Im Gespräch mit Mark Rajib Halder: "Ein Arzt für 10.000 Menschen"

von Franziska Baur, 21.04.2010

Mitte April besuchten Mark Rajib Halder und Dennis Datta, Leiter der Organisation Koinonia (Bangladesch) die humedica-Hauptzentrale in Kaufbeuren. Grund der Reise war einerseits die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Herrn Rajib Halder.

Zum anderen präsentierten die Besucher die Zukunftspläne der Organisation, mit der humedica bereits mehrfach bei Naturkatastrophen in ihrer südostasiatischen Heimat kooperierte.

Herr Rajib Halder herzlich willkommen in der humedica-Zentrale. Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Mein Name ist Mark Rajib Halder, ich bin 29 Jahre alt, verheirateter Vater und habe Betriebswirtschaftslehre studiert. Seit 2007 arbeite ich für Koinonia und vor drei Monaten habe ich die Stelle des Geschäftsführers übernommen. Zuvor war ich bereits zwei Jahre für die Mutterorganisation National Christian Fellowship of Bangladesh (NCFB) tätig.

Mark Rajib Halder und Dr. Dennis Datta von der bengalischen Partnerorganisation Koinonia. Foto:humedica/Franziska Baur

Wie entstand der Kontakt zu humedica und wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Der erste Kontakt zu humedica kam 1991 nach einem verheerender Zyklon in Bangladesch zustande. Nachdem meine Heimat 2007 erneut von einem starken Zyklon (gemeint ist Zyklon „Sidr“, Anmerkung) betroffen war, kam es zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit.

Um den betroffenen Menschen in Bangladesch zu helfen sandte humedica unmittelbar medizinische Teams und Hilfsgüter in meine Heimat. Seit diesem Zeitpunkt arbeiten Koinonia und humedica sehr eng zusammen.

Was ist Ihre Aufgabe bei Koinonia?

Seit Januar dieses Jahres bin ich Geschäftsführer von Koinonia. Diese Aufgabenübertragung erfolgte nach einer intensiven Einarbeitungs- und Vorlaufphase, in der mich mein Vorgänger Dr. Dennis Datta betreute.

Zu meinen Aufgaben gehört es, den Kontakt zur Regierung und Nichtregierungsorganisationen (NRO) zu pflegen und zu koordinieren, Projektvorschläge auszuarbeiten und deren Genehmigung zu ermöglichen.

Was würden Sie als größten Fortschritt und Erfolg Ihrer Arbeit bezeichnen?

Für mich persönlich ist es bereits ein Erfolg, bei Koinonia arbeiten zu können. Dadurch kann ich in vielen verschiedenen Bereichen, etwa im Gesundheitswesen und der Armutsbekämpfung, dazu beitragen, anderen Menschen zu helfen. Darauf bin ich sehr stolz.

Im Hinblick auf die Organisation kann ich von Erfolgen im Aus- und Fortbildungsbereich sprechen. Auch wenn wir die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise deutlich zu spüren bekamen; finanzielle Unterstützungen aus dem Ausland wurden gekürzt.

In welchem Bereich sehen Sie besonderen Handlungs- und Investitionsbedarf, um die bengalische Bevölkerung zu unterstützen?

Speziell im medizinischen Sektor ist verstärktes Engagement nötig. In Bangladesch kommt derzeit auf alle 10.000 Einwohner ein Arzt, auf 6.000 eine Krankenschwester. Unter diesen Bedingungen kann keine zuverlässige und ausreichende medizinische Versorgung gewährleistet werden.

Koinonia bildet derzeit 20 junge Leute aus, die erste medizinische Versorgung in ihren Heimatdörfern leiten sollen. Dieses Ausbildungsprogramm soll dazu beitragen, die Situation zu verändern.

Ausbildungsprogramm für medizinisches Personal. Foto: Koinonia

Wie sieht Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft von Koinonia aus?

Unser Arbeitsanspruch beruht darauf den Menschen qualitative Unterstützung anbieten zu können, in allen lebenswichtigen Bereichen. Wir hoffen, dass dieser Ansatz auch in der Zukunft weiter als oberste Priorität geführt werden kann.

Neben den Bereichen Armutsreduzierung, Gesundheit, Bildung, Ausbildung von Fachpersonal und der Geschlechtergleichstellung wollen wir uns in Zukunft auch verstärkt für den Klimawandel einsetzen.

Bangladesch ist das am stärksten vom Klimawandel betroffene Land weltweit. Aus diesem Grund sehen wir hier einen deutlich verstärkten Handlungsbedarf.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Arbeit.

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