Wie es mit dem kleinen Fasil weiterging

von Saskia Hankel, 13.10.2010

Nach ihrem zweiwöchigen Einsatz mit humedica in Pakistan, ist Krankenschwester und Medizinstudentin Saskia Hankel wieder in ihrer Heimatstadt Bochum angekommen. In Gedanken ist sie dagegen immer noch bei den Opfern der Flutkatastrophe, insbesondere bei dem kleinen Fasil.

Mit seinen 3200 Gramm Körpergewicht erinnert der zehn Monate alte Fasil eher an einen Neugeborenen. Foto: humedica/Saskia Hankel

„Ich bin nun seit ein paar Tagen wieder Zuhause in Deutschland. Und diese Zeit nach der Rückkehr habe ich dafür benötigt, die Erlebnisse zu verarbeiten und auch aufschreiben zu können,was ich mit Fasil erlebt habe.

In meinen ersten Gedanken aus Pakistan berichtete ich Ihnen von dem zehn Monate alten Jungen namens Fasil, der nur 3200 Gramm wog und den wir nach vielen Anstrengungen und Überzeugungsarbeit ins Ernährungszentrum der Organisation Ärzte ohne Grenzen bringen konnten.

Gerne würde ich Ihnen, liebe Freunde und Förderer, schreiben, dass wir beim nächsten Besuch von Fasil und seiner Familie einen wohlgenährten kleinen Jungen vorfanden, der auf dem Weg der Besserung war. Aber manchmal sieht die traurige Realität leider ganz anders aus.

Als wir drei Tage nach dem erstmaligen Kennenlernen von Fasil mit unserer mobilen Klinik in das Camp zurückkehrten, in dem wir den Jungen und seine Familie aufgelesen hatten, blickten mich nach den ersten beiden Stunden der „Klinikroutine“ unerwartet ein großes Paar Augen an: Fasils Mutter, mit ihrem schlaffen, reglosen und ausgehungerten Kind auf dem Arm stand vor mir.

Fasils Mutter war sichtlich froh, uns zu sehen – ich dagegen war entsetzt. Ich fragte sie, warum sie nicht mehr im Ernährungszentrum sei, wo wir Fasil wohl behütet aufgehoben glaubten. Sie erklärte, ihr Mann hätte wegen der Arbeit wieder in die Stadt zurückgehen müssen und dass sie noch fünf weitere Kinder hätte, die sie einfach nicht alleine lassen könne.

Dr. Petra Kranz-Ries (links), Saskia Hankel und Isaac, einer der zahlreichen pakistanischen Helfer. Foto: humedica/Simon Gelzenleuchter

Aus diesem Grund musste sie in das Camp zurückkehren. Sie zeigte auf Fasils Augen und ich realisierte erst in diesem Augenblick, dass sie völlig von Eiter verklebt waren und er sie nicht öffnen konnte.

Ich machte mich ans Säubern seiner kleinen Äuglein. Es war grausam. Erst nachdem ich die Verkrustungen gelöst hatte, konnte ich die Augenlider auseinander ziehen und Eiter floss wie Tränen aus den Augen. In dieser großen Menge kannte ich das nur vom Öffnen der vielen Eiterbeulen.

Nachdem ich die Augen vollständig von Eiter befreit und Sie mit Augentropfen behandelt hatte, blickte ich in zwei riesengroße Kulleraugen, die mich anlächelten.Ich kämpfte mit dem Kloß in meinem Hals und mit meinen Emotionen.

Dieses Lächeln, das so unerwartet kam, ließ mich meine Fassung verlieren. Ich weinte. Weinte still vor mich hin, während ich mich weiter um Fasil kümmerte. Weinte vor Rührung und Verzweiflung. In Fasils Lächeln und im Lächeln seiner Mutter lagen so viel Dankbarkeit und Hoffnung. Hoffnung auf unsere Hilfe.

Während erwachsene Frauen und Männer meist noch mehr Kraftreserven aufweisen können, trifft die anhaltende Unterernährung insbesondere die Kinder. Foto: humedica

Da Fasil mit seiner schweren Unterernährung leider kein Einzelfall ist, setzten wir uns abends im Team zusammen, um zu überlegen, was wir für Kinder wie ihn tun können. Wir beschlossen, in die Camps zu fahren und den Müttern zu zeigen, wie sie selbst einen hochkalorischen Brei kochen und ihre Kinder damit füttern können.

Als wir zwei Tage später zur Demonstration der Nahrungszubereitung zurück in Fasils Camp kamen, sah der kleine Junge schon wesentlich besser aus. Er hatte den Mund verschmiert von Brei und er und seine Mutter lächelten über beide Ohren. Ich war glücklich, ihn so zu sehen und mir fiel die Heimreise am nächsten Tag ein wenig leichter.

Zurück in Deutschland musste ich leider von unserem Koordinator Simon hören, der den Kampf um diese Kinder ja nun seit beinahe drei Monaten führt, dass es Fasil wieder schlechter geht. Ich hoffe sehr, das ändert sich wieder.“

Liebe Freunde und Förderer von humedica, die Unterernährung der Kinder nimmt weiter dramatischere Ausmaße an, und auch die Frauen und Männer verlieren aufgrund der mangelnden Nahrung zusehends ihre Kräfte. Die kleine Aishe, von der wir Ihnen bereits erzählten, hat ihren Kampf ums Überleben leider verloren und starb, da ihr kleiner Körper keine Reserven mehr hatte.

humedica wird daher in Kürze mit Unterstützung der Benefizaktion Sternstunden e. V. des Bayerischen Rundfunks ein Ernährungsprogram für Kinder wie Fasil und Aishe starten, um das Leben zahlreicher Kinder zu retten.

Bitte unterstützen Sie uns in unseren Bemühungen, die den notleidenden und hilfsbedürftigen Menschen in Pakistan direkt zu Gute kommen. Senden Sie dafür eine sms mit DOC an die 8 11 90, nutzen Sie für Spenden unser Online-Formular oder untenstehende Konto-Daten. Vielen Dank.

      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Pakistan
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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