Haiti: humedica errichtet Prothesen- und Orthesenzentrum - „Wir möchten behinderten Menschen dienen“

von Sven Ramones, 20.12.2010

Es sind nicht nur die unzähligen zerstörten Gebäude, die in Haiti noch immer an das schwere Erdbeben vom Jahresanfang erinnern. Tausende Bebenopfer werden nach Amputationen von Armen oder Beinen den Rest ihres Lebens mit einer Behinderung verbringen. Andere bedürfen auch nach Monaten noch Unterstützung bei der Rehabilitation ihrer schweren Verletzungen.

Schätzungen zufolge gibt es in Haiti insgesamt bis zu 9.500 Menschen mit Amputationen. Zwischen 1.500 und 2.000 Haitianer verloren Gliedmaßen aufgrund der schweren Verletzungen, die sie während des Erdbebens erlitten hatten.

Leitet das Prothesen- und Orthesenprojekt von humedica in Port-au-Prince: Orthopädietechniker Wendell Endley (rechts) mit humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß. Foto: humedica

Um vielen dieser Menschen helfend zur Seite stehen zu können, hat humedica gegenwärtig mit dem Aufbau eines Prothesen- und Orthesenzentrums im Hopital Espoir in der Hauptstadt Port-au-Prince begonnen. Geleitet werden die Arbeiten von dem zuständigen Projektkoordinator Wendell Endley aus Südafrika, der Anfang dieses Jahres schon einmal in Haiti im Einsatz war.

Weitere 7.000 Menschen benötigen zur Rehabilitation orthopädische Hilfsmittel, sogenannte Orthesen. Knochenbrüche, Rückenmarks- und andere Verletzungen, die auf das Beben zurückgehen, können bei den Patienten mit Orthesen fixiert und therapiert werden.

Die massive Armut im Land und ein drastischer Mangel an ausgebildeten Prothesen- und Orthesentechnikern erschweren die Lebensbedingungen für die Menschen, die in Haiti mit körperlichen Einschränkungen leben müssen.

Darüber hinaus ist es für die meisten Patienten mit Amputationen sehr schwer, ihre neue Lebenssituation anzunehmen. Viele leiden unter den kulturellen Vorstellungen in Haiti, die eine Behinderung als Stigma ansehen.

Hilfsmittel für die körperlichen Beeinträchtigungen dieser Menschen sind knapp in Haiti. Einrichtungen im ganzen Land, die Prothesen und Orthesen herstellen konnten, wurden durch das Erdbeben weitgehend zerstört. Der Bedarf an Prothesen- und Orthesenwerkstätten ist daher enorm.

Weil aber auch über die Erdbebenopfer hinaus viele Menschen im Land insbesondere auf Orthesen angewiesen sind, soll hier der Schwerpunkt der Arbeit von humedica in dem neuen Prothesen- und Orthesenzentrum liegen. Für viele Unfallopfer oder Patienten mit angeborenen Behinderungen beispielsweise reicht die Versorgung mit Orthesen in Haiti zurzeit nicht aus.

Tausende Erdbebenopfer verbringen den Rest ihres Lebens mit einer Behinderung. humedica steht helfend an ihrer Seite. Foto: Thomas Grabka (grabka-fotografie.de)

Zusätzlich ist geplant, das humedica-Prothesen- und Orthesenzentrum in Port-au-Prince dazu zu nutzen, um einheimisches Personal zu qualifizierten Orthopädiemechanikern auszubilden. Sie sollen die Werkstätten weiterführen, nachdem der humanitäre Hilfseinsatz von humedica in Haiti endet. Auf diese Weise soll eine langfristige Versorgung von Patienten mit Prothesen und Orthesen gewährleistet werden.

Neben der Herstellung, der Reparatur und der Anpassung von Prothesen und Orthesen, sowie der Ausbildung des technischen Personals, plant humedica auch mobile Werkstätten einzurichten. Mit ihrer Hilfe kann die Betreuung auf Patienten in abgelegenen Regionen ausgeweitet werden. Gleichzeitig soll im Rahmen von Aufklärungsprogrammen das Bewusstsein und die Sensibilität der Bevölkerung gegenüber Menschen mit Behinderung erhöht werden.

Ein weiteres Ziel von humedica ist es, ein Rehabilitationsteam mit Therapeuten aus verschiedenen medizinischen Bereichen zu etablieren, die für die Nachsorge der Patienten zuständig sind. Ärzte und Therapeuten werden darüber hinaus in speziellen Seminaren auf die besonderen Bedürfnisse behinderter Menschen vorbereitet und bezüglich der technischen Möglichkeiten zur Rehabilitation ausgebildet.

Alle diese Bemühungen von humedica sollen Menschen mit Behinderungen dabei helfen, ihren allgemeinen Gesundheitszustand, sowie Möglichkeiten zur Eigenversorgung zu schaffen, somit am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen und ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Auf lange Sicht bedeutet dies eine deutliche Steigerung der Lebensqualität für die Patienten.

Unter der Leitung von Wendell Endley begleiten für humedica auch seine beiden Kollegen Danny Pelaez (Venezuela) und Maria Reyes (El Salvador) in Port-au-Prince die Arbeiten zum Aufbau des Prothesen- und Orthesenzentrums. Auch sie möchten gewährleisten, dass die gesetzten Ziele erreicht werden und Menschen mit Behinderungen in Haiti einen neuen Sinn in ihrem Leben finden können.

Hoffnung und ein besseres Leben für viele behinderte Menschen durch die Hilfe von humedica. Foto: Thomas Grabka (grabka-fotografie.de)

Der ausgebildete Orthopädietechniker Endley arbeitete vor seinem Einsatz in Port-au-Prince schon im Kosovo und Vietnam. Kurz nach dem Erdbeben Anfang des Jahres hatte er bereits bei einem ähnlichen Projekt ein komplettes Rehabilitationszentrum aus den Trümmern der Zerstörung neu aufgebaut.

In gleicher Weise möchte er für humedica das geplante Prothesen- und Orthesenzentrum im „Hopital Espoir“ errichten. „Wir möchten den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen dienen. Dabei werden wir keinen Unterschied machen zwischen Patienten, die Erdbebenopfer sind oder schon vor der Katastrophe in Haiti körperlich behindert waren.“ erklärt uns Wendell Endley.

Kurz vor seiner Abreise nach Port-au-Prince fragten wir Wendell nach seinen persönlichen Erwartungen für das Projekt: „Ich wünsche mir, dass wir unseren Auftrag erfüllen und unsere gesetzten Ziele erreichen. Ich hoffe, im Namen von humedica etwas zu hinterlassen, das Bestand hat. Etwas, das nützlich, nachhaltig und hilfreich ist für das haitianische Volk.“

Liebe Freunde und Förderer von humedica. Für viele behinderte Menschen in Haiti bedeuten Arm- oder Beinprothesen ein besseres Leben. Orthesen helfen den Patienten dabei ihre oftmals schweren Verletzungen zu heilen und wieder ohne körperliche Beeinträchtigungen leben zu können. Bitte unterstützen Sie unser Prothesen- und Orthesenprojekt in Haiti mit einer Spende auf untenstehendes Konto:

      humedica e.V.
      Stichwort "Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und einfach ist auch die Möglichkeit der Unterstützung durch das Senden einer sms: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5,- Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Katastrophenhilfe. Gerne können Sie uns auch über unser Online-Formular mit einer Spende unterstützen.

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