Blick zurück und nach vorne

von Susanne Merkel, Ruth Bücker, 27.01.2011

Äthiopien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Von insgesamt 169 Staaten, deren Wohlstand und Lebensbedingungen für die Bevölkerung in dem sogenannten Human Development Index (HDI) untersucht wurden, liegt Äthiopien auf Platz 157. Schätzungen zufolge ist jeder zweite Äthiopier unterernährt. Kriminalität, Armutsprostitution und damit einhergehend eine hohe HIV-Infektionsrate sind weitere traurige Merkmale des ostafrikanischen Staates.

Trotz der Kaffeereichtümer des Landes lebt ein großer Teil der äthiopischen Bevölkerung in größter Armut. Foto: humedica

Ein Großteil der Menschen sowohl in den Städten als auch auf dem Land ist auf internationale Hilfe angewiesen, um der Armutsspirale zu entkommen. Ohne Bildung gibt es kaum Chancen auf einen Job. Ohne Job fehlt Geld für Lebensmittel. Ohne Nahrung werden die Frauen und Männer schwächer und damit anfälliger für Krankheiten. Und dies wiederum lässt die Chance auf einen Arbeitsplatz noch geringer werden.

Genau diesen Problemen nahm sich der 1997 gegründete deutsche Verein zur Förderung des äthiopischen Kinderdorfes Bethanien e.V. an. Neun Jahre lang unterstützte der Verein bis Anfang 2010 zahlreiche Kinder, Frauen und Männer in ihrem äthiopischen Alltag, der viel zu häufig einen dauernden Kampf ums Überleben bedeutet.

Im Januar 2010 übergab der von humedica-Mitarbeiterin Susanne Merkel mitbegründete Verein seine Projekte und Schützlinge schließlich an humedica. Seitdem wird sich von der Zentrale der Hilfsorganisation in Kaufbeuren aus um Familienpatenschaften, eine Kindertagesstätte, eine Schule, um Brunnenbau, um medizinische Versorgung und gesegnete Weihnachten gekümmert.

Nachhaltigkeit durch Familienpatenschaften

Für viele von der Organisation Kinderdorf Bethanien e.V. bis Anfang 2010 aufgenommene und betreute Familien konnte durch humedica weiterhin Fürsorge getragen werden. In drei verschiedenen Regionen Äthiopiens wurden darüber hinaus neue Familien für das Patenschaftsprogramm registriert, denen nun ebenfalls eine umfassende Unterstützung in verschiedenen Bereichen zuteil wird.

In dem Stadtteil Mercato in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba betrieb Kinderdorf Bethanien e.V. eine Kindertagesstätte, in der schnell deutlich wurde, wie dringend die dort betreuten Kinder und ihre gesamten Familien Unterstützung benötigten. Durch die Übernahme einer Familienpatenschaft ist es möglich, Familien mit Lebensmitteln zu versorgen und den Kindern die Möglichkeit auf Bildung und damit eine bessere Zukunft zu schenken.

Neben Äthiopien bewährt sich das Programm der Familienpatenschaften auch in Sri Lanka, Haiti und Brasilien und ermöglicht vielen Familien ein besseres Leben. Foto: humedica

In dem ebenfalls in der Millionenhauptstadt angesiedelten Wohnviertel Kazanchis kümmert sich humedica um bisher zehn unterstützungsbedürftige Familien. Sie leben dort, genau wie im Mercato-Viertel, in kleinen Hütten aus Wellblech, Lehm und Plastikplanen.

Oft ist viel zu wenig Raum für die ganze Familie. Es gibt keine Betten für jedes Familienmitglied und Regen tritt überall in das Hütteninnere ein. Wasser zum Trinken, Saubermachen und Kochen muss an öffentlichen Wasserstellen geholt werden, ein hygienisches und funktionierendes Abwassersystem existiert nicht.

Bei vielen jungen Frauen zeigt sich die Armut und Aussichtslosigkeit tragischerweise in Prostitution. Ein Ziel und auch besonderes Anliegen des Familienpatenschaftsprogramms ist es daher, insbesondere diesen Frauen durch Bildung, professionelle Beratung und Betreuung eine Alternative zu ihrer Tätigkeit aufzuzeigen und ihnen eine Perspektive für die Zukunft zu geben.

In der südöstlich von Addis Abeba gelegenen Stadt Debre Zeyit kommt die Unterstützung von humedica 60 registrierten Familien zu Gute. Hinzu kommen 30 bereits früher von Kinderdorf Bethanien e.V. registrierte und betreute Familien, die in Kooperation mit dem schwedischen Verein Hyltehjalper übernommen und weiter gefördert werden.

Während den jüngeren Kindern der Zugang zu Bildung ermöglicht wird, sollen Jugendliche eine Ausbildungsförderung und die Eltern Unterstützung für ein eigenes Kleingewerbe erhalten.

Lernen und spielen in der Mercato-Kindertagesstätte

Um gezielt den Kleinsten zu helfen und ihnen bereits in jungen Jahren bestmögliche Perspektiven für ihr Leben aufzuweisen, betreibt humedica seit Anfang diesen Jahres ebenfalls in dem Stadtteil Mercato ein Kindertagesheim.

Kindern ein Lachen schenken, während die Eltern arbeiten können. Foto: humedica

Auch hier kommt der Schulförderung eine entscheidende Bedeutung zu. Weitergehend wird für die Kinder, die noch nicht im schulfähigen Alter sind, eine ganztägige Betreuung angeboten und somit gefördert, dass die Eltern ihrem Gewerbe oder ihrem Beruf nachgehen können.

In wenigen Tagen stellen wir ihnen in dem zweiten Teil des „Blicks zurück und nach vorne“ die übrigen humedica-Projekte vor, mit denen die Menschen in Äthiopien unterstützt werden. Bitte besuchen Sie unsere Seite wieder und erfahren mehr darüber, inwiefern Wasser mit Bildung zusammenhängt, welche Unterstützung medizinische Teams darstellen und welche Besonderheit die Kinder zu Weihnachten glücklich machte.

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