Tagebuch aus Haiti: 18.02.2010, Nahrungsverteilung mit GAIN

von Ruth Bücker/ FBA, 18.02.2010

Heute in der Früh machte ich mich gemeinsam mit Florian auf den Weg, um an humedica gespendete Babynahrung zu verteilen. Die Spende war von GAIN Deutschland an humedica überreicht worden. Gemeinsam mit der Organisation verteilten wir sie heute an haitianische Mütter.

Bereits seit mehreren Wochen sind die Mitarbeiter von GAIN Kanada in Haiti tätig und verteilen Lebensmittelpakete, mit Reis, Bohnen und Öl. Bei vielen Verteilungen kommen zusätzlich Kleidung oder Babynahrung hinzu - heute gab es für die Anwesenden beides.

Als wir in dem ummauerten Gelände in Croix de Bouquets, nordöstlich von Port au Prince, ankamen, fand gerade ein Gottesdienst statt und die Leute sangen und beteten in völliger Ruhe. Ebenso ruhig gestaltete sich anfangs auch die Verteilung der Lebensmittel.

humedica-Koordinator Florian Hansmann half bei der Verteilung der Babynahrung. Foto: humedica/Ruth Bücker

In einer Reihe nahmen die Menschen ihre Essenspakete entgegen und sammelten sich an einem Platz, um als geschlossene Gruppe das Gelände auch wieder zu verlassen. Der Plan war eigentlich, die Tore des Geländes so lange geschlossen zu halten, bis alle ihre Pakete bekommen haben und der Lastwagen und die Pick-Ups zur Abfahrt bereit sind.

Als die Tore aus unerfindlichen Gründen trotzdem bereits während der Verteilung aufgingen, wurde die Situation plötzlich sehr angespannt und für mich persönlich zunächst auch beunruhigend.

Umringt von einer Menschentraube, die ihre dringend benötigten Lebensmittel davon fahren sahen, musste der Lastwagen vorzeitig das Gelände verlassen. Als die Menschen daraufhin selbst anfingen, die restlichen Lebensmittel von den Ladeflächen der Pick-Ups wegzunehmen und bei dem entstandenen Gedränge sich selbst in Gefahr brachten, mussten auch die Pick-Ups die Verteilung der Lebensmittel abbrechen.

Zusammen mit unserem Fahrer stand ich dann inmitten der Menschen, bedroht gefühlt habe ich mich dennoch nicht. Die Stimmung änderte sich nicht gegenüber uns Helfern, sondern unter den hilfsbedürftigen Menschen. Dabei zeigte sich ihre Verzweiflung.

Ich habe durch diese Nahrungsverteilung sehr viel Freude, Aufregung, aber auch Frustration erfahren, und dies alles innerhalb nur einer Stunde - länger dauerte die Verteilung nicht. Freude weil ich gesehen habe, wie dankbar die Menschen für die Spenden und für die Aufmerksamkeit der Hilfsorganisationen sind.

Die Mütter freuten sich sehr über das Essen für ihre Kleinen. Foto: humedica/Ruth Bücker

Aufregung, weil ich unmittelbar dabei war, als sich die Situation anspannte und das verzweifelte Verhalten von Menschen in Not unter derartigen Umständen nur schwer einzuschätzen ist. Und Frustration da mir der heutige Tag deutlich gezeigt hat, wie hilflos die Menschen hier auf internationale Unterstützung angewiesen sind - auch knapp fünf Wochen nach dem Beben.

Die Menschen gefährdeten ihr Leben, um etwas von der Babynahrung für ihre Kinder erhaschen zu können. Ich denke dieses Bild zeigt sehr deutlich die derzeitige Lebenssituation viele Haitianer. GAIN wird mit der Verteilung von Lebensmitteln fortfahren und leisten damit wichtige Arbeit.

Die langfristige Planung für die Zukunft des Landes und deren Bewohner darf nicht in Vergessenheit geraten. Den Menschen muss geholfen werden wieder auf eigenen Beinen stehen zu können.

Liebe Freunde und Förderer von humedica: ich sehe hier, wie die Hilfe bei den Menschen ankommt und was sie alles bewirkt. Darüber hinaus sehe ich aber auch, dass noch ein großer Bedarf an Unterstützung besteht. Bitte helfen Sie uns auch weiterhin bei unseren Bemühungen mit einer konkreten Spende auf untenstehendes Konto:
      humedica e.V.
      Spendenstichwort "Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online. Vielen Dank.

Sehr stolz und erhaben sieht es aus, wenn die haitianischen Frauen ihre Sachen auf dem Kopf tragen. Foto: humedica/Ruth Bücker

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