Gedanken aus Pakistan: Hilfe aus einem unbekannten Land

von Judith Kühl, 15.08.2010

humedica-Koordinatorin Judith Kühl in landestypischer Verschleierung. Foto: humedica/Simon Gelzenleuchter

Wie bereits Anfang des Jahres in Haiti, koordiniert Judith Kühl auch aktuell die Berichterstattung nach Deutschland, steht für Interviews zur Verfügung, schreibt selbst Berichte und möchte informieren, zum Nachdenken anregen und die Bevölkerung in Deutschland auf Notstände aufmerksam machen. Der Unterschied: momentan befindet Judith sich nicht in dem Karibikstaat, sondern in Pakistan. In der Reihe „Gedanken aus Pakistan“ können sie lesen, was unsere junge Mitarbeiterin erlebt und bewegt.

"Danke, dass ihr hier seid"

Sie tippt mir leicht auf die Schulter. Als ich mich umdrehe, blickt mir eine junge Pakistanerin in die Augen. Schweigend zieht sie ein Stück Papier unter ihrem Schleier hervor. Es ist ein Zettel von unseren Ärzten auf dem steht, welche Medikamente sie braucht.

Als ich ihr zeige, wo unser Apotheker sitzt, deutet sie mir, dass sie bereits bei ihm war. Schüchtern, aber doch entschlossen sieht sie mich an. Dabei redet sie leise vor sich hin, senkt den Blick kurz und schüttelt mir plötzlich die Hand. „Ich wollte nur Danke sagen, weil ihr hier seid“, sagt sie langsam.

Die Pakistanerin Ranagan hatte bereits vor der Flut kein leichtes Leben, aber die Flut entriss ihr jede weitere Zukunft. Foto: humedica/Judith Kühl

Peinlich berührt fährt sie fort: „Ich wollte, ich könnte Euch etwas Gutes tun, aber ich habe nichts mehr. Durch die Flut habe ich alles verloren. Mein Haus, alles Essen, meine Kleidung.“

Sie erzählt mir, dass sie vor der Flut bereits so arm war, dass kein Mann in ihrem Dorf sie heiraten wollte. Weil sie keine Familie hat, weiß sie sich jetzt nicht zu helfen. Sie ist allein und schutzlos. Ihr letztes Hab und Gut hat die Flut weggespült.

Raganan ist 25 Jahre alt, doch ihr Auftreten wirkt älter. Ihre traurigen Augen lassen erahnen, wie viel Leid sie in ihrem kurzen Leben schon erfahren hat. Die Flut vor knapp zwei Wochen verschlimmerte ihre Situation dramatisch. Wo soll sie jetzt hin? Wer hilft ihr?

Erste Zuflucht hat sie auf dem Schulgelände gefunden, auf dem unsere mobile humedica-Klinik steht. Flutopfer übernachten in dreckigen und modrigen Klassenräumen. Für Ranagan ist das der einzige Ort in der Umgebung, an dem sie Hilfe erfährt.

Dankbar schüttelt sie mir erneut die Hand und folgt mir unauffällig. Wie ein Schatten begleitet sie mich den ganzen Tag. Unser Dolmetscher meint mitfühlend: „Sie klammert an dir, weil sie niemand anderen hat.“

Wir als Team konnten ihr medizinisch helfen. Doch Ranagan nahm nicht nur Medikamente mit. Ein Gefühl der Hoffnung machte sich zunehmend auf ihrem Gesicht breit. Ein Gefühl, nicht allein zu sein, weil Menschen kommen, um zu helfen. Sogar aus einem Land, von dem sie noch nie gehört hat. "

Liebe Freunde von humedica. Bitte unterstützen Sie die Arbeit unserer medizinischen Teams in Pakistan auch weiterhin. Die Katastrophe hat eine Größenordnung, der wir ohne Ihre finanzielle Unterstützung nur schwer gerecht werden können.

Schicken Sie eine sms an die 8 11 90 mit dem Stichwort DOC und unterstützen uns mit 5 Euro, von denen 4,83 Euro in die Projektarbeit fließen. Spenden Sie über unser Onlineformular für die Flutopfer in Pakistan oder wählen die traditionelle Form der Überweisung auf folgendes Konto:
      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Pakistan
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Viele der Flutopfer mögen nicht wissen, wo Deutschland liegt. Aber die Hilfe aus der Fremde schenkt ihnen Hoffnung. Foto: humedica/Judith Kühl

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