Tagebuch aus Haiti: 23.02.2010 - Die Hunde spielen verrückt

von Ruth Bücker/FBA, 23.02.2010

Während ich gestern noch darüber verwundert war, wie ich - wenn auch geschwächt von den vergangenen zwei Wochen – drei Erdbeben nicht fühlen konnte, ist es mir vergangene Nacht anders ergangen. Um kurz nach zwei Uhr nachts fing es auf einmal an um mich herum zu knirschen, zu poltern und zu wackeln.

Ich hatte mich eben in mein Zelt gelegt und wollte zur Entspannung noch kurz ein paar Seiten in meinem Buch lesen, als das Beben begann. Die ganze Situation ist schwer zu beschrieben. Ich glaube, ich habe erst gar nicht richtig verstanden, was um mich herum geschah. Und ehe ich die Situation richtig begriff war auch schon wieder alles vorbei.

Ein Geräusch, wie ich es beim Beben hörte, habe ich zuvor noch nie gehört: es ist ein Krummeln, Rumpeln, Dröhnen und Knirschen, irgendwie alles zusammen. Beunruhigend. Was mich ebenfalls wachsam machte war das ohrenbetäubende Gebell der örtlichen Hunde.

Zelte sind die sicherste Ruhestätte. Foto: humedica/Ruth Bücker

Ähnlich wie Kanarienvögel früher unter Tage als Frühwarnsystem für zu wenig Sauerstoff eingesetzt wurden, warnen die Hunde hier vor dem bevorstehenden Beben.

Wenn in der Nacht die Hunde wie verrückt zu bellen beginnen, dann spüren sie entweder gerade ein kleines Erdbeben, dass so gering ist, dass Menschen es gar nicht spüren. Oder sie hören, mit ihren sensiblen Ohren bereist das erste leise Grollen, dass die nächste Erschütterung ankündigt. Der Mensch spürt diese Erdbeben erst viel später.

Mit diesem Wissen reagiere ich auf Hundegebell nun sofort alarmiert. Es ist fast gruselig in diesen Tagen Hundegebell zu hören. Nach dem ersten Beben in dieser Nacht standen wir auf freiem Gelände und warteten ab, ob es abermals zu rappeln beginnen würde. Aber wir hatten Glück, in dieser Nacht beruhigte sich die Erde wieder und wir konnten uns schlafen legen.

Ich glaube, nach der Erfahrung in dieser Nacht kann ich die Menschen, die das verheerende Beben vor fünf Wochen miterleben mussten, besser verstehen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir gestern noch ein neues, großes Patientenzelt aufbauen konnten. In diesem konnten die Patienten heute Nacht vielleicht ein bisschen ruhiger schlafen.

Auch Sie können den Menschen in Haiti helfen:

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        Konto 47 47
        BLZ 734 500 00
        Sparkasse Kaufbeuren

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