Im Gespräch mit dem humedica-Landesdirektor Haiti Rene Lako: "Hoffnung in Aktion"

von RBÜ/SRI, 25.05.2010

Seit einigen Wochen bereits leitet der erfahrene Entwicklungshelfer René Lako gemeinsam mit seiner Frau Marianne die vielfältige humedica-Projektarbeit in Haiti. Der gebürtige Niederländer verriet uns im Gespräch, warum er Hoffnung hat für dieses Land und welche Herausforderungen seine Arbeit begleiten.

humedica-Landesdirektor René Lako bei der Verteilung von 2600 Shelter Kits an bedürftige Familien; die Aktion wurde durch das Auswärtige Amt der BRD finanziert. Foto: humedica

Es gibt international den berühmten Satz von „der Hoffnung, die einem Korn entspringt“. Was ist dieses Korn, das die Hoffnung nach Haiti zurück bringt?

Für mich entspringt tägliche Hoffnung dem Umstand vieler hart arbeitender Menschen hier im Land: Hilfsorganisationen, Missionen, Einzelpersonen, aber auch die Haitianer selbst geben alles für eine bessere Zukunft.

Sie wollen ihr Land entwickeln und haben die Chance in dieser schrecklichen Katastrophe erkannt. Damit könnte auch der immensen Armut, der Katastrophe vor der eigentlichen Katastrophe, ein Ende bereitet werden.

Als humedica-Landesdirektor macht mir die gute Zusammenarbeit der internationalen Helfer sehr viel Mut. Auch die Kooperation mit unterschiedlichen Regierungsstellen läuft definitiv sehr gut.

Und als Organisation mit medizinischem Fokus haben wir auch die Chance, das Leben von Einzelnen nachhaltig zu verändern: Wenn du jemals ein Opfer mit einem amputierten Bein wieder laufen siehst, kannst du Hoffnung in Aktion sehen.

Was sind die Hauptprobleme, mit denen die Menschen in Haiti derzeit konfrontiert sind?

Ja, wir leben täglich mit vielen Herausforderungen und eigentlich sind alle mit solchen konfrontiert: Die Haitianer, die geliebte Menschen verloren haben, ihr Zuhause und ihren Besitz.

"Hoffnung in Aktion": ein Fokus der humedica-Arbeit liegt momentan im Bereich Rehabilitation. Foto: Jens Großmann für humedica

Man hört immer davon, aber was es bedeutet, alles zu verlieren, kann sich keiner vorstellen. Zwar gibt es mittlerweile viele Zeltstädte, wo die Überlebenden unterkommen, aber für sie ist es wirklich hart.

Die fehlenden Zugänge zu Wasser, sanitären Anlagen, der Zugang zu den Selbstverständlichkeiten des Alltags ist bei allem Verlust und aller Trauer eine zusätzliche Bürde. Mit Blick auf die Zukunft des Landes müssen wir die wirtschaftlichen Probleme ansprechen.

Ich denke, dass Arbeitslosigkeit ein nicht gelöstes Thema ist. Das Leben in Haiti ist angesichts der Einkommensverhältnisse fast unbezahlbar.

Ja, und dann hat vor ein paar Wochen die Regenzeit begonnen und eine neue Sturmsaison steht bevor. Ich hoffe für dieses Land, dass es nicht so hart getroffen wird, wie mitunter in den vergangenen Jahren.

Siehst Du eine Chance, die Armut und Perspektivlosigkeit der Vergangenheit zu verhindern und möglicherweise auch die politischen Unsicherheiten in der Zukunft?

Ich bin Leiter eines großen Projektes einer Nichtregierungsorganisation in einem fremden Land und halte mich deswegen mit politischen Äußerungen zurück. Aber es ist allgemein bekannt, dass die größten wirtschaftspolitischen Probleme dieses Landes ihren Ursprung in Korruption haben.

Die Rückkehr zu ethischen Werten, wie Aufrichtigkeit oder auch Transparenz wären wichtige Voraussetzung für politische Stabilität.

Ich glaube, dass Haiti vor einem langen Prozess der Wiederherstellung steht, das betrifft alle Bereiche. Meine Überzeugung ist, dass auch die Kirchen des Landes bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle spielen können.

Manchmal sieht es so aus, als würde das Korn in der Erde sterben; vielleicht ist der Boden auch trocken und dürr für eine Weile, aber wenn der Regen kommt, wird Wachstum folgen. Ich hoffe und bete für eine gute Ernte in diesem Land.

Lieber René, vielen Dank für das Gespräch und Deine Arbeit in Haiti. Wir wünschen Dir und dem Team alles Gute und Gottes reichen Segen und Schutz.

Das Gespräch führte Ruth Bücker, Übersetzung aus dem Englischen durch Steffen Richter. Weitere Informationen über Rene Lako unter: www.lakomission.org

Langsam kehrt die Hoffnung nach Haiti zurück. humedica hilft mit vielfältigen Projekten. Foto: Jens Großmann für humedica

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