, zum ersten Mal so viel Leid gesehen. Die Hinfahrt in das Katastrophengebiet war schon sehr bewegend und eindrucksvoll. Die Straßen waren teilweise nur sehr schlecht zu passieren und stellenweise auch sehr gefährlich, da Teile der Straße abgerutscht waren.

Manche Straßen waren bereits geräumt und Erde und Schlamm rechts und links am Straßenrand aufgeschüttet, so dass eine schmale Fahrspur frei war. Aus dem Auto heraus sahen wir viele Berghänge, die abgerutscht waren. Das ganze Ausmaß wurde jedoch erst nach unserer Ankunft bei humedica-Brasil sichtbar, als wir eine Tour in die betroffenen Gebiete machten.

Nach zahlreichen Gesprächen mit öffentlichen Behörden und der Gesundheitsministerin hatten wir schließlich auch die Arbeitserlaubnis für das am folgenden Tag ankommende medizinische Team eingeholt. Mit dieser Nachricht konnte nun unsere Planung beginnen.

Die medizinische Versorgung

Es wurden zwei Teams gebildet und die insgesamt sieben Bezirke, in denen wir Patienten versorgen sollten, für den nächsten Tag eingeteilt. Jedes Team bekam einen einheimischen Fahrer zugeteilt, der die entsprechenden Gebiete, in denen sich die Flüchtlinge in Notunterkünften wie Kirchen und Schulen aufhielten, kannte und anfahren sollte.

Im Freien mit Klapptisch und -stühlen: für einen Katastropheneinsatz stellt dieses Szenario das Behandlungszimmer dar. Foto: humedica/Rainer Berendes

Insbesondere die ersten Tage waren sehr anstrengend, da wir nicht selten erst in den Abendstunden um 22 Uhr unseren Arbeitstag beendeten.

Medizinisch gesehen waren es meist hausärztliche und basismedizinische Behandlungen: Quetschungen, Prellungen, schwere Blutergüsse, offene Wunden und Schmerzen in Kopf, Rücken, in den Knochen und Gelenken und Magenbeschwerden.

Darüber hinaus konnten wir durch unsere Anwesenheit den traumatisierten Menschen Hoffnung und Beistand geben, ihnen eine Schulter zum Anlehnen bieten in dieser schweren Situation, in der sie alles verloren hatten, und ein wenig Halt und Trost gewähren.

Ich habe sehr gerne in meinem Team gearbeitet. Ein jeder hat auf den anderen geachtet und es herrschte ein sehr ausgeprägter und wohltuender Teamgedanke. Die Arbeitsweise ging Hand in Hand und jeder hat den anderen unterstützt, wo er etwas sah und helfen konnte.

Insbesondere in einer so schwierigen Situation in einem Katastrophengebiet war es für mich und für das Bewältigen meiner Aufgaben von großer Bedeutung, dass ich mich in meinem Team sehr wohlgefühlt habe.

Danke, dass ich helfen durfte

Mein Dank gilt Gott für die Führung. Und auch den anderen beiden Koordinatoren. Nils, der es mir ermöglicht hat an einem solch schwierigen und dennoch sehr reich erfüllten und bewegenden Einsatz teilzunehmen. Meiner Arbeitsstelle, die mich so spontan freigestellt hat. humedica, die mir das Vertrauen entgegengebracht haben, die Aufgaben zu bewältigen und den Anforderungen gerecht zu werden.

Die Kinder sollen wieder lachen können - auch wenn es nur Papierhüte sind, die humedica-Mitarbeiter mit ihnen basteln. Foto: humedica

Und Irmgard, die mir mit ihrer fröhlichen und vor allem weisen Art Beistand geleistet hat, mich ermutigt und mich immer wieder mit ihrem Humor aufgelockert hat. Die Koordinatoren und auch die ehrenamtlichen medizinischen Einsatzkräfte machen in meinen Augen eine wundervolle Arbeit, die sehr viel Respekt verdient hat.

Bitte unterstützen Sie humedica, um diese wertvolle Arbeit weiter voranzutreiben und humedica-Brasil über die Katastrophenhilfe hinaus beim Wiederaufbau zu helfen.

Vielen Dank,

Ihr Christian Simmons“

Nach der medizinischen Katastrophenhilfe, die dank der Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland seit Mitte Januar möglich ist, wird sich humedica beim Wiederaufbau zerstörter Häuser betätigen. Bitte helfen Sie uns mit einer gezielten Spende, den betroffenen Menschen eine neue Zukunft aufzubauen.

      humedica e.V.
      Stichwort „Erdrutsch Brasilien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Darüber hinaus leisten wir durch unser Patenschaftsprogramm nachhaltige Hilfe - bitte werden Sie Pate! Großes bewirken können Sie auch durch das Senden einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro unterstützen Sie mit 4,83 Euro direkt die humedica-Projektarbeit. Vielen Dank.

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