Tagebuch aus Haiti: 13.02.2010, "Freude und Trauer liegen oft so nah beieinander"

von Ruth Bücker/FBA, 13.02.2010

Wenn mir heute jemand die Frage stellen würde wie mein Tag war, könnte ich darauf keine eindeutige Antwort geben. Freude und Trauer liegen oft so nahe beieinander, dass ich heute viel gelacht, aber auch geweint habe.

Ich hatte viele unglaublich schöne Begegnungen mit Patienten aus unserem Krankenhaus. Andererseits gab es auch schwere und bedrückende Situationen.

In einem der Krankenzimmer liegen vier Jungen und ein Mädchen, die sich schwere Knochenbrüche – meist an den Beinen - zugezogen haben. In den meisten Fällen waren dafür die Trümmer herunterstürzender Häuser verantwortlich.

Aber trotzdem sind diese Kinder fröhlich, winken beim Vorbeigehen und haben Spaß – zumindest scheint es nach außen so. Wie es in ihrem Inneren aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Insbesondere bei Kindern zeigt sich die wiedergefundene Freude. Foto: humedica/Ruth Bücker

Mit Phil, als Übersetzer an meiner Seite, verbrachte ich heute mehrere Stunden bei diesen fünf Buben und Mädchen. Sie gehören zu den Kindern, die das Beben glücklicherweise nicht zu Waisen machte. Während wir mit ihnen Zeit verbrachten und Fotos machten, zeigte sich wieder ihre kindliche Freude, die in den vergangenen Tagen und Wochen oft durch ihre Trauer überdeckt worden war.

Zum Schluss war ich sogar so etwas wie ein Fotostar, jedes Kinder wünschte sich ein gemeinsames Bild mit mir. Ich war sehr gerührt vom Lebensmut, den sie ausstrahlten und ihrer offenen Art mir gegenüber.

Besonders betroffen machte mich das Schicksal der Geschwister Christelle und Roseline und ihrer Familie.

Christelle ist sieben Jahre alt und hat sich bei dem Erdbeben einen Beinbruch zugezogen. Ihre zweijährige Schwester Roseline überstand das Erdbeben zwar äußerlich unversehrt, die Bilder der Katastrophe haben sich jedoch fest in ihrer Seele eingebrannt.

Christelle und ihre kleine Schwester Roseline, die noch schwer traumatisiert ist. Foto: humedica

Während sie schlief, schmiegte sie sich an die humedica-Mitarbeiterin Simone, hielt sich an ihrer Kleidung fest und fing im Schlaf bitterlich an zu schluchzen. Es war herzzerreißend und für mich unvorstellbar, welche Bilder in diesem Moment wohl durch ihren Kopf gehen mussten.

Ihre ältere Schwester erzählte, Roseline weine oft im Schlaf und nehme nur wenig Nahrung zu sich. Das Trauma sitzt so tief, dass es sie blockiert und sie mit der Verarbeitung der Geschehnisse noch nicht beginnen kann.

Die Großmutter wird sich in Zukunft um die beiden Kleinen kümmern. Weinend verabschiedete sie sich von uns. Es war ein sehr bedrückendes Gefühl, neben der Großmutter der Mädchen zu sitzen und ihren Schmerz zu spüren.

Diese Situation hat mich so berührt und mitgenommen, dass ich jetzt, während ich diese Zeilen schreibe selbst wieder zu weinen beginnen könnte.

Gerade solche Familien, die das Schicksal so hart getroffen hat, müssen wir nun unterstützen und ihnen dauerhaft und nachhaltig helfen. Mit unserem Beistand können wir ihnen wieder auf die Beine helfen.

Bitte unterstützen Sie unser Familienpatenschaftsprojekt oder helfen Sie uns durch eine konkrete Spende auf untenstehendes Konto:
      humedica e.V.
      Stichwort "Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

BITTE SPENDEN SIE AUCH ONLINE. Vielen Dank!

Ein besonderer Dank gilt dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland für die freundliche Unterstützung und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

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