Viele stehen unter Schock, sind traumatisiert oder verzweifelt

von Daria Napieraj, 05.03.2011

Die 27jährige Nathalie Nowak war Anfang dieses Jahres für humedica in Brasilien unterwegs. Zwei Wochen arbeitete die deutsche Sozialpädagogin im Rahmen der Erdrutsch- und Katastrophenhilfe im humedica-Kinderdorf in der Nähe von Nova Friburgo. Weil sie schon seit einigen Jahren in Portugal lebt, war sie nicht nur dank ihrer Fach-, sondern auch durch ihre Sprachkenntnisse eine große Unterstützung.

Ein Bild der Zerstörung in unmittelbarer Nähe des Kinderdorfes. Foto: humedica/ Nathalie Nowak

„Als ich im Katastrophengebiet ankam, war mein Arbeitsbereich im Einsatzgebiet ein wenig unklar, denn ich bin, anders als die andern Einsatzkräfte, nicht im medizinischen Bereich, sondern im sozialen Bereich tätig“, sagte Nathalie Nowak über den Beginn ihres ehrenamtlichen Einsatzes.

An Möglichkeiten zu helfen, mangelte es am Ort nicht, denn die Katastrophe hat sehr zahlreiche Leute, sowohl direkt, als auch indirekt stark betroffen. Viele stehen unter Schock, sind traumatisiert oder verzweifelt. Sie suchen nach einem neuen Sinn in ihrem Leben. „Es fiel schwer, die Zahl der Leute, denen ich direkt helfen konnte auf einige wenige zu begrenzen.“, berichtet die Sozialpädagogin.

Die ehrenamtliche Einsatzkraft aus Portugal kümmerte sich, unter vielen anderen, intensiv um eine Familie, die im Kinderdorf untergebracht war. Deren Haus wurde mitsamt all ihrem Hab und Gut von einer Schlammlawine verschüttet. „Alle Familienangehörigen haben, wie durch ein Wunder, überlebt. Trotzdem wurde ihnen ihr altes Leben genommen und sie müssen jetzt um ein neues Leben kämpfen, in dem sie ihren Platz als Individuen, Familien- und Gemeindemitglieder erst wieder finden müssen.“

Nathalie Nowak mit Kindern des humedica-Kinderdorfes. Foto: humedica

Sie betreute auch ein kleines Mädchen namens Vitoria. Die Mutter des Mädchens bat Nathalie um Hilfe, denn Vitoria konnte sich, nach dem Verlust ihres Hauses, nicht überwinden, in das Haus ihrer Oma zurückzukehren. Welches jedoch das einzige nicht zerstörte Haus in dem gesamten Wohnviertel ist. „In der zweiten Woche habe ich es geschafft, dass Vitoria sich tagsüber traute in das Haus ihrer Großmutter zu gehen und ich bin mir fast sicher, dass sie jetzt bestimmt schon dort übernachtet hat.“, so die 27jährige.

Die Sozialpädagogin hat den Menschen nicht nur durch intensive Gespräche geholfen, das Geschehene zu überwinden, sie besuchte auch oft mit den Betroffenen den Ort, an dem früher ihr Haus gestanden hatte. Das war sehr wichtig, da vor allem die Kinder sehr häufig die Geschehnisse verdrängt hatten.

Immer wieder hört man, dass ehrenamtliche Mitarbeiter von humedica sich so sehr engagieren, dass ihnen der Abschied aus ihrem Projekt schwer fällt. Ebenso erging es Nathalie Nowak. „Es war toll, zu sehen, wie meine Arbeit anfing, Früchte zu tragen und die Menschen, mit denen ich zusammen arbeitete, langsam Fortschritte machten. Vor allem sind sie mir alle sehr ans Herz gewachsen.“ Dies ging auch den Menschen so, denen Nathalie und andere Einsatzkräfte von humedica helfen konnten.

Nathalie bringt nicht nur viele neue Erfahrungen und Erinnerungen mit zurück nach Portugal, sondern auch zwei Briefe, die die Dankbarkeit der Menschen in Brasilien zeigen. Den ersten Brief schrieb das Mädchen Vitoria, welche sich dank Nathalie wieder ins Haus der Großmutter traut:

Einer der Briefe, die die Kinder aus dem humedica-Projekt schrieben. Foto: humedica/ Nathalie Nowak

„Nathalie, ich hab es geliebt, Dich kennenzulernen, ich habe die Püppchen geliebt (Nathalie hatte ihr sog. Sorgenpüppchen geschenkt), Du warst die beste Freundin, die ich je hatte und Du warst mir eine große Hilfe, Du hast mir viel geholfen und ich danke Dir sehr“

Der zweite Brief stammt von einem Mädchen namens Nathany und ist an das gesamte humedica Team gerichtet: „Ich nehme diesen Stift, um meine Geschichte zu erzählen. Ich habe viele Freunde verloren, meine Cousine und meinen Onkel. Ich bin 9 Jahre alt, meine Familie hat alles verloren, aber sie hat den Glauben an Gott nicht verloren, was das Wichtigste ist. Möge Gott uns helfen, und uns schützen, denn von jetzt an müssen wir alles wiederaufbauen und von vorne anfangen. Danke für die Hilfe und möge Gott Euch segnen“

humedica möchte auch weiterhin dazu beitragen, den Opfern der Erdrutsche zur Seite zu stehen und ihnen beim Wiederaufbau ihrer Existenz zu helfen. Bitte unterstützen Sie uns dabei, dieses Vorhaben möglich zu machen.

      humedica e. V.
      Stichwort „Erdrutsch Brasilien“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Gerne können Sie auch über unser Online-Formular für Brasilien spenden, uns durch eine Familienpatenschaft oder durch das Senden einer sms unterstützen: Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro kommen 4,83 Euro unmittelbar der humedica-Projektarbeit zu Gute.

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