Leben zwischen den Toten

von Ruth Bücker, 09.09.2010

Es klingt makaber, aber heute sind wir in einem mit Medikamenten und Behandlungsmaterialien voll beladenen Jeep nach Charsadda auf einen Friedhof gefahren, um dort hausende Menschen zu behandeln. Durch die Überschwemmungen haben sie ihr Zuhause verloren und versuchen nun das Möglichste, auf den weiten Flächen des größten Friedhofs Asiens, ihr Leben bestmöglich weiterzuleben.

Für diese Menschen bedeutet das humedica-Team oft der einzige Zugang zu medizinischer Hilfe. Foto: humedica/Ruth Bücker

Zwischen Grabsteinen, mit Steinen verzierten Grabhügeln und ausgehobenen Gräbern finden sich auf der unendlich scheinenden Fläche des Friedhofs verstreut einzelne kleine Zeltdörfer. Im Unterschied zu von Organisationen errichteten Flüchtlingscamps, in denen sich lokale wie internationale Helfer um die Flutopfer sorgen, sind die Menschen hier auf dem Friedhof auf sich selber gestellt.

Dreck in den Wunden und die schwüle und feuchte Luft haben während der vergangenen Tage zunehmend dazu geführt, dass sich mit Eiter gefüllte Beulen gebildet haben, die zum Teil bis zu der Größe eines Tennisballes anwuchsen und es schließlich unumgänglich wurde, die Beule aufzuschneiden.

Mehrmals in der Woche fährt unser Team diesen Ort an, um die Leiden der Menschen hier zu mildern. Die medizinischen Helfer wechseln Verbände, reinigen stets aufs Neue verschmutzte Wunden von Staub und Dreck, untersuchen juckende Hautstellen, hören die Lunge ab und kümmern sich um schwerst eiternde Abszesse, die seit wenigen Tagen vermehrt das Krankheitsbild prägen.

Während der Vater seinen Kopf abwandte, setzte Cindy einen Schnitt in den Abszess, um Eiter und Dreck aus der Wunde entfernen zu können. Man sah ihr an, dass es ihr bei dem Weinen des Mädchens ebenfalls nicht leicht fiel, aber ohne diese Maßnahme könnte es zu einer Blutvergiftung kommen, die schlimmstenfalls tödlich enden kann.

Skurriles Szenaria: Leben zwischen den Toten. Foto: humedica/Ruth Bücker

Diese schmerzvolle Behandlung musste leider auch die kleine Saman über sich ergehen lassen. Eine Tortur, die lebensrettend sein kann, aber sowohl für das kleine Mädchen als auch für den neben ihr sitzenden Vater qualvolle Minuten darstellten. Als einer unserer Übersetzer und Helfer die Zweijährige auf den Arm nahm, begann sie bereits fürchterlich zu schreien.

Der Vater von Saman ist ebenfalls ein Patient des humedica-Teams. Aufgrund einer Verletzung an seinem Finger, die er sich bei dem Versuch, den Wassermassen zu entkommen, zuzog, war ein Teil seines Fingers bereits abgestorben, als er die mobile Klinik aufsuchte. Inzwischen kommt er regelmäßig zur Kontrolle.

Saman und ihr Vater sind „nur“ zwei der über 200 Patienten, die das humedica-Team dank Ihrer Unterstützung jeden einzelnen Tag behandeln kann. 200 Menschen, denen Ihre Spende zu Gute kommen. Helfen Sie uns bitte dabei, den Strom der Hilfe nicht abreißen zu lassen.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung.

Ihre Ruth

Ich bitte Sie, uns weiterhin mit einer sms und dem Stichwort DOC an die 8 11 90 zu unterstützen, und über unser Online-Formular oder auf untenstehendes Konto mit einer Spende den betroffenen Menschen in Pakistan zu helfen.
      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Pakistan
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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