Benin: Drei Monate Hilfe für Flutopfer - Eine Koordinatorin blickt zurück auf ihren Einsatz

von Karin Uckrow/SRA, 23.02.2011

Karin Uckrow begleitete über drei Monate lang als Koordinatorin den Hilfseinsatz von humedica in den Flutgebieten von Benin. Nach ihrer Rückkehr und dem Abschluss der unmittelbaren Fluthilfemaßnahmen in dem westafrikanischen Land vor wenigen Wochen, wirft sie für uns heute einen Blick zurück auf das Projekt.

„Im letzten Jahr regnete es in Benin so stark wie seit Jahren nicht mehr. Die heftigen Regenfälle, die im Juli 2010 begannen, verursachten in vielen Provinzen des Landes Überschwemmungen, die weitreichende Schäden anrichteten.

Über drei Monate war Karin Uckrow als Koordintatorin in Benin für humedica im Einsatz. Foto: humedica

Nach offiziellen Angaben verloren etwa 300.000 Personen ihr sämtliches Hab und Gut. Über 5.000 Häuser wurden vollständig zerstört. Ein beträchtlicher Teil der Ernte wurde gemeinsam mit den Feldern und Äckern auf einer Fläche von über 26.000 Hektar vernichtet.

Umso dramatischer waren die Auswirkungen der Überschwemmungen, da im westafrikanischen Benin 90 Prozent der Einwohner direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig sind.

Im Oktober 2010 bat der Botschafter von Benin in Deutschland S. E. Isidore Bio humedica um Hilfe für die Menschen in seinem Land. Nur wenige Tage später flog das erste medizinische humedica-Team in das Katastrophengebiet.

Gleich nach der Ankunft begannen die Helfer von humedica mit der Organisation und Durchführung von mobilen Kliniken. Insbesondere in den abgelegenen ländlichen Gebieten sollte mit dieser mobilen medizinischen Versorgung Hilfe zu den betroffenen Menschen gebracht werden.

In den südlichen Provinzen von Benin behandelten wir so an mehr als fünfzehn verschiedenen Orten insgesamt über 4.500 Patienten. Wir fuhren die Einsatzorte mehrmals an, um einerseits alle hilfsbedürftigen Patienten behandeln zu können. Andererseits konnten wir so Nachbehandlungen durchführen, die manchmal notwendig waren.

Die heftigsten Regenfälle seit Jahren führten in großen Teilen der südlichen Provinzen Benins zu massiven Überschwemmungen. Foto: humedica/Judith Kühl

Es waren meist Frauen mit ihren Kindern, die unsere Hilfe in Anspruch nahmen. Gerade diese Gruppe von Menschen wurde von den Überschwemmungen am härtesten getroffen.

Sie sind es aber auch, die durch das oft nur unzureichende Gesundheitssystem in den ländlichen Gebieten von Benin am stärksten benachteiligt sind.

Ein weiteres Ziel unserer Einsätze waren die verschiedenen Flüchtlingscamps. Noch immer müssen sich hier tausende von Familien in Zelten notdürftig einrichten und sind weiterhin auf Hilfe von außen angewiesen.

humedica war oft die einzige Organisation, die in diesen Lagern medizinische Hilfe leistete. Umso größer war die Freude und Dankbarkeit unter den Bewohnern der Camps.

Neben der medizinischen Versorgung durch die mobilen Kliniken konnten wir die von den Fluten betroffenen Menschen in Benin auch mit sogenannten „Non-Food-Items“ unterstützen.

Wir besorgten für sie Decken, Moskitonetze, Schlafmatten, Wasserdesinfektionstabletten, Schulmaterialien, Kochutensilien, Seife, Eimer und Wasserkanister.

Mit Ärzteteams brachte humedica medizinische Hilfe zu den Flutopfern auch in abgelegenen Regionen des Landes. Foto: Sureka Enoxi

Um den zahlreichen Familien außerdem weitere Hilfestellung zu geben besorgten wir für sie auch Werkzeuge. Diese Geräte sollten die Menschen dabei unterstützen, ihre Häuser wiederaufzubauen, beziehungsweise ihre Häuser neu bauen zu können.

Diese Hilfslieferungen verteilten wir allerdings nicht nur in den Flüchtlingscamps. Wir belieferten auch verschiedene soziale Einrichtungen in Benin, die sich insbesondere um Frauen, Kinder und Jugendliche kümmerten, die aufgrund der Überschwemmungen in Not geraten waren.

Die Zusammenarbeit mit diesen sozialen Einrichtungen und vor allem mit Caritas Benin verlief durchwegs gut. Dadurch gelang es uns, unsere Hilfsleistungen breit zu streuen und viele Menschen auch in den ländlichen Regionen zu erreichen.

In den südlichen Provinzen versorgten wir mehr als 25 Missionskrankenhäuser mit wichtigen Medikamenten und medizinischen Gütern. Diese Krankenhäuser leisten einen äußerst wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung.

Die Ordensschwestern und -brüder in diesen Einrichtungen ermöglichen vor allem den ärmeren Bevölkerungsschichten Zugang zu medizinischen Behandlungen. Nicht nur das gute Personal und die effektiven Strukturen der Missionskrankenhäuser tragen dazu bei.

Mehr als 25 Missionskrankenhäuser erhielten Medikamente und medizinische Bedarfsgüter als Hilfslieferungen von humedica. Foto: humedica/Sven Ramones

Es ist vor allem der großen Hingabe der Frauen und Männer in diesen Krankenhäusern zu ihrer Tätigkeit zu danken, dass eine Versorgung den Menschen zuteil wird, die sonst kaum oder gar keinen Zugang haben zu medizinischer Hilfe hätten. Es war eine große Freude für das humedica-Team, hier einen so wichtigen Beitrag leisten zu können.

Durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland in Höhe von 180.000 Euro sowie durch beeindruckende Spenden unter anderem durch die Stiftung „Bild hilft - Ein Herz für Kinder“, wurden die Hilfsmaßnahmen des humedica-Fluthilfeprojekts in Benin erst möglich gemacht, da in den Medien über diese Naturkatastrophe kaum berichtet worden war.

Darüber hinaus erhielten wir weitreichende Unterstützung durch unsere lokale Partnerorganisation Fondation Espace Afrique, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass unsere humanitäre Arbeit in Benin erfolgreich ausgeführt werden konnte.

Als Koordinatorin hatte ich die Freude, dieses Projekt für mehr als drei Monate begleiten zu dürfen. Ich bedanke mich für die großartige Unterstützung bei den vielen Mitarbeitern während dieses Einsatzes.

Die medizinischen Teams von humedica waren sehr erfahrene Kräfte, die hoch motiviert und mit viel Freude die verschiedenen Phasen des Projekts begleiteten.“

Auch humedica bedankt sich sehr herzlich bei allen Freunden und Förderern, Spendern und Unterstützern, sowie bei unserem lokalen Projektpartner für die Hilfe, die wir während unseres Projekts in Benin erhalten haben.

Durch Ihr Engagement war es uns möglich, diese Hilfe an die bedürftigen Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt weiterzugeben.

Im Namen der Flutopfer in Benin, vielen Dank für Ihre Unterstützung. Foto: humedica/Karin Uckrow

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