„Ein Teil von mir bleibt hier, ich komme wieder“

von Volker Domres/RBU, 25.03.2011

Seit Mitte Februar arbeitet Volker Domres als humedica-Koordinator in Brasilien. Bei insgesamt 30.000 zurückgelegten Seemeilen und dementsprechend vielen angefahrenen und wieder zu verlassenden Häfen, kennt sich der erfahrene Segler mit Abschieden eigentlich aus. Der bevorstehende Abschied von den Menschen in Brasilien fällt ihm dennoch schwer. Wie ihm jeder einzelne ans Herz gewachsen ist, schreibt er in seinem Bericht.

Die kleine Debora hat humedica-Koordinator Volker Domres ebenso in ihr Herz geschlossen, wie er sie in seines. Foto: humedica

„Da ist zunächst Odette, sie ist die gute Seele der Küche und ist stets darum besorgt, dass es sowohl den lokalen als auch den internationalen Helfern gut geht. Sie kocht für uns und die Kinder des humedica-Kinderdorfes und macht die Wäsche.

Odette hat in der Gewitternacht im Januar, welche schwere Erdrutsche zur Folge hatte, ihren Sohn Und eine Enkeltochter verloren. In der Kindertagesstätte von humedica Brasil hat sie dennoch keinen einzigen Tag gefehlt. Sie kocht so gut und liest mir und allen anderen jeden Wunsch von den Augen ab.

Jeden Abend gibt sie mir die Küchenschlüssel, damit ich Frühaufsteher am nächsten Morgen in die Küchenräume gelangen und Kaffee trinken kann. Seit keines der medizinischen Teams aus Deutschland mehr hier ist, habe ich sie gebeten, sich nicht extra die Mühe zu machen, für mich alleine Abendessen zu kochen. Doch Odette bringt mir fürsorglich trotzdem immer eine leckere Mahlzeit und macht mir klar, ich müsste doch etwas essen.

Sehr ans Herz gewachsen ist mir auch Philippe. Er ist elf Jahre alt und war vom ersten Tag an mein Portugiesisch-Lehrer und Spielpartner beim Fußball. Jetzt, da ich alleine frühstücke, steht Philippe immer schon extra früh auf und frühstückt mit mir.

Der kleine Philippe (2. von rechts) hilft Volker wann immer er kann, obwohl er nach dem Verlust vieler Angehöriger selbst auf Hilfe angewiesen ist. Foto: humedica

Er macht alles wie ich, ganz gleich ob ich Schokopulver in den Kaffee füge oder auch die Art, wie ich mir die Brötchen schmiere und belege. Auch beim Zusammenstellen unserer Hilfspakete ist er immer dabei gewesen. In der Nacht der Katastrophe verlor der kleine Junge mehrere seiner Angehörigen.

Und ich werde Claudio, unseren Fahrer, ebenfalls vermissen. Claudio ist hilfsbereit und immer zur Stelle, wenn man ihn braucht. Er erstellt die Listen für benötigte Hilfsgüter, erkundet mit mir, wo unsere Hilfe am meisten benötigt wird und ist bei den Verteilungen für die ordentliche Ausgabe und die namentliche Übergabe zuständig.

Claudio wohnt in Campo de Coelho und hat die Familie seines Freundes in seinem eigenen Haus aufgenommen. Claudios Freund ist in der Januarnacht bei der Regenflut und den Schlammlawinen ums Leben gekommen.

Prita, eine schwarz weiß gescheckte Hündin, bellt heiser die ganze Nacht und lässt uns manchmal nicht schlafen. Wenn ich bei Sonnenaufgang meine Runden drehe, kommt sie stets mit und schläft dann anschließend unter meinem Schreibtisch ein. Besser wäre es, Prita würde nachts mal schlafen.

Dann sind da noch Debora, Bruna, Douglas und die vielen anderen Kinder, die in dem Kinderdorf ihre Tage verbringen. Wann immer wir die Zeit dafür finden, spielen wir gemeinsam Fußball oder Kicker.

Das Team der Kindertagesstätte von humedica Brasil um Volker Domres. Foto: humedica

Wenn ich nun bald abreisen muss, wird ein Teil von mir hier bleiben. Vielleicht war ich zu lange bei den Menschen in dem humedica-Kinderdorf, ich weiß es nicht. Was ich aber sicher weiß: sie sind mir alle ans Herz gewachsen und ich muss wiederkommen.“

Liebe Freunde und Förderer unser Arbeit, wir werden uns in Brasilien langfristig im Wiederaufbau der zerstörten Häuser zahlreicher Menschen beteiligen. Dafür benötigen wir weiterhin Ihre Unterstützung. Vielen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort „Erdrutsch Brasilien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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