Einsatz für Gefangene in Uganda: „Wir wollten medizinische Hilfe leisten – sie haben unsere Herzen ausgefüllt“

von Gunter Müller/SRA, 09.12.2010

In Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation Prison Fellowship International (PFI) führt humedica medizinische Einsätze in Gefängnissen auf der ganzen Welt durch. Mehrmals schon waren in der Vergangenheit Ärzteteams von humedica in Gefängnissen, wie beispielsweise in Kolumbien, tätig. Vor Ort betreuen die medizinischen Einsatzkräfte sowohl die Gefangenen, als auch ihre Familien und das Gefängnispersonal.

Motiviert von dem Leitbild der christlichen Nächstenliebe möchte Prison Fellowship überall auf der Welt Strafgefangenen bei der Rückkehr in die Gesellschaft helfen. Der Internist Dr. Gunter Müller begab sich vergangenen Monat mit einem Team aus Medizinern und Pflegekräften auf einen Hilfseinsatz in verschiedene Gefängnisse im ostafrikanischen Binnenstaat Uganda. Für humedica berichtet er von seinen Erfahrungen.

Dr. Gunter Müller war zutiefst beeindruckt von dem Lebensmut der Gefangenen - in gleichem Maße aber auch bedrückt wegen anderer Erlebnisse. Foto: humedica/Archiv

„Anfang November reiste unser Team, bestehend aus Dr. Stefan Mohr (Urologe), Dr. Sonja Küster (Gynäkologin), Dr. Johannes Höß und Dr. Renate Schilling (AllgemeinmedizinerIn), Steffi Glaser (Hebamme), sowie Marion Wund und Silke Klumpp (Krankenschwestern) zu einem Hilfseinsatz nach Kampala in der Republik Uganda. Zwei Wochen lang besuchten wir die Gefängnisse in Jinja, Kitalya und Luzira in der Region um die ugandische Hauptstadt, um Kranke und Hilfsbedürftige zu versorgen.

Viele der Gefangenen in den Strafanstalten leiden unter Malaria, Erkrankungen der oberen Atemwege, Infektions- und Hautkrankheiten, Wurmerkrankungen oder Beschwerden im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Während unseres Einsatzes war es uns möglich insgesamt etwa 1.900 Patienten zu untersuchen, medizinisch zu betreuen und zu therapieren.

Die Bedingungen in den Gefängnissen Ugandas waren für afrikanische Verhältnisse gut. Wir waren beeindruckt zu sehen, welche Rolle der Glaube im Leben der Strafgefangenen spielte. In einem Frauentrakt in einem der Gefängnisse war eine richtige Gemeinde entstanden, mit einer Pastorin, Gemeindeältesten und Diakoninnen.

Eine besondere Überraschung erlebten wir in der sogenannten „condemned section“ im Gefängnis von Jinja. So wurde die Abteilung bezeichnet, in der sich mehr als 230 zum Tode verurteilte Männer befanden (Anmerkung: Die Todesstrafe gilt in Uganda nach wie vor als verfassungskonform, wird aber seit einiger Zeit nicht mehr vollstreckt: Quelle: Amnesty Report 2010). Was würde uns erwarten? Depressive, abgestumpfte und aggressive Menschen?

Wie überwältigend war es, als wir die Männer antrafen: in weiß gekleidet, fröhlich singend, tanzend, betend und dankbar. Die meisten von ihnen hatten sich während ihrer Zeit im Gefängnis dem christlichen Glauben zugewandt und ihr Leben grundlegend geändert. Es war ergreifend diese Männer zu sehen. Wir wollten medizinische Hilfe leisten – sie haben unsere Herzen ausgefüllt.

Sichtlich dankbar waren die Gefangenen auch über die Brillen und Lesebrillen, die wir für sie mitgebracht hatten. Viele konnten endlich wieder besser sehen und lesen! Unser Team hatte mehr als 200 Brillen und etwa 80 Lesebrillen in den Gefängnissen verteilt. Dazu kamen weitere 100 Lesebrillen, die wir vor Ort gekauft hatten.

Im Laufe unseres Einsatzes wurde uns bewusst, dass es weniger wichtig ist, eine möglichst große Anzahl von Patienten zu behandeln. Vielmehr ist es oftmals die Tiefe der Gespräche, in der – insbesondere bei psychosomatischen Beschwerden – eine besondere Chance und Therapiemöglichkeit liegt.

Andere Dinge machten uns allerdings betroffen. In Gesprächen wurde uns berichtet, dass viele junge Menschen wegen Minimaldelikten nicht selten lange Haftstrafen im Gefängnis verbüßen müssen. Viele 17 bis 23-Jährige befänden sich bis zu zwei Jahre in Untersuchungshaft und warten auf ihre Verurteilung. Darüber hinaus scheint es keine Jugendstrafen oder Jugendstrafvollzug in Uganda zu geben.

Rückblickend sind wir als Team sehr dankbar für den Einsatz und dafür, dass wir während der gesamten Zeit vor Unheil bewahrt wurden. Gemeinsam mit unseren afrikanischen Freunden konnten wir für die Gefangenen medizinische, soziale und persönliche Hilfe der Nächstenliebe leisten. Wir wissen, dass wir mithelfen konnten bei der gesundheitlichen und gesellschaftlichen Wiederherstellung der Gefangenen und ihrer Angehörigen.

Auch freuen wir uns sehr über die partnerschaftliche, freundschaftliche und geschwisterliche Zusammenarbeit, von der unser Einsatz geprägt war. Die Erfahrungen aus der Kooperation waren nicht nur für das humedica-Team, sondern auch für die Partner von Prison Fellowship International und Prison Fellowship Uganda (PFI-Uganda) äußerst fruchtbar.“

Im Einsatz für Gefangene in Uganda (v. l.): Dr. Gunter Müller, Dr. Renate Schilling, Steffi Glaser, Silke Klumpp, Dr. Sonja Küster, Dr. Stefan Mohr, Marion Wund, Dr. Johannes Höß, Aklilu Tadesse (Afrika-Verantwortlicher von PFI), Irene Namwano (Executive Director PFI-Uganda). Foto: humedica

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