"Erfahrung in islamischen Ländern"

von Prof. Dr. Gerhard Trabert, 07.09.2010

Prof. Dr. Gerhard Trabert ist einer von zwei erfahrenden Ärzten in unserem dritten Einsatzteam in Pakistan. In einem eigenen, sehr spannenden Blog berichtet von seinen Erfahrungen. Wir veröffentlichen heute den aktuellsten und empfehlen Ihnen die anderen.

Schnell kristallisiert sich heraus, dass ich die Untersuchung der Frauen, aufgrund meiner Erfahrung, als Arzt in islamischen Ländern gearbeitet zu haben, übernehmen soll. Mit meiner Dolmetscherin geht dies auch relativ gut.

Natürlich muss ich immer wieder fragen, ob ich dies oder jenes tun darf. In aller Regel ist dies auch möglich, dann wird der Gesichtsschleier etwas zur Seite geschoben, und ich darf eine Hals-, Gesichts-, Ohrinspektion vornehmen. Auskultation, das Abhören der Atemgeräusche, geht allerdings nur durch die Bekleidung, meist ein dünner Sari.

Prof. Dr. Gerhard Trabert gehört zum dritten humedica-Einsatzteam, weitere ab kommenden Samstag bereits folgen. Foto: humedica/Ruth Bücker

Das Krankheitsspektrum ist das "Übliche" für eine solche Katastrophe in einem armen Land. Durchfallerkrankungen, aufgrund der Flutkatastrophe ist das Trinkwasser oft verunreinigt, infizierte Wunden, durch die Flucht vor den Wassermassen und dabei erlittene Verletzungen verursacht, Augenbindehautentzündungen, Wurmerkrankungen, Erkrankungen der Atemwege.

Viele leiden unter Magenproblemen, mit Verdacht auf eine Gastritis oder ein Magengeschwür. Hier wird es etwas schwierig, die Ursache eindeutig zu analysieren. Zum einen kann natürlich auch dies durch verunreinigtes Trinkwasser bzw. Nahrung verursacht worden sein.

Zum anderen ist eine solche Katastrophe, einhergehend mit der Angst um das eigene Überleben, dem Verlust von "Hab und Gut", dem Zuhause, eine Stresssituation, die auch solche körperlichen Auswirkungen erzeugen kann.

Und zum Dritten ist derzeit Ramadan, der Fastenmonat für alle gläubigen Muslime, das heißt zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang darf nichts getrunken und gegessen werden.

Ich kenne dies schon von meinem Einsatz in Afghanistan, der 2001 nach dem 11. September ebenfalls während des Ramadans erfolgte. Das größte Problem ist während der Fastenzeit, dass unsere Patienten, jedenfalls die älteren Kinder und Erwachsenen, auch keine Medikamente einnehmen.

Zwar erlaubt der Koran ausdrücklich, dass Kranke zur Medikamenteneinnahme den Ramadan unterbrechen dürfen, sie dürfen sogar auch essen und trinken, aber dies glaubt mir "Ungläubigem" natürlich niemand. Selbst Augentropfen und Sprays gegen Atemnot werden dann nicht angewandt. Die Standarddosierung ist demzufolge in aller Regel morgens vor Sonnenaufgang und abends nach Sonnenuntergang eine Tablette oder die Augentropfen oder die Sprays für die Atmung.

Einige Patientinnen sind schwanger, sie bekommen von uns Vitamine und Eisen verschrieben. Eine Patientin hat ihr 14 Tage altes Baby dabei, die Mutter ist etwas verunsichert bezüglich des Gesundheitszustandes ihres kleinen bezaubernden und so zerbrechlich erscheinenden Kindes.

Nachdem ich höre, dass sie ihr Kind stillt, und dies praktizieren wohl fast alle Frauen, die hier in Pakistan entbunden haben, bestärke und lobe ich sie darin und verschreibe der Mutter ebenfalls Vitamine.

Es ist schwül-warm, Fliegen überall und der Schweiß tropft und tropft und tropft. Nach 40-50 Patienten nimmt der Patientenstrom ab. Wir sind müde und auch etwas geschafft. Zurück geht es diesmal ohne Polizeieskorte.

Vorbei an den durch den Kabul- und den Jindi-River noch erkennbar überfluteten Landstrichen. Zelte, provisorisch aufgestellt, links und rechts der Hauptstraße, die nach Islamabad führt. Zeltreste auf dem Mittelstreifen der Hauptstraße, wo noch vor Tagen die Wassermassen das gesamte umliegende Land überflutet hatten und lediglich die etwas höher gelegene Straße wasserfrei war.

Zuhause angekommen, wartet ebenfalls Wasser auf uns, in Form einer wundervollen Duschmöglichkeit.

Das Helferteam

Philipp, ein Chirurg und Orthopäde aus Bonn, Irmgard eine Krankenschwester aus Tübingen, und Cindy, eine Krankenschwester aus Belgien, und ich richten jeden Tag aufs Neue unsere Arbeitsplätze ein, was glücklicherweise Hand in Hand und sehr schnell geschieht.

Untersuchung und Behandlungsfestlegung übernehmen Philipp und ich, Irmgard und Cindy verteilen die Medikamente, Salben und säubern sowie verbinden Wunden. Pakistan ist ein streng islamischer Staat, also müssen wir einen separaten Behandlungsraum für Frauen, mit einer Frau als Dolmetscherin, einrichten. Irmgard und Cindy tragen natürlich auch Kopftücher. Kein Kopftuch zu tragen, wäre eine Provokation aller Muslime.

Prof. Dr. Gerhard Traberts Tagebucheinträge sind allesamt spannende Erlebnisberichte mit interessanten thematischen Ausflügen. Bitte überzeugen Sie sich selbst.

Bitte unterstützen Sie die Arbeit von humedica in Pakistan mit einer gezielten Spende durch eine sms und dem Stichwort DOC an die 8 11 90 oder über unser Online-Formular oder auf untenstehendes Konto mit einer Spende den betroffenen Menschen in Pakistan zu helfen.
      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Pakistan
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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