"Die tief eingefallenen Augen strahlen"

von Judith Kühl, 23.08.2010

Zwei Warteschlangen von Männern und Frauen. Kinder stehen bei Papa oder Mama mit an. Dichtes Gedränge, lautes Unterhalten beim Warten, das Schreien eines kranken Babys, die Luft steht. Die Sonne knallt bei über 40 Grad.

Unsere Hilfe kommt an: Zum Beispiel bei Zava... Foto: humedica/Judith Kühl

In stickigen Räumen behandeln unsere Ärzte seit zwei Tagen über 400 Patienten. Neugierige Kinder rennen auf dem Hof vor dem Gebäude umher, in dem wir unsere mobile Klinik aufgebaut haben. Vor der Apotheke bildet sich eine dritte Warteschlage. Unser Pflegepersonal gibt umsonst die von den Ärzten verschriebenen Medikamente aus.

Eine Frau tippt mich von hinten an. Als ich mich umdrehe, blicke ich überrascht in die Augen einer älteren Frau. Verwundert deshalb, weil ich die Frau gesehen hatte, ohne sie wirklich zu sehen. Sie trägt eine Burka.

Nur durch ein Gitter sah sie bis gerade verhüllt unter einem langen Tuch, das von Kopf bis Knöchel fällt, auf das Geschehen um sie herum. Jetzt sehe ich ihre Augen. Sie hat die Burka hochgenommen. Gerade noch wirkte sie fremd, durch die Burka völlig unerkannt.

Jetzt kenne ich ihren Namen. Mit einem breiten Grinsen lächelt Zava. Zwei Zähne fehlen vorne in der Mitte. Trotzdem es ist ein schönes Lächeln. Die tief eingefallenen Augen strahlen. In ihrer Hand hält sie die Medikamente, die sie von uns bekommen hat.

Sie hat Schmerzen, doch im Augenblick ist Zava glücklich. Sie reicht mir die Hand, wedelt mit den Tabletten in ihrer Hand und spricht immer wieder die gleichen Worte in pashtu. Ihre Worte verstehe ich, sie meine auch nicht. Doch ihre Dankbarkeit für die Hilfe, die sie bekam, spüre ich auch ohne Sprache.

Wenig später kommt ein Mädchen und fragt, wie ich heiße. Als ich sie nach ihrem Namen frage, kommen ihre drei Geschwister dazu, sowie die Mutter der Kinder. Auch Farzana, die Mutter hat Medikamente in der Hand.

...oder auch Ayesha und hunderten weiterer Kinder. Foto: humedica/Judith Kühl

Ihr Haus ist voll Schlamm. Seit Tagen säubert sie die Räume, wäscht Möbel ab und sorgt für insgesamt sechs Kinder.

Sie zeigt mir ihre Hände, die deutliche Spuren von der harten Arbeit der letzten Tage zeigen. Ihre Gesundheit ist nicht stabil. Der jüngste Sohn schaut an Farzanas Hand ängstlich zu ihr hoch, als ob er sich mit seinen vier Jahren um seine Mama sorge. Ayesha (11) und Aiman (10), ihre beiden Töchter, grinsen mich an.

Wenn es Mama gut geht, geht es auch ihnen gut. Plötzlich zieht Ayesha unter ihrem Schleier einige Münzen hervor. Sie sind für mich, damit ich mir bei der Hitze etwas zu trinken kaufen kann, sagt sie. Gerührt nehme ich Ayesha kurz in den Arm. Ich sage ihr, dass es mir gut geht und ich nichts brauche.

Sie soll das Geld behalten. Kurze Zeit später geht die Familie nach Hause. Wir verabschieden uns. 20 Minuten später kommt Ayesha noch mal zu mir. Unter ihrem Schleier hat sie eine eiskalte Colaflasche für mich.

Ich bin erstaunt über die Großzügigkeit einer Familie, die durch die Flut fast alles verloren hat. Dann kommt Aiman angerannt. Sie drückt mir eine Packung Kekse in die Hand, grinst und läuft schnell wieder die Straße hinunter nach Hause. Jetzt bin ich sprachlos.

Liebe Spender, oft werde ich in diesen Tagen von deutschen Journalisten gefragt, ob die Hilfe tatsächlich bei den Flutopfern ankommt. Jeden Tag darf ich es neu erleben: Ja, Ihre Spende kommt an! Menschen bekommen die dringend benötigte Hilfe. Und sie zeigen uns ihren Dank mit allem, was ihnen von Herzen einfällt.

Ich sende Ihnen aus Pakistan die herzlichsten Grüße von unserem Team, das den Flutopfern Tag für Tag mit großem Einsatz zur Seite steht. Haben Sie vielen Dank, dass wir diese Hilfe leisten können.

Liebe Freunde und Förderer unserer Arbeit: Judith Kühl hat bereits geschrieben, was uns auf dem Herzen liegt: Ja, Ihre Unterstützung kommt bei den Flutopfern an. Und diese Menschen in Not brauchen weiterhin unseren Beistand: Bitte unterstützen Sie unsere wertvolle Arbeit in Pakistan auch weiterhin mit einer gezielten Spende.

Schicken Sie eine sms an die 8 11 90 mit dem Stichwort DOC und unterstützen uns mit 5 Euro, von denen 4,83 Euro in die Projektarbeit fließen. Spenden Sie über unser Onlineformular für die Flutopfer in Pakistan oder wählen die traditionelle Form der Überweisung auf folgendes Konto:
      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Pakistan
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Vielen herzlichen Dank!

Judith Kühl ist seit zwei Wochen im Katastrophengebiet und unterstützt die Arbeit unserer Helfer. Foto: humedica/Simon Gelzenleuchter

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×