Sukkur ist schlimm

von Ruth Bücker, 14.09.2010

Bereits den zweiten Tag arbeitet das neue humedica-Team in der Stadt Sukkur, die 700.000 Einwohner fasst und in der Provinz Sindh im Süden Pakistans liegt. Schätzungsweise 300.000 der Menschen hier sind von den Überschwemmungen direkt betroffen. Bereits das Zusammentreffen mit ein einigen Wenigen von ihnen hat mich tief getroffen und erschüttert.

Heftiger Juckreiz plagt alle Campbewohner. Die aufgekratzten Wunden entzünden sich. Foto: humedica/Ruth Bücker

In einem der Camps, das unser medizinisches Team besuchte, herrschten die schlimmsten Lebensbedingungen und Umstände, die ich in den vergangenen anderthalb Wochen hier erlebt – und die ich überhaupt jemals angetroffen habe. Die Luft steht, wirkt richtig drückend und die Hitze ist unerträglich. Ich habe das Gefühl, mehr zu schwitzen als ich trinken kann. Im Gegensatz zu den dort lebenden Menschen habe ich wenigstens Trinkwasser.

Reste der Überschwemmungen sind noch zu sehen und haben sich in algenversetzte, dunkelgrün und schwarz gefärbte Tümpel verwandelt, die, versetzt mit Abfall und Fäkalien, fürchterlich stinken. An manchen Stellen riecht es so stark, dass ich nicht mehr durch die Nase atmen kann. Und hinzu kommen all die penetranten Fliegen, deren Anzahl unter diesen Bedingungen ins Unermessliche gestiegen ist.

Sie fliegen mir direkt in die Augen, setzen sich in mein verschwitztes Gesicht und krabbeln auf Lippen und Nase herum. Ich möchte mir gar nicht überlegen, wo diese Insekten bereits vorher überall saßen. Solche Gedanken kommen mir aber erst nach der Rückkehr am Abend. Während ich all die Menschen mit ihrem Leid sehe, kann ich an gar nichts wirklich denken.

„Es war echt schlimm“, berichtet auch die Krankenschwester Carolin Müller nach dem Arbeiten. „Die Menschen sind schwach und krank, sie leiden Hunger und trotz der bisherigen Hilfe scheint es vorne und hinten nicht zu reichen. Es sind zu viele Menschen hier auf diesem Fleck, die dringend Hilfe brauchen.“

500 Familien leben notdürftig in diesem Camp, und als ich mit der Kamera an den Unterkünften entlang laufe, vorbei an den aus Stroh gebauten Schlafliegen, umherscharrenden Hühnern und träge in der Sonne liegenden Eseln und Ziegen, begrüßen mich die Familien freundlich, schütteln mir die Hand und beginnen, mit mir zu reden.

Leben wie auf einer Müllhalde. Das Camp ist ein einziger Krankheitsherd. Foto: humedica/Ruth Bücker

Ich verstehe sie nicht, aber sie zeigen mir, wo sie Schmerzen haben und dass sie Essen benötigen. Ich kann sie lediglich zu unseren Ärzten begleiten, mehr liegt nicht in meiner Macht, was mich sehr beschäftigt.

Und für die Kinder scheint meine Kamera ein Leben zu bedeuten. Sie folgen mir auf Schritt und Tritt, rennen vor die Linse, sobald ich die Kamera auf etwas richte und ich habe das Gefühl, sie erhoffen sich von den geschossenen Fotos viel mehr, als ich Ihnen bieten kann.

Ich bin froh und dankbar, dass das humedica-Team gemeinsam mit Mitarbeitern des Riverside Slum Children Projects den Menschen in diesem Camp hilft. Mit einer mobilen Klinik werden Medikamente in das Lager befördert, Ärzte untersuchen die Notleidenden und die Opfer der Flut bemerken, dass sie nicht alleine sind, sondern sich jemand um sie kümmert.

Vielen Dank, liebe Freunde und Förderer, dass sie unsere Hilfe bis hierher möglich gemacht haben. Bitte sorgen Sie sich auch weiterhin gemeinsam mit uns um die Kinder, Frauen und Männer in Pakistan, die aufgrund der Flutkatastrophe unter solch wahrlich unmenschlichen Bedingungen leben müssen.

Schicken Sie eine sms mit dem Stichwort DOC an die 8 11 90, spenden über unser Online-Formular oder überweisen Sie einen Betrag, der Ihnen für diese Menschen angemessen erscheint, auf untenstehendes Konto. Ihre Hilfe kommt an.

Viele Patienten in Sukkur warten noch auf medizinische Versorgung. Foto: humedica/Ruth Bücker

      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Pakistan“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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