Die Wasser fürchtenden Kinder in Pakistan

von Prof. Dr. Dr. Bernd Domres und Ferdinand Hofer, 12.08.2010

Dank Unterstützung der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin ist Dr. Rashid Al Bandi erfahrenes Mitglied unseres Teams. Foto: humedica/Rupert Waldmüller

Während der Regen willkürlich kommt und geht, behandelt das humedica-Team seit einer Woche kontinuierlich über hundert Flutopfer am Tag. Zu den körperlichen Beschwerden machen sich nun immer stärker die psychischen Leiden und der seelische Druck bemerkbar, wie unser Team in seinem Bericht beschreibt.

„Es war nach dem vielen und wechselhaften Regen der vergangenen Zeit ein sonniger Tag und entsprechend heiß war es bei über 35 Celsius. Der Tag fing mit zu fahrenden Umwegen an, da im Zentrum der Stadt Charsadda Protestkundgebungen stattfanden. Auch auf dem Rückweg von den Behandlungen zu unserem Quartier mussten wir einen mehrstündigen Umweg wahrnehmen.

Auf der Autobahn, die zu beiden Seiten von notdürftigen Zeltunterkünften gesäumt ist, kam es zu Demonstrationen der Flüchtlinge und die Straße war blockiert. Glücklicherweise haben wir Achmet, unseren Fahrer, der über solche außerordentlichen Vorkommnisse stets informiert ist und sehr um unser Wohlbehalten und vor allen Dingen um unsere Sicherheit bemüht ist.

Wir möchten an dieser Stelle daher heute mal unser Team der einheimischen Helfer vorstellen, denen unser herzlicher Dank gilt. Wie gesagt, gibt es da unseren Fahrer Achmet, dessen alter Jeep uns zum alltäglichen Transport unser selbst und der Medikamente dient. Gleichzeitig leistet er eine unschätzbare Arbeit als Dolmetscher und Mitarbeiter bei den Patienten. Er kann inzwischen bereits den Blutdruck der Patienten messen.

Im Team ist auch der Pakistaner Christopher McGee, der ebenfalls sein Auto zur Verfügung stellt und als Organisator bei den verschiedenen Institutionen und Ämtern fungiert. In der Highschool helfen uns aus der Bevölkerung auch noch ein Wachmann, zwei weitere Übersetzer für Patientengespräche und eine Krankenschwester.

Auch der Direktor der Schule greift uns unter die Arme, wo er nur kann. Mit seinen Gedanken ist er stets auch bei unserem Team und organisiert beispielsweise das Essen, das von Nasim zu uns nach Charsadda und Peshawar gebracht werden muss.

Prof. Dr. Dr. Bernd Domres (links) und Dr. Rashid al Badi (rechts) können auf die Unterstützung von Christopher und vielen weiteren einheimischen Helfern zählen. Foto:

Und der Englischlehrer der Schule hilft ebenfalls bei der Behandlung. Seine Kinder tun gleichfalls ihr Bestes, so zum Beispiel die dreizehnjährige Tochter, die uns mit ihren Englischkenntnissen bei Gesprächen mit unseren Patienten hilft.

Im Laufe der vergangenen Tage haben wir bei vielen der Patienten festgestellt, dass die Überschwemmungen neben ihren körperlichen Verletzungen starke seelische Wunden hinterlassen haben. Eine Reihe der Kinder weisen Zeichen von Phobien vor Wasser auf.

Viele Frauen sind zu Witwen geworden, da ihre Ehemänner sie und die Kinder in Sicherheit bringen wollten, bei der Rettungsaktion aber selber ihr Leben verloren haben. Viele Kinder sind nun Waisen. Die psychischen Leiden sitzen bei diesen Menschen tief, viele der Frauen haben schwere Depressionen.

Um die ersten Schritte mit den traumatisierten Menschen gehen zu können, haben wir seit heute für die von der Flut verschont gebliebenen Menschen einen Psychologen an unserer Seite.

Aktuell bereitet sich die Bevölkerung auf Ramadan vor. Über den Zeitraum von einem Monat werden die Menschen fasten und ihr soziales Leben erst nach Sonnenuntergang beginnen. Da die zu betreuenden Patienten, beziehungsweise die gesamte Bevölkerung die heutige Nacht bereits zum Tag macht, wird sie morgen ausschlafen. Und wir können daher den Beginn der Behandlungen in der Schule von acht Uhr um zwei Stunden nach hinten verlegen.

Als Abschluss unseres Berichtes möchten wir Ihnen, liebe Leser, noch zwei Superlative über Charsadda mit auf den Weg geben: Uns wurde berichtet, dass in Charsadda die angeblich größte Papiermühle der Welt stünde.

Das zweite, wenn auch nicht so erfreuliche Superlativ, betrifft einen Friedhof. In Charsadda existiert der flächen- und zahlenmäßig größte asiatische Friedhof. Jeden Tag fahren wir Kilometer weit auf der Straße durch diesen sich beiderseits ausdehnenden Friedhof. Wir sehen viele frische Gräber, die dann wenn es regnet mit Planen geschützt werden.

Damit für heute abschließend und mit herzlichen Grüßen aus Pakistan,

Ihr Bernd Domres und Ferdinand Hofer“

Wie stets nach Katastrophen, wird sich das Ausmaß der Traumata erst im Laufe der Zeit zeigen. Foto: humedica/Ferdinand Hofer

Liebe Freunde von humedica. Bitte unterstützen Sie die Arbeit unserer medizinischen Teams in Pakistan auch weiterhin. Die Katastrophe hat eine Größenordnung, der wir ohne Ihre finanzielle Unterstützung nur schwer gerecht werden können.

Schicken Sie eine sms an die 8 11 90 mit dem Stichwort DOC und unterstützen uns mit 5 Euro, von denen 4,83 Euro in die Projektarbeit fließen. Spenden Sie über unser Onlineformular für die Flutopfer in Pakistan oder wählen die traditionelle Form der Überweisung auf folgendes Konto:

      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Pakistan
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Vielen Dank!

Ferdinand Hofer inmitten der Kinder, denen dank Ihrer Unterstützung geholfen werden kann. Foto: humedica/Rashid Al Badi

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