Erfolg lässt sich in Gramm ausdrücken

von Juliane Grünzner, 22.06.2010

Das Münchner Ehepaar Juliane und Stefan Grünzner war mehrere Wochen für humedica im Niger tätig. Insbesondere die Hungersnot und die dadurch bedingte hohe Zahl an Unterernährten machten die Arbeit der Kinderärztin unersetzlich. In dem folgenden Bericht beschreibt Juliane Grünzner eindrucksvoll, wie rührend und bedeutend jeder noch so kleine Schritt im Kampf gegen Mangelernährung ist.

Wie in einer Familie wurden Juliane und Stefan Grünzner (ganz rechts) in Kollo aufgenommen. Foto: humedica/Simone Winneg

„Beinahe drei Wochen haben mein Mann Stefan und ich im Niger verbracht. Von Anfang an haben mich die Gastfreundschaft und die Offenheit beeindruckt, mit der die Menschen uns in diesem Land begegnet sind. Alles, auch wenn es noch so knapp ist, wird brüderlich geteilt. Und das trotz der bereits offensichtlich eingetretenen Hungersnot.

Da dies meine erste medizinische Tätigkeit in Afrika ist, war ich anfangs - trotz aller Ankündigungen - erstaunt, dass tatsächlich etwa jedes zweites Kind mit Malaria in die Ambulanz kommt, was aufgrund des hohen Fiebers und zahlreicher Mückenstiche allein durch Blicke diagnostizierbar ist.

Was mich aber am meisten berührte, waren die vielen unter- und mangelernährten Kinder, die aufgrund der aktuellen Hungersnot in der Klinik behandelt werden mussten. Ein zweijähriges Kind mit dem Gewicht eines sechs Monate alten Säuglings stellt leider keinen Einzelfall dar. Wenn man diese Kinder sieht, hält man es für ein Wunder, dass sie auf diese Weise so lange überleben konnten.

Hilfe für den kleinen Idé

Mein erster kleiner „Ernährungspatient“ war Idé, ein knapp drei Monate alter Säugling, der seit seiner Geburt keine wesentliche Gewichtszunahme aufwies. Die Mutter erklärte, dass sie das Kind praktisch den ganzen Tag stille, aber für eine ausreichende Ernährung nicht genügend Milch habe.

Aufgrund eigener Mangelernährung konnte Idés Mutter ihn nicht mit ausreichend Muttermilch versorgen. Ergänzende Säuglingsmilch brachte dem kleinen Jungen neue Kräfte. Foto: humedica/Simone Winneg

Aus diesem Grund beschlossen wir, für Idé eine Ernährungsunterstützung durch zusätzliche Säuglingsnahrung anzubieten. Leider ist dies nicht vergleichbar mit und so einfach wie in Deutschland, wo man Säuglingsmilch im Supermarkt kauft und zu Hause bequem zubereitet.

Im Niger müssen den Müttern zunächst im Rahmen von Schulungen in der humedica-Klinik grundsätzliche Hygienemaßnahen näher gebracht werden - angefangen beim Händewaschen vor der Milchzubereitung bis hin zum Abkochen der Fläschchen.

Bei teilweise drei Stunden einfachem Fußweg vom Wohnort der Familie bis zur Klinik ist das ein enormer Aufwand, der von den Müttern erwartet wird, den sie aber ohne Klagen und vielmehr mit großer Dankbarkeit für die Gesundheit ihrer Kinder auf sich nehmen.

Ich denke gerne daran zurück, als wir dem kleinen Idé sein erstes Fläschchen mit Säuglingsmilch anbieten konnten, von dem er hastig eine beachtliche Menge trank. Zum ersten Mal sah ich seine bis dahin so ernste Mutter über das ganze Gesicht strahlen.

Diese plötzliche Erleichterung und ihre Dankbarkeit werde ich nicht vergessen. Und Idé? Anstatt sofort satt und zufrieden einzuschlafen, schien der Junge plötzlich aufzutauen und richtig aufzuleben.

Das selbe Kind, das zuvor noch lethargisch im Arm der Mutter lag, sah uns jetzt mit großen Augen an, es gluckste, spielte mit seinen Händchen und fing an, sich interessiert mit seiner Umgebung zu beschäftigen. Das mit ansehen zu können war einer der schönsten Momente, die ich hier erlebt habe.

Jeder Einzelne ist es wert

Ich weiß dass es erschreckend vielen Kindern im Niger ähnlich ergeht und dass wir nur eine kleine Anzahl von ihnen erreichen. Wenn man jedoch selbst gesehen hat, was im Einzelfall bewirkt werden kann, wird jeder noch so kleine Schritt bedeutsam. Jedes einzelne Kind ist es wert!

Die täglichen Erfolge lassen sich in Gramm ausdrücken. Foto: humedica/Simone Winneg

Ich hoffe, dass neben der baldigen Eröffnung des Bettentrakts, in dem selbst schwerst unterernährte Kinder behandelt werden können, auch unser „Milchprogramm“ mit Säuglingsnahrung etabliert und finanziell unterstützt werden kann.

Der Bedarf wird aufgrund der Hungersnot, während der sich auch stillende Mütter nicht ausreichend ernähren können, noch weiter ansteigen. Bereits während meines Aufenthaltes folgten auf Idé zahlreiche Kinder, die zumindest vorübergehend bis zum Einführen der Beikost mit Säuglingsnahrung zugefüttert werden müssen.

Ich habe im Niger viel gelernt und gesehen, einige sehr schöne und ebenso sehr traurige Momente erlebt. Aber ich habe auch erfahren dürfen, wie mit kleinen, aber essentiellen Mitteln geholfen werden kann, um die Entwicklung der Kinder in normale und gesunde Bahnen zu lenken.“

Liebe Freunde und Förderer von humedica. Unterstützen Sie unsere Hilfsmaßnahmen im Niger, insbesondere während der andauernden, bedrohlichen Hungersnot, mit einer konkreten Spende:
      humedica e.V.
      Stichwort "Niger"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie hier auch online für die von Hunger betroffenen Menschen in Niger oder tragen Sie mit einer SMS zu unserer Arbeit bei:
Senden Sie DOC an die Kurzwahl 8 11 90 und unterstützen uns einmalig mit 5,- Euro, wovon 4,83 Euro direkt der humedica-Projektarbeit zu Gute kommen. Vielen Dank.

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×