Erfreuliche Nachrichten in turbulenten Zeiten

von Dr. Irmgard Harms/RBU, 25.11.2010

Cholera, Unruhen und Demonstrationen: das sind momentan die prägenden Begriffe, wenn es um die Lage in Haiti geht. Gemeinsam mit einem medizinischen Team behandelt Dr. Irmgard Harms im Norden Haitis an Cholera Erkrankte, die ihre Hilfe dringend benötigen. Neben den dominierenden Schreckensmeldungen macht uns Dr. Harms hingegen mit erfreulichen Nachrichten Hoffnung.

Bereits zum dritten Mal ist Dr. Irmgard Harms (rechts im Bild) in diesem Jahr in Haiti. Ihre Motivation: für hilfsbedürftige Menschen da zu sein. Foto: humedica/Ruth Bücker

„Wir haben hart gearbeitet in den vergangenen Wochen, und tun dies auch jetzt noch. Aber offensichtlich lohnt es sich und ich habe eine erfreuliche Nachricht: die Patientenzahlen in unserer Klinik in Drouin gehen zurück!

Anstelle der bis zu 200 Cholerapatienten an einem Tag, die zu Beginn meines ersten Aufenthaltes im Oktober krank und geschwächt unsere medizinische Versorgung in Anspruch nehmen mussten, beläuft sich die Zahl der stationären Aufnahmen zwischenzeitlich auf etwa 80 an Cholera erkrankte Personen – in einer Woche!

Zu diesen stationären Patienten kommen zwar noch etwa 240 weniger schwer Erkrankte hinzu, bei denen eine ambulante Behandlung glücklicherweise ausreicht, aber diese im Ganzen dennoch vergleichsweise niedrigen Zahlen machen mich richtig glücklich. Ganz besonders erfreulich ist auch, dass die prozentuale Sterblichkeitsrate relativ niedrig ist.

Diese enorme Verbesserung in der Region, in der das humedica-Team für die Behandlung der an Cholera Erkrankten zuständig ist, ist sicherlich auf die gute Aufklärung, eine adäquate medizinische Versorgung und auf die gut funktionierende Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zurückzuführen.

Auch wenn mir und den restlichen Team-Mitgliedern die Genesung der Patienten natürlich am meisten bedeutet und am stärksten motiviert, ist es doch auch immer wieder schön, in offiziellen Treffen Lob für die gute Arbeit zu erhalten und von der Bevölkerung in unserem Einsatzgebiet volle Akzeptanz und Dankbarkeit zugesprochen zu bekommen.

Unterernährt und völlig dehydriert wurde der zwei Monate alte Bengi in die humedica-Klinik nach Drouin gebracht. Foto: humedica/Irmgard Harms

Und immer wieder gibt es für uns diese besonders rührenden Momente, wie beispielsweise mit dem kleinen Bengi. Der zwei Monate alte Säugling wurde ausgetrocknet, unternährt und an Cholera erkrankt zur humedica-Klinik gebracht.

Seine Mutter konnte ihn seit 14 Tagen nicht stillen, da ihr Körper wegen der Entkräftung keine Milch mehr produzierte. Als Bengi eingeliefert wurde, wog er schätzungsweise weniger als 3000 Gramm – das exakte Gewicht kann ich nicht sagen, da wir hier keine Waage für solch geringe Gewichte zur Verfügung haben.

Aufgrund seines Zustands hatten wir zunächst kaum Hoffnung, dass er am Leben bleiben würde. Wir gaben Bengi Infusionen und Salz-Zucker-Lösungen gegen die akute Austrocknung und Medikamente gegen Cholera. Nach langer Suche konnte das humedica-Team zusätzlich Säuglingsmilch auftreiben, die wir dem kleinen Baby verabreichten.

Bereits zwei Tage später war Bengi nicht mehr wiederzuerkennen, es war wie ein Wunder wie gut es ihm ging. Die Mutter wirkte beinahe erschrocken, weil sie die Entwicklung und Genesung ihres Sohnes nicht richtig begreifen konnte und das nun fast normal aussehende Kind für krank hielt. Als sie gemeinsam mit ihrem Kleinen schließlich die Klinik verlassen konnte, lachte sie aber bereits wieder.

Am kommenden Wochenende wird in Haiti ein neuer Präsident gewählt, was unsere Arbeitsmöglichkeiten leider etwas einschränkt. Von Demonstrationen oder Ausschreitungen sind wir bisher glücklicherweise nicht betroffen gewesen, allerdings werden wir am Wochenende aus Sicherheitsgründen möglichst wenig auf den Straßen unterwegs sein.

Der kleine Bengi nach nur zwei Tagen in den Händen der humedica-Ärzte. Foto: humedica/Irmgard Harms

Lediglich ein einziges Mal mussten wir auf dem Weg zu unserer Klinik durch eine kleinere Demonstration hindurch fahren. Es war eine merkwürdige Situation, aber gefährdet gefühlt haben wir uns zu keinem Zeitpunkt. Hinzu kam, dass die Kundgebung in der Nähe unseres Krankenhauses stattfand, und wir uns dort durch die große Akzeptanz der Einheimischen zusätzlich sicher fühlen.

Ich bin froh, nach dem kurzen Aufenthalt in Deutschland wieder zurück in Haiti sein zu dürfen und gemeinsam mit dem Team den Menschen hier zu helfen. Wie wichtig unsere Hilfe ist, merken wir jeden Tag und es wird uns dafür gedankt. Und ich danke Ihnen in Deutschland für Ihre Unterstützung.“

Bitte unterstützen Sie die Arbeit unserer medizinischen Teams in Haiti auch weiterhin. Zwar ist der Bericht von Dr. Harms positiv und lässt Gutes hoffen, ein erneuter Anstieg der Krankheitsfälle ist aber leider dennoch nicht auszuschließen.

Daher werden bis Weihnachten weitere Einsatzkräfte von humedica nach Haiti entsendet, um den Menschen medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Helfen Sie uns bitte bei diesen Bemühungen.

      humedica e.V.
      Stichwort „Cholera Haiti
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Hier können Sie auch online für die Menschen in Haiti spenden oder unsere Hilfsbemühungen durch das Senden einer sms unterstützen: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5,- Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Katastrophenhilfe.

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