Ein stummer Schrei nach Hilfe

von Judith Kühl, 24.08.2010

Ein kleines Mädchen sitzt im Dreck, mitten zwischen einfachen Zelten, Vieh und Müll. Überall juckt es. So sehr, dass die Finger zum kratzen nicht mehr reichen. Es juckt ganz schrecklich, an den Beinen, an den Armen und im Gesicht. Die Kleine überlegt, wie sie sich helfen kann. Ein stummer Schrei nach Hilfe.

Das im Text angesprochene Mädchen behilft sich mit einem schmutzigen Stein gegen den schrecklichen Juckreiz. Foto: humedica/Judith Kühl

Sie nimmt einen kleinen Stein vom Boden und kratzt damit ihre dünne Haut. Wenn das Mädchen so die Haut aufkratzt, ist eine entzündete Wunde bereits vorhersehbar. Was wird sie dann tun, um den Schmerz zu lindern? Hoffentlich kein verdrecktes Wasser aus einer Pfütze, um die Wunde zu reinigen.

Einige Meter weiter in einem Zelt sitzt ein Junge. Ich kann die Fliegen kaum zählen, die in seinem Mund, auf seinem Gesicht und dem schlammigen Laken, das sein Bett ist, krabbeln. Es juckt ganz entsetzlich.

Er verscheucht die Fliegen nicht, als ob er ahne, dass er sie nicht verscheuchen kann. Der Junge muss gewaschen werden, vor allem im Gesicht, damit die Fliegen nicht in seinen Mund krabbeln.

Solche Bilder gehen mir nahe. Die Diagnose unserer Ärzte ist einfach: „Itching“ (Juckreiz). Die Ursache eindeutig: mangelnde Hygiene durch zu wenig sauberes Wasser. Die Behandlung ist leicht: Salben, die das Jucken wegnehmen und aufgekratzte Haut säubern.

Bereits infizierte Wunden werden gereinigt und verbunden. Die Hilfe geht schnell und ist gleichzeitig so wichtig. Gerade die verdreckten und entzündeten Wunden sind Auslöser schwerer Infektionen, wenn Bakterien über die offenen Stellen am Körper nach innen gelangen.

Da das Immunsystem der meisten Menschen hier geschwächt ist, die Gefahr sehr groß, dass die Bakterien sich im Körper ausbreiten.

Beinahe jeder der täglich über 220 behandelten Patienten klagt über Jucken. Fast jeden Abend bitten unsere Apotheker um Nachschub der Salben gegen den Juckreiz. Am nächsten Morgen wartet die nächste Schlange von Patienten auf Linderung der Schmerzen.

Erst gestern habe ich einen Jungen mit Eiterflechten und Blasen im Gesicht gesehen. Durch sein rechtes Auge konnte er kaum mehr sehen, weil es zugeschwollen ist. Die Reihe der Kinder und Erwachsenen mit der Diagnose „Itching“ ist lang.

Liebe Freunde und Förderer unserer Arbeit: Es schmerzt, diese Berichte und Bilder zu veröffentlichen, aber sie spiegeln die aktuelle Situation in Pakistan. Vor allem die Kinder brauchen dringend auch weiterhin unseren Beistand: Bitte unterstützen Sie Hilfe unserer ehrenamtlichen Teams im Land mit einer gezielten Spende.

Schicken Sie eine sms an die 8 11 90 mit dem Stichwort DOC und unterstützen uns mit 5 Euro, von denen 4,83 Euro in die Projektarbeit fließen. Spenden Sie über unser Onlineformular für die Flutopfer in Pakistan oder wählen die traditionelle Form der Überweisung auf folgendes Konto:
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      Stichwort „Fluthilfe Pakistan
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Vielen herzlichen Dank!

Die Kinder brauchen vor allem unsere Hilfe; mit jedem Tag wird ihre Not größer. Foto: humedica/Judith Kühl

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