Nach Haiti und Deutschland zurück im Niger

von Simone Winneg, 06.05.2010

Simone Winneg (Kaufbeuren) betreut seit 2008 den Aufbau der Klinik in Kollo (Niger). Nachdem sie im Januar als Koordinatorin mit dem ersten Ärzte-Team nach Haiti flog, ist sie vor wenigen Tagen in den Niger zurückgekehrt - zu ihrer großen Klinik-Familie.

„Als ich heute nach 133 Tagen nach Kollo zurück gekommen bin und die humedica-Klinik gesehen habe, hat es mir die Sprache verschlagen. Mit Tränen in den Augen stand ich da und konnte nichts sagen außer Wow.

Im Dezember 2009 unterzeichnete Simone Winneg den Bauvertrag. In diesen Tagen kam sie aus dem Staunen kaum noch heraus. Foto: humedica

Der Klinikanbau, der durch die beispielhafte Unterstützung von der Allgäuer Firma ALPENSOLAR ermöglicht wurde, ist fertig und er ist wunderschön geworden! Was ich im Rohbau und in der ersten Bauphase zurückgelassen habe, steht nun ausgebaut und bezugsfertig vor mir - mit Strom, Wasser, Klimaanlagen und Sauerstoffanschluss.

Es war ein wunderschöner Augenblick für mich, der eigentlich nur noch von dem Geschehnis im Anschluss übertroffen wurde, nämlich dem Wiedersehen mit dem gesamten Klinik-Team. Obwohl am Mittwochnachmittag generell nicht gearbeitet wird, sind alle Mitarbeiter geblieben bis ich von Niamey gekommen bin – nur um mich zu begrüßen.

Und die Begrüßung war sehr herzlich: feste Umarmungen, Freudentränen und viele Fragen: Wie es mir geht. Und der Familie. Wie die Reise war und wie es humedica in Deutschland geht. Es wurde gelacht, geredet und Hände wurden geschüttelt.

Nach einem kurzen Rundgang durch unsere neue Bettenstation kam die zweite schöne Überraschung. Das Klinik-Team war nicht nur länger geblieben, sondern sie hatten auch ein kleines Willkommensgeschenk für mich: bei Keksen und Softdrinks begrüßten sie mich im mit Luftballons dekorierten Eingangsbereich der Klinik. Da wurde mir erst richtig bewusst, was die Menschen hier für mich geworden sind: eine Familie.

Eine große Familie mit immerhin zwölf Personen, die mich die letzten vier Monate vermisst hat, die meine Zeit in Deutschland mit verfolgt hat. Einige fragten sogar nach der Situation auf Haiti und nach dem Engagement von humedica in dem Kribikstaat. Sie zeigten großes Interesse an meinem "anderen" Leben weit entfernt vom Niger.

Vor allen Dingen waren sie aber froh, dass ich gesund wieder zurück gekommen bin. So viele strahlende Gesichter schauten mich an, als ich mich für ihr Fest bedankte und ihnen auch von Deutschland liebste Grüße überbrachte.

Mit diesem kleinen Empfang wurde mir einmal mehr bewusst, wie wichtig humedica hier in Kollo ist, wie wichtig nicht nur unsere finanzielle, sondern auch unsere personelle und vor allem unsere persönliche Unterstützung hier ist und wie sehr sie gewürdigt wird.

Mit Essen, Getränken und viel Herzlichkeit wurde die humedica-Koordinatorin wieder willkommen geheißen. Foto: humedica/Simone Winneg

Jeder der deutschen Ärzte, die für humedica im Niger gearbeitet haben, bleibt hier lange in Erinnerung. Die Mitarbeiter der Klinik fragten mich, wie es der Klinikdirektorin Frau Dr. Irmgard Harms geht, die im Jahr 2009 für vier Monate in Kollo war. Oder sie fragten mich nach dem Befinden von Dr. Matthias Heß, der schon zwei Mal einen dreiwöchigen Aufenthalt in der humedica-Klinik in Kollo verbracht hat.

Und auch die jüngste Vergangenheit ist noch immer sehr wichtig für sie. Sie erkundigen sich nach Ilias, dem medizinisch technischen Assistenten (MTA), der im letzten Herbst neun Wochen die Laborantin unterstützt hat. Und ob der Elektroingenieur Sebatian wiederkäme, der erst vor sechs Wochen zur Betreuung des Weiterbaus zum zweiten Mal im Niger war.

Einerseits kommt es mir so vor, als wäre ich nie weg gewesen. Doch andererseits hat sich hier auch so vieles verändert. Und was mich besonders freut: die Klinik hat ihre erste wirkliche Prüfung mit Bravur bestanden. Nach neunmonatiger Leitung durch deutsche humedica-Koordinatoren, hat sich das Klinikteam in den letzten vier Monaten ganz ohne deutsche personelle Unterstützung profiliert.

Die regelmäßige Betreuung lief lediglich über Internet und ein paar Telefonate, aber sonst organisierten die Klinik-Mitarbeiter die anfallenden Aufgaben ohne Probleme in Eigenregie. Stolz und Freude erfüllt mich, wenn ich daran denke, dass wir die Klinik erst vor 14 Monaten eröffnet haben und inzwischen die Entwicklung dahin ging, dass die Führungspersönlichkeiten alles gut im Griff haben, zuverlässig sind und durch Eigeninitiative und Kreativität viele Probleme gelöst haben. Ganz ohne uns!

Ein Neubeginn bringt Herausforderungen

Wie immer bei Neubeginnen, und das sind die nächsten fünf Monate hier in vielerlei Hinsicht, gehen mir viele Gedanken im Kopf herum. Einerseits kreisen sie um die jetzige Klinik: Welche Verbesserung kann man in der Klinik noch machen? Wo hat es trotz des guten Klinikbetriebes noch gehakt? Was kann man verändern, wo sind personelle Engpässe?

Der vierjährige Ibrahim hat immer noch genauso viel Freude an Simones Handy und an Luftballons wie vor vier Monaten. Foto: humedica/Simone Winneg

Und andererseits denke ich über die zukünftige Klinik mit Bettentrakt nach, denn um diese werde ich mich das nächste halbe Jahr kümmern. Es gilt, Personal einzustellen und zu schulen, Räume einzurichten, die Eröffnung zu planen und schließlich die ersten Patienten stationär aufzunehmen.

Aber zuerst einmal freue ich mich auf den Hilfscontainer, der Anfang März von Deutschland auf den Weg in den Niger geschickt wurde und dessen Ankunft in den nächsten drei Tagen sehr wahrscheinlich ist. Die Lieferung umfasst Medikamente, Krankenhausausstattung wie Babybetten, Bettwäsche, Verbandsmaterial und andere dringend notwendige Materialien, auf die hier im Niger die gesamte Belegschaft sehnsüchtig wartet.

Große Pläne für ein wunderbares Projekt, das nur dank Ihrer Hilfe und Unterstützung zu dem geworden ist, was es heute ist. Die humedica-Klinik ist ein Stern der Hoffnung in diesem bitterarmen Land namens Niger, der der Bevölkerung von Kollo das gibt, was für uns so selbstverständlich ist: Recht auf Gesundheit, für jedes Kind, jede Frau, jeden Mann.

Dafür bedanke ich mich herzlichst bei Ihnen, liebe Spender und Förderer,

Ihre
Simone Winneg"

Bitte unterstützen Sie das Projekt im Niger auch in den kommenden Monaten mit einer gezielten Spende zur Entsendung von Hilfsgütern.
      humedica e.V.
      Stichwort "Niger"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sie können uns hier ebenso mit einer Online-Spende für die humedica-Klinik unterstützen. VIELEN DANK!

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