Ein Lächeln, trotz tiefer Trauer

von Dr. Irmgard Harms/RBU, 05.02.2011

Innerhalb weniger Stunden packte Dr. Irmgard Harms Anfang Januar ihren Reiserucksack mit dem Nötigsten, um mit humedica in den Katastropheneinsatz zu reisen. Als medizinische Koordinatorin arbeitet sie nun seit drei Wochen in Brasilien und erlebte sowohl tiefe Trauer als auch erste, wiederaufkeimende Hoffnung der betroffenen Brasilianer. Insbesondere eine Patientin berührte die erfahrene humedica-Helferin sehr.

Dr. Irmgard Harms steht den Menschen mit medizinischem Wissenund einem stets offenen Ohr und offenen Armen zur Seite. Foto: humedica/Katrin Hoffmann

„Mit einer mobilen Klinik machen wir uns jeden Tag auf den Weg um Patienten zu behandeln. Morgens packen wir Medikamente, Verbandsmaterialien und was wir sonst noch benötigen in unser Auto und fahren verschiedene Behandlungsorte an.

Dabei ist es gut, dass wir in regelmäßigen Abständen von zwei oder drei Tagen stets wieder an dieselben Orte zurückkehren und unsere Patienten auf diese Weise mehr als nur ein einziges Mal sehen. Für mich bedeutet das neben der fortlaufenden medizinischen Betreuung auch ein kurzes Begleiten und manchmal auch ein Mitfreuen mit den Betroffenen der Katastrophe.

Wir trafen an einem unserer Behandlungsziele die junge Frau Vania an. Sie erzählte uns, dass ihr kleiner Sohn von den immensen Schlammmassen begraben wurde und tot sei. Von ihrem Ehemann wusste sie nur so viel, dass er schwerverletzt in die Stadt Rio de Janeiro in ein Krankenhaus gebracht worden sein sollte. Mehr Informationen hatte sie bei unserem ersten Zusammentreffen nicht. Sie wusste nicht einmal, ob ihr Mann noch am Leben war.

Gegen diese Ungewissheit und die seelischen Wunden konnten wir leider nicht mehr tun als ihr zuhören und ihr das Gefühl geben, dass sie nicht alleine ist. Ihre körperlichen Verletzungen dagegen konnten wir gezielter therapieren. Am ganzen Körper hatte sie zahlreiche Blutergüsse, Schrammen und Kratzer. Eine besonders schlimme Wunde wies sie am Bein auf, welche sich bereits infiziert hatte und stark eiterte.

Auch die darauf folgenden Tage, an denen wir diese Notunterkunft für obdachlos gewordene Menschen besuchten in der auch Vania untergekommen war, zeigte unsere Behandlung nur langsame Erfolge. Und auf die Frage, ob sie etwas Neues von ihrem Mann erfahren hatte, konnte sie uns keine positive Antwort geben.

Noch immer sind abgelegenere Straßen vielerorts schwer passierbar. Weggerissene Straßenteile müssen mit Brettern überbrückt werden. Foto: humedica/Christian Simmons

Bei unserer letzten Untersuchung schließlich zeigte sich ein ganz anderes Bild: die Wunde am Bein war beinahe vollends abgeheilt, die Schmerzen für Vania waren erträglich, aber vor allem, und das war fast das Beste, hatte die junge Frau endlich Nachricht von ihrem Ehemann erhalten.

Sein Brustkorb und seine Lunge waren von einem Holzpfahl, den eine Schlammlawine mitgerissen hatte, durchbohrt worden. Diese und weitere Verletzungen würden einen längeren Krankenhausaufenthalt zwar noch notwendig machen, aber er sei außer Lebensgefahr, berichtete sie uns. Wir freuten uns sehr mit ihr.

Und trotz der tiefen und erschütternden Trauer um ihr Kind, konnte Vania das erste Mal wieder lächeln.“

So wie der jungen Vania und ihrem Ehemann, die auf tragische Weise ihren kleinen Sohn verloren haben, erging es durch die katastrophalen Erdrutsche vielen hundert Familien. Mit einem schweren Verlust muss auch Odette leben, die seit Jahren für die betreuten Kinder in der humedica-Tagesstätte kocht und nach der Katastrophe um ihren Sohn und ihre Enkeltochter trauert.

Und nun ist es auch zur traurigen Gewissheit geworden, dass Familienmitglieder zweier Familien des humedica-Patenschaftsprogramms durch die Erdrutsche ums Leben kamen. Zehn Menschen, die den humedica-Mitarbeitern und ihren deutschen Paten über die Jahre hinweg ans Herz gewachsen sind, starben. Zwei kleine Jungs müssen ihr Leben als Waisen meistern.

Es gibt eine Zukunft

Während versucht wird, diesen beiden Jungs und vielen weiteren Kindern dabei zu helfen, über ihren schweren und traumatisierenden Verlust hinwegzukommen, dienen die Gebäude der Kindertagesstätte weiterhin als Notunterkunft, sowohl für Unterstützte des Familienpatenschaftsprogramms als auch für weitere obdachlos gewordene Familien der benachbarten Favelas.

Bitte schenken Sie mit einer Patenschaft den Menschen in Brasilien eine Zukunft. Foto: humedica/Katrin Hoffmann

Bereits vor der Katastrophe unterstützte Frauen und Jugendliche helfen mit, wo sie nur können. Es wird geputzt, gekocht, mit den Kindern gespielt. Es wird Nächstenliebe gelebt und Zusammenhalt und Unterstützung lassen die trauernden Menschen zumindest in manchen Momenten hoffnungsvoller in die Zukunft blicken.

Die Hoffnung und den Glauben in eine Zukunft weiter festigen, dafür brauchen wir Ihre Unterstützung, liebe Freunde von humedica. Nach der medizinischen Ersthilfe werden langfristige Baumaßnahmen beginnen, um den momentan in Notunterkünften untergekommenen Menschen ein neues Zuhause ermöglichen zu können.

Darüber hinaus werden wir die humedica-Kindertagesstätte schnellstmöglich wieder wie zuvor nutzen und den Kindern durch Schule, geregelte Mahlzeiten und Spielen wieder ein Stück ihres Alltags zurückgeben. Bitte helfen Sie uns dabei!

      humedica e.V.
      Stichwort „Erdrutsch Brasilien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online für unsere Hilfe in Brasilien oder unterstützen Sie uns durch das Senden einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 versenden und von den abgebuchten 5 Euro kommen 4,83 Euro unmittelbar der humedica-Projektarbeit zu Gute.

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