Tagebuch aus Haiti: 12.02.2010, Trauertage nach dem Beben

von Ruth Bücker/FBA, 12.02.2010

Am vergangenen Freitag vor 4 Wochen ereignete sich das Erdbeben in Haiti. Neben Gebäuden zerstörte es die Leben unzähliger Menschen. In Gedenken an die Erdbebenopfer ordnete die Regierung drei Trauertage an.

In dieser Zeit sind keine Verkaufsstände an den Straßen zu sehen. Das Gefühl, dass auf den Straßen und in den Geschäften allmählich Normalität einkehrt, ist für drei Tage wieder verschwunden. Die Hinterbliebenen trauern und beten für die geliebten Menschen die sie bei dem Erdbeben verloren haben.

Neben dem Schulgelände, das uns als Unterkunft dient, befinden sich zwei Kirchen. Eine davon liegt auf dem Weg zum Hopital Espoir. Um während der Trauertage den Worten der Priester lauschen zu können, sitzen die Menschen vor den Türen der Gotteshäuser – auf Stühlen und dem Boden des Vorplatzes.

Viele der Kinder in Haiti sind durch das Erdbeben zu Waisen geworden. Foto: humedica/Ruth Bücker

Aus aufgestellten Lautsprechern ertönen Predigt und Gesang. Ich verstehe das Creol zwar nicht, aber trotz der Kommunikationsbarrieren sind große Emotionen spürbar. Manche der Lieder klingen fast fröhlich; die meisten aber sind bedrückend und hören sich wie Klagelieder an.

Gegenüber von Espoir ist ein großer Platz, auf dem wohl einst Gebäude standen. Nun ist nicht viel mehr zu sehen als herumliegende Trümmer. Doch trotz des Chaos treffen sich die Einheimischen. In weiß gekleidet verfolgen sie den ganzen Vormittag die Predigt und trauern gemeinsam.

Aus Gründen des Respekts und Anteilnahme hat das humedica-Team beschlossen, den Krankenhausbetrieb ebenfalls bis auf die nötigsten Behandlungen einzuschränken. Gestern versammelten sich alle Patienten im Hof und hielten ebenfalls einen Gottesdienst ab.

Für mich sind vier Wochen eine lange Zeit, meistens empfinde ich es zumindest so. Auch die Veränderungen, die sich in dieser Zeit in Haiti zugetragen haben, bestätigen dies. Die Trauergesänge der Überlebenden zeigen jedoch wie tief die Erschütterung bei den Menschen sitzt. Sie zeigen, dass vier Wochen für die Verarbeitung dieses schrecklichen Erdbebens keine lange Zeit sind.

Bitte unterstützen Sie uns bei unseren Bemühungen auch weiterhin mit konkreten Spenden.
      humedica e.V.
      Stichwort "Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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Bänke und Stühle wurden ins Freie getragen und die Patienten versammelten sich, um die Gedenktage mit Beten und Singen gemeinsam zu verbringen. Foto: humedica/Matthias Richter-Turtur

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