Andere Blickwinkel einnehmen und voneinander lernen

von Hanna Bellmann, 20.10.2010

Den gesamten September habe ich, Medizinstudentin aus Köln, in der humedica-Klinik in Kollo im Niger verbracht. Von der ersten Sekunde an fühlte ich mich wohl, so dass es bereits nach dieser kurzen Aufenthaltsdauer wie mein zweites Zuhause geworden ist.

Hanna Bellmann (links) bei der Eröffnung des Bettentrakts in Kollo. Foto: humedica

Die erste wunderbare Feierlichkeit war die Eröffnung unseres Bettentraktes. Der mir zugeteilte Bereich war die Bettenstation, wo ich mit den Krankenschwestern und Hebammen arbeitete. Jeden Morgen gegen acht Uhr fand die Chefarztvisite durch Dr. Yacouba statt, bei der ich immer anwesend war. Jeder Patient bekam die Zeit und Aufmerksamkeit, die er brauchte.

Anschließend begann der Stationsalltag. Meine Aufgaben bestanden darin, auf die Hygiene der Krankenschwestern zu achten und ihnen die arbeitsgerechten Standards ein wenig näher zu bringen.

Am ersten Tag, jung und frisch und absolut übermotiviert, hatte ich tausend Vorschläge und wollte alles und jedes davon am besten sofort. Aber das ging nicht, eher das Gegenteil war der Fall. Es lief alles langsam, wenn überhaupt. Also habe ich die nächsten Tage nur beobachtet, wie die seit zwei Jahren im Niger arbeitende Koordinatorin Simone mit den Menschen redete und wie sie miteinander umgingen.

Ich habe viele Umgangsformen und Handlungsweisen durch Abschauen bei Menschen aus meiner Umgebung übernommen. Von Menschen, die bereits mehr Erfahrungen haben als ich, die ich bewundere oder einfach respektiere.

Der neue Plan nach den ersten Tagen des Beobachtens war, motiviert zu arbeiten, mit sehr viel Geduld alles vorzuzeigen und vorzuleben, den einheimischen Mitarbeitern aufzuzeigen, was ich mir wünsche und ich glaube wirklich, dass sie es auch –wahrscheinlich - unbewusst übernommen haben und jetzt so arbeiten, wie es unser und mein Ziel war.

Insbesondere Kinder sind auf Helfer wie Hanna Bellmann, die ihren Urlaub mit Hilfsbemühungen ausfüllen, angewiesen. Foto: humedica

Dazu gehören für Deutschland übliche Dinge wie Handschuhe tragen, Infusionssysteme nur einmal benutzen, zu Kinderpatienten lieb sein und nicht drohen, der adäquate Medikamentenumgang und persönliches Engagement. Wenn ich dies von den lokalen Kollegen umgesetzt sah, bereitete es mir immer wieder kleine Glücksmomente.

Leider habe ich auch Kinder sterben sehen. Sie verloren ihr Leben aufgrund schwerer Malaria-Erkrankungen, von denen dieses Jahr mehr Fälle auftreten als in den Jahren zuvor. Ebenso verhält es sich mit der Anzahl von Menschen mit Unterernährung.

Ich will Ärztin werden und stets sagt mir mein Herz, dass ich am liebsten allen Crenis (die Bezeichnung für ein schwer unterernährtes Kind, welches zusätzlich krank ist) sofort und ausnahmslos helfen muss. Diese Vorstellung musste ich leider aufgeben, da es schlichtweg nicht geht und wir viele der Kinder auch gar nicht erreichen können.

Jeden Tag habe ich gesehen, was für ein großer Bedarf an unserer Hilfe vorherrscht, und ich wünschte, ich könnte in all der Zeit, die ich nicht für mein Studium aufbringen muss, wieder im Niger helfen.

Ich danke dem kompletten Klinikpersonal und meinen neu gewonnen Freunden, die mir immer noch sehr fehlen, für diese Erfahrung. Für diesen gegenseitigen Gewinn. Ich habe gelernt, andere Blickwinkel einzunehmen, Maßstäbe zu ändern und kulturelle Sensibilität zu entwickeln. Für den Alltag bin ich „schmerzfreier“ geworden, das war in Kollo immer unsere Devise.

Miteinander und voneinander lernen, das war der Wunsch der jungen Kölnerin für ihren Monat im Niger - erfüllt hat er sich. Foto: humedica

Und ich möchte dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland dafür danken, dass es die Hilfsbemühungen von humedica finanziell unterstützt. Ohne diese Gelder und die privaten Spenden, wäre meine und unsere Hilfe im Niger nicht umzusetzen.

Nun lerne ich fleißig weiter an der Uni, um das nächste Mal noch mehr zu können und mehr beibringen zu können.

Herzliche Grüße von
Ihrer Hanna Bellmann

Liebe Freunde und Förderer unserer humedica-Klinik in Kollo. Bitte unterstützen Sie uns weiterhin bei unseren Bemühungen gegen den Hunger im Niger. Senden Sie hierfür schnell und sicher eine sms mit dem Stichwort DOC an die 8 11 90 oder spenden Sie über unser Online-Formular für die Menschen in dem westafrikanischen Land.

Gerne können Sie uns auch auf dem traditionellen Weg mit einer Überweisung auf folgendes Konto bei der gemeinsamen Hilfe helfen.
      humedica e.V.
      Stichwort „Klinik Niger
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

VIELEN DANK!

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