Armut und Angst bestimmen für viele das Leben im Katastrophengebiet

von Florian Klinner/SRA, 18.02.2011

Als zuständiger Sachbearbeiter betreut Florian Klinner in der Hauptzentrale von humedica das Hilfsprojekt zur Unterstützung der Opfer der Erdrutsche in Brasilien. Vergangene Woche reiste er zu einem Monitoringbesuch in die betroffenen Regionen, um sich ein Bild von der Lage am Ort zu machen und so weitere effektive Hilfsmaßnahmen planen zu können.

In seinem aktuellen Bericht schreibt Florian Klinner über seine Erfahrungen im Einsatzgebiet und die Eindrücke, die ihm Land und Leute in der betroffenen Region vermitteln.

Florian Klinner machte sich in Brasilien am Ort ein Bild von der Lage nach den verheerenden Erdrutschen. Foto: humedica

„Die rötliche Sonne geht soeben am Horizont auf. Sie scheint durch das Flugzeugfenster als der Pilot zur Landung ansetzt. Der Blick aus dem Fenster offenbart mir allerdings auch das Ausmaß des Unglücks, das hier erst vor wenigen Wochen stattgefunden hat.

Über weite Flächen sind die Hänge der Region unter uns abgerutscht und haben auf ihrem Weg ins Tal alles mit sich gerissen, was ihnen im Weg war.

Kurz nach der Landung führt uns unser Weg vorbei an Rio de Janeiros bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Doch nicht die Copacabana, nicht die berühmte Christusstatue „Cristo Redentor“ und nicht der Zuckerhut sind unser Ziel. Wir fahren in das von den Erdrutschen verwüstete Katastrophengebiet zwischen den Städten Nova Friburgo und Teresópolis.

Inmitten der betroffenen Region liegt auch die Basis unseres lokalen Partners humedica-Brasilien. Wie durch ein Wunder blieben die Gebäude der Station von den Schlammlawinen der Erdrutsche verschont.

Die umliegenden Häuser jedoch wurden von den gewaltigen Erdmassen samt Einrichtung, Autos und Bewohnern weggerissen.

Die Aufräumarbeiten schreiten zwar immer weiter voran. Noch immer werden aber ungefähr 400 Personen vermisst. Nur wenige hundert Meter weiter steigt uns Verwesungsgeruch in die Nase.

Für viele Menschen in dem Katastrophengebiet sitzt der Schock noch tief. Vor allem die Kinder haben noch immer große Angst. Foto: humedica/Florian Klinner

Immer wieder kommt es zu Platzregen. Die Bewohner der Umgebung suchen dann Zuflucht in den Räumen der Station von humedica-Brasilien. Kinder weinen. Der Ausdruck in den Gesichtern der Erwachsenen ist ernst. Der Schock der nächtlichen Katastrophe, die hier vor wenigen Wochen stattgefunden hat sitzt noch tief.

So tief, dass viele Kinder sogar beim Duschen Angst bekommen. Das Geräusch des prasselnden Wassers erinnert sie zu sehr an das Rauschen der Schlamm- und Wassermassen in der Nacht der Katastrophe.

Am heutigen Sonntag wollen wir in ein etwa eine Stunde entferntes Dorf fahren. Seit wenigen Tagen erst ist es von der Außenwelt wieder zu erreichen. Vorher war es durch das Unwetter vollständig von öffentlichem Leben und Hilfe abgeschnitten.

Wegen einiger Verzögerungen können wir erst mit anderthalb Stunden Verspätung aufbrechen. Der Fahrer hatte Schwierigkeiten uns zu erreichen. Nach einer kurzen Strecke über Asphaltstraßen biegen wir ein auf einen Feldweg.

Der Boden ist stark aufgeweicht und kaum passierbar. Unser Geländewagen bahnt sich seinen Weg zwischen tiefen, mit Wasser und Schlamm gefüllten Löchern hindurch.

Kurz nach unserer Ankunft in dem Dorf werden wir von interessierten Anwohnern umringt. Wir haben Trinkwasser für sie mitgebracht und Windeln, die dringend für die Kinder benötigt werden.

Durch die gespendeten Hilfsgüter ist es uns möglich, die Menschen hier zumindest mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Seit Wochen steht humedica an der Seite der Opfer des Unglücks in Brasilien. Im Bild: humedica-Ärztin Dr. Irmgard Harms. Foto: humedica/Florian Klinner

Die Dorfbewohner möchten uns einige der Hundebabys mitgeben, die hier überall herumtapsen. Die Welpen sehen krank und unterernährt aus und werden wohl nicht überleben. Es fällt uns schwer, aber es ist uns nicht möglich, sie mitzunehmen.

Die Armut ist hier ein tiefgreifendes Problem. Das wird uns immer wieder aufs Neue nur allzu deutlich. Die Erdrutschkatastrophe in der Region um Nova Friburgo und Teresópolis hat dieses Problem nun nochmals verstärkt.“

Liebe Freunde und Förderer. Das Unglück in Brasilien hat, wie so oft, diejenigen am schlimmsten getroffen, die ohnehin schon in bitterer Armut leben mussten. humedica möchte auch weiterhin dazu beitragen, den Opfern der Erdrutsche zur Seite zu stehen und ihnen beim Wiederaufbau ihrer Existenz zu helfen. Bitte unterstützen Sie uns dabei, dieses Vorhaben möglich zu machen.

      humedica e. V.
      Stichwort „Erdrutsch Brasilien“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Gerne können Sie auch über unser Online-Formular für Brasilien spenden, uns durch eine Familienpatenschaft oder durch das Senden einer sms unterstützen: Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro kommen 4,83 Euro unmittelbar der humedica-Projektarbeit zu Gute. Vielen Dank!

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