Sebastian Frank kontrolliert Abschlussarbeiten am Krankenhaus

von Sebastian Frank/SRI, 08.03.2010

Völlig unerwartet und überraschend erreichte mich Ende Januar ein Anruf aus Kaufbeuren. „Sebastian, wir brauchen jemanden übergangsweise für unser Projekt im Niger. Hast du Interesse und wann könntest Du los?“, lautete sinngemäß die Frage aus der humedica-Projektabteilung.

Sebastian Frank im Gespräch mit den Bauleitern. Foto: humedica

Das Krankenhaus im nigrischen Kollo, an dessen ersten Bauabschnitt ich von April bis Juni 2008 bis zur Fertigstellung als verantwortlicher Koordinator vor Ort war, ist mittlerweile seit über einem Jahr in Betrieb. Im ersten Jahr des Krankenhausbetriebs konnten durch die 12-köpfige Krankenhausmannschaft bereits 13.900 Menschen behandelt werden.

Momentan werden etwa 60 bis 80 Personen pro Tag im Krankenhaus ambulant versorgt. Überwiegend zählen Kinder unter fünf Jahren zu den Hauptpatienten des Krankenhauses. Die Anzahl der Patienten ist steigend, denn mittlerweile hat sich der gute Ruf des Krankenhauses herum gesprochen und die Leute kommen von immer weiters weg, um sich im in Kollo behandeln zu lassen.

Teilweise nehmen die Mütter mit ihren kleinen Kindern über drei Stunden (eine Wegstrecke) Fußweg zum Krankenhaus auf sich, um ihre Kinder behandeln zu lassen.

Durch eine Spende der Firma Alpensolar aus Dietmannsried bei Kempten konnte im Dezember 2009 mit dem weiteren Ausbau der Räumlichkeiten begonnen werden. Ziel mit dem bereit gestellten Geld ist es, das Krankenhausgebäude um einen stationären Bettentrakt zu erweitern. Die Bauarbeiten dazu stehen kurz vor dem Abschluss.

Für die letzte Bauphase der Baufertigstellung benötige man externes Fachpersonal, um die letzten Schritte und Abläufe zu koordinieren und die Bauabnahme zu erledigen, so lautete die Aufgabenstellung von humedica. Nach kurzem Überlegen und dem Einverständnis meines Arbeitsgebers, mich für die Zeit freizustellen, wurde meine Einsatzdauer von Anfang bis Mitte März terminiert.

Zurück im Niger war die erste Tätigkeit, meine Fleecejacke auszuziehen und sie sachgerecht im Schrank bis zu meiner Abreise aus dem Niger zu verstauen. Die Temperaturen Anfang März liegen bei etwa 35 Grad, also aus rein klimatischer Sicht ein etwas kühlerer Empfang als 2008; damals war ich im April mit etwas über 40 Grad im Niger begrüßt worden.

Endmontage im Elektrobereich. Foto: humedica/Sebastian Frank

Umso herzlicher waren der Empfang und das Willkommen bei den Einheimischen. Ich war überrascht wie viele verschiedene Personen sich noch an mich erinnerten, obwohl mein erster Einsatz schon fast zwei Jahre zurücklag.

Sieben Stunden nach meiner nächtlichen Ankunft um 3 Uhr in der Früh am Flughafen in Niamey ging es nach Kollo um den Baustand am Krankenhaus zu begutachten. Auch vom Krankenhauspersonal wurde ich herzlich begrüßt. Ich musste bedauerlicher Weise feststellen, dass ich meine „Zarmakenntnisse“ (Stammessprache in dieser Region) nach zwei Jahren Abstinenz fast völlig vergessen hatte.

Und leider hat sich Schwäbisch in dieser Gegend noch nicht etabliert. So blieb mir zur Verständigung neben meinen etwas bruchstückhaften
Französischkenntnissen die Zeichensprache, immer untermalt mit einem herzhaften Lächeln in einem hoffentlich sehr freundlichen Gesicht.

Die Bauarbeiten am stationären Bettentrakt sind weit fortgeschritten. Die Maler- und Fliesenarbeiten befinden in der Endphase, im Bereich der Sanitär- und Elektroarbeiten steht die Endmontage aus. Die Waschbecken und Sanitärarmaturen müssen montiert, Lampen, Ventilatoren und Klimageräte angeschlossen werden.

Mit großem Einsatz wird gerade an der Baufertigstellung gearbeitet. Etwa 85 Prozent der Bauarbeiten sind abgeschlossen, die vorläufige Bauabnahme ist auf das Ende der zehnten Kalenderwoche 2010 terminiert. Mit regem Interesse verfolgt das Krankenhauspersonal den Fortschritt der Bauarbeiten. Regelmäßig wird auch seitens der Bevölkerung nachgefragt, wann die Bettenstation eröffnet werden kann.

Mit der stationären Bettenstation kann das Behandlungsangebot des Krankenhauses um weitere wichtige Leistungen erweitert werden. Dazu zählen:

• Durchführung von Geburten und Entbindungen
• Kleinere chirurgische Eingriffe
• Mehrtätige Intensivbehandlung von schwerkranken Kindern

Es ist mir eine Freude und Ehre, Ihnen, liebe Leser, diese Zeilen aus dem Niger zu schreiben. Alle Arbeit, die bisher in dieses Projekt geflossen sind zeigen erste Früchte. Hoffnung, Zukunft und Leben konnten vielen Menschen die dieses Krankenhaus betraten mit auf den Heimweg gegeben werden. Herzlichen Dank an Sie alle, die sich an diesem Projekt beteiligt haben.

Mehr als 10.000 Patienten wurden seit Klinikeröffnung behandelt; ein Lächeln ist das schönste Dankeschön. Foto: humedica

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