Brasilien steht für Zusammenhalt

von Dr. Rainer Berendes/RBU, 26.01.2011

Der Kinderarzt Dr. Rainer Berendes aus dem bayerischen Kumhausen ist als Ersteinsatzkraft mit humedica in Brasilien tätig. Dass Brasilien für mehr steht als Karneval und Urlaubsgefühle, wurde ihm während seines Aufenthaltes sehr deutlich. In seinem Bericht möchte er Sie gerne daran teilhaben lassen.

Zerstörungen prägen das Bild in der Region um Nova Friburgo. Foto: humedica/Dr. Rainer Berendes

„Sonne, Strand, Samba, Fußball, Caipirinha - das sind die Klischees, mit denen Brasilien oft beschrieben wird. Brasilien ist aber mehr! Diese Erfahrung können wir einmal mehr im Rahmen des humedica-Hilfseinsatzes in Brasilien machen.

Nach sintflutartigen Regenfällen kam es im Bundesstaat Rio de Janeiro etwa 70 Kilometer nordöstlich der gleichnamigen Stadt zu einer regionalen Katastrophe bisher dort nicht gekannten Ausmaßes.

Innerhalb weniger Stunden kam es in einem Gebiet von circa 70 Kilometern Ausdehnung zu schwersten Erdrutschen und Überschwemmungen, bei denen nach offiziellen Angaben mehr als 700 Menschen ihr Leben verloren und mehrere tausend Familien durch Verletzungen und Verlust ihres Lebensraumes betroffen wurden.

Wir reisten als medizinisches Team vier Tage nach der Katastrophe nach Brasilien. Mit jedem Kilometer Distanz zu Rio zeigte sich auf der Fahrt in die Berge ein immer größeres Ausmaß der Katastrophe. In Nova Friburgo, der am stärksten betroffenen Stadt, war das Alltagsleben schließlich völlig zum Erliegen gekommen.

Tief erschüttert vom Ausmaß der Zerstörung fühlte ich mich in eine Erdbebenregion versetzt. Glücklicherweise waren aufgrund des schnellen und effizienten Einsatzes der brasilianischen Staatsorgane in einer beispielhaften Zusammenarbeit von Militär, Katastrophenschutz, Feuerwehr und Hilfsorganisationen die Straßen nur zeitweise blockiert, so dass wir innerhalb eines Tages bereits mit unserer Arbeit beginnen konnten.

In der Not packen alle gemeinsam an und erreichen im Team Viel. Foto: humedica

Von der lokalen Regierung wurde uns der 3. Distrikt der Region Nova Friburgo zur Betreuung der Bevölkerung und Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung übertragen. Wir richteten Gesundheitsposten in Schulen, Kirchen und Sportstätten ein und betreuten in zwei unabhängigen Teams alle Menschen, die unsere medizinische Hilfe in Anspruch nehmen wollten. In der ersten Woche unseres Einsatzes wurden wir von rund 220 Menschen beansprucht.

Sehr hilfreich bei der Unterbringung unseres Teams war der Umstand, dass die Zentrale von humedica Brasil im Zentrum des Katastrophengebiets liegt und wie durch ein Wunder völlig unversehrt geblieben ist. Diese Zentrale sollte auch als „Basisstation“ für unsere Arbeit in den umliegenden Ortschaften dienen.

Neben Menschen, die durch die Katastrophe ihre Häuser verloren haben, wurden wir von verschiedenen Partnern, unter anderem dem Kinderdorf Rio, freundlich empfangen und erhielten überall kostenlose Unterkunft und eine sehr freundliche Betreuung. Es lässt sich kaum in Worte fassen, welche Freundlichkeit und Aufmerksamkeit uns widerfahren ist.

Muito obrigado! - Vielen Dank!

Muito obrigado! - Vielen Dank! Das waren mit Abstand die häufigsten Worte, die uns begegnet sind. Aus dem tief zerfurchten, sonnengegerbten Gesicht der Patienten am Gesundheitsposten, aus dem Mund eines jungen Feuerwehrmannes, von Bürgermeistern, Priestern, Polizisten, Alten, Jungen - Muito obrigado!

Sehr bewegend war eine Begegnung beim Einkaufen auf dem Markt, als uns eine unbekannte Frau ansprach, wo wir herkommen würden und wer wir seien. Muito obrigada! Sie drehte sich nach diesen Worten mit Tränen in den Augen um und ging.

In Notunterkünften behandeln die humedica-Einsatzkräfte. Rechts knieend im Bild: Dr. Rainer Berendes. Foto: humedica

Eigentlich ist es an uns, sich zu bedanken. Bedanken für eine unglaubliche Gastfreundschaft, bedanken für das Gefühl des „Dazugehörens“ zu den einheimischen Rettungskräften, bedanken für den Dank, der uns an jeder Ecke entgegengekommen ist.

In Nova Friburgo wird der Alltag bald einkehren. Bleiben werden Zerstörungen und Wunden an den Seelen der Menschen, die deshalb nach Abschluss der medizinischen Hilfe noch sehr lange unsere Unterstützung benötigen werden.

Bleiben wird aber auch der tiefe Respekt für die Menschen Brasiliens, die mit einer schwer zu beschreibenden Lebenseinstellung „ihre“ Katastrophe meistern. Und bleiben wird die Dankbarkeit, gemeinsam mit diesen Menschen geholfen zu haben.

Brasilien ist anders als Samba, Fußball, Strand. Brasilien ist das Paradebeispiel für Zusammenleben und Zusammenstehen auch, und gerade in schwierigern Zeiten, unabhängig von Aussehen, Herkunft und Hautfarbe.
In diesem Sinn: Muito obrigado, Brasil! Muito obrigado, liebe Spender!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Rainer Berendes"

Liebe Freunde und Förderer von humedica. Nur dank Ihrer Spenden und dank der großzügigen Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland können wir den obdachlos gewordenen Menschen in Brasilien mit Unterkunft und medizinischer Behandlung helfen.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit in Brasilien weiterhin, um gemeinsam mit uns den Wiederaufbau beginnen zu können und die brasilianischen Kinder, Frauen und Männern auf ihrem schwierigen Weg zu begleiten.

      humedica e.V.
      Stichwort "Erdrutsch Brasilien"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online für unseren Hilfseinsatz in Brasilien, unterstützen uns mit einer Familienpatenschaft oder durch das Senden einer sms. Hierfür das Stichwort DOC an die 8 11 90 senden. Von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro unmittelbar in die humedica-Projektarbeit. Vielen Dank!

Die gute Zusammenarbeit mit den brasilianischen Helfern macht Dr. Rainer Berendes (links im Bild) dankbar. Foto: humedica

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