„Ich bin sauer auf den Regen!“

von Judith Kühl, 28.02.2011

Wütend stampft Jamal* auf den Boden „Ich bin sauer auf den Regen, weil der Schuld ist,“ schimpft die 11-Jährige. „Wer macht so viel Regen?“ Seit den schweren Erdrutschen um Nova Friburgo besucht sie regelmäßig Luciléia da Silva. Die Psychologin im Kinderdorf von humedica Brasil betreut zur Zeit vor allem Betroffene, die unter ihren traumatischen Erfahrungen leiden.

Die Angst vor Regen ist groß und bereits das Geräusch von fließendem Wasser weckt schreckliche Erinnerungen. Foto: humedica/Florian Klinner

Viele erinnern sich genau an die Nacht auf den 12. Januar 2011, die viel Leid und Zerstörung mit sich brachte. Besonders die Kinder leiden unter den Erinnerungen. Wie Jamal. Sie fragt jede Woche neu: „Wer hat die Erdrutsche gemacht? Warum musste Opa in den Fluten sterben?“ Sie weint, sie schreit, weil sie sauer ist. Da Silva erklärt ihr, was eine Naturkatastrophe ist und dass niemand Schuld daran ist.

Die meisten Kinder reagieren anders als Jamal. Sie sind verschüchtert und weinen, wenn es regnet oder sie duschen sollen. „Fallendes Wasser ist für Kinder und Erwachsene ein großer Angstauslöser“, erzählt da Silva.

Der 8-jährige Raul* läuft unruhig vor da Silva's Praxistür auf und ab. Er redet nicht. Durch Malen und Spielen versucht da Silva mit dem Jungen über seine Angst zu sprechen. Wie die meisten Kinder malt er Häuser und Regen auf ein weißes Blatt Papier.

Die Kinder sollen danach überlegen, was in ihnen positive Gefühle auslöst. Manche Kinder sind fröhlich, wenn sie singen. Andere beten. Wieder andere denken an ein schönes Erlebnis.“

Wenn es dann wieder stark regnet oder das Kind sich fürchtet, solle die Angst durch ein schönes Gefühl ersetzt werden. Das Kind lerne zu vertrauen, dass nicht jeder Regen Zerstörung und Tod bringt. Auch über praktische Hinweise spricht da Silva mit den Kindern.

Sie müssen lernen, was sie bei starkem Regen beachten müssen. Zum Beispiel, dass sie nicht alleine sind: Wenn du gerade draußen spielst, geh nach Hause! Falls deine Mama nicht da ist, geh zu deiner Nachbarin.“

Welche Kräfte die Schlammlawinen aufwiesen, zeigt das Bild dieser von Erdrutschen zerstörten Küche. Foto: humedica/Florian Klinner

Auch die Eltern der Kinder kommen seit einigen Wochen zu da Silva in die Sprechstunde. „Viele Mütter kämpfen mit Depressionen. Familien, die alles verloren haben, sehen keine Perspektive.“ Wie Isabela*. Ihre 3-jährige Tochter wurde vom Schlamm mitgerissen und gilt seit sieben Wochen als vermisst. „Vermisst“ bedeutet inzwischen leider „tot“. Nicht für Isabela. Sie glaubt bis heute, dass sie ihr Kind lebend wieder findet.

Da Silva gibt zu, dass sie die traumatischen Erfahrungen ihrer Patienten nicht unberührt lassen. Da die Regenzeit noch nicht vorüber ist, sind die Menschen fast täglich mit ihrer Angst konfrontiert. humedica fördert die wichtige Betreuung der Menschen durch den Einsatz einer weiteren Psychologin unseres Partners.

Vielen Dank, dass Sie dies durch Ihre Spenden ermöglichen. Auch weiterhin sind die Menschen in Brasilien auf unsere gemeinsame Hilfe angewiesen. Bitte helfen Sie uns zu helfen! Vielen Dank.

      humedica e.V.
      Stichwort "Erdrutsch Brasilien"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Unkomplizierter aber genauso sicher können Sie über unser Online-Formluar für die Hilfsmaßnahmen in Brasilien spenden oder die Arbeit von humedica und humedica Brasil durch das Senden einer sms unterstützen. Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro kommen 4,83 Euro unmittelbar den humedica-Projekten zu Gute.

* Namen der Betroffenen wurden geändert

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