"Es geht mir sehr zu Herzen"

von Dr. Petra Kranz-Ries, 02.10.2010

Dr. Petra Kranz-Ries, engagierte Ärztin des fünften Einsatzteams in Pakistan berichtet von ihren persönlichen Eindrücken im Katastrophengebiet rund um Sukkur.

Für Dr. Petra Kranz-Ries ist die Hilfe in Pakistan der erste humanitäre Einsatz. Foto: humedica/SRI

Vor 6 Tagen sind wir hier in Sukkur im Süden Pakistans angekommen. Dies ist mein erster humanitärer Einsatz, und ich war sehr gespannt darauf, was mich hier erwartet. Schon bei der Fahrt vom Flughafen in Sukkur zu unserer Unterkunft sind wir an Flutopfer-Camps orbeigekommen, die sich an der Straße entlang gereiht haben.

Sukkur liegt etwas höher als das Umland, deshalb haben sich viele Menschen hierher geflüchtet. Teilweise haben die Menschen noch nicht einmal ein Zelt über dem Kopf, sondern schlafen auf dem blanken Boden oder auf hölzernen Lagerstätten.

Die kleinen Kinder sind manchmal komplett nackt, die größeren springen in schmutzigen Hemdchen herum. Als wir zum ersten Mal ein Lager besuchen, muß ich mit den Tränen kämpfen wegen der Verhältnisse, die ich antreffe. Zwischen den Überdachungen, die man noch nicht einmal als Hütten bezeichnen kann, befinden sich mehrere große Tümpel, mit Brackwasser und Müll angefüllt.

Viele Kinder springen umher, schmutzig und unterernährt. Wir richten dann unsere „Praxis“ ein: Unter einem Unterstand werden Campingtische und -stühle aufgestellt, unsere Kisten mit Medikamenten und Verbandsstoffen daneben platziert. Eine Lagerstätte zur Behandlung und Untersuchung der Kinder wird aufgestellt und mit Decken in einer Ecke eine provisorische Untersuchungskabine aufgebaut.

Ein mitgebrachter Generator versorgt uns mit Strom, da wir bis in die Dunkelheit hinein arbeiten und elektrisches Licht benötigen. Unser Team besteht aus einer Medizinstudentin, die auch ausgebildete Kinderkrankenschwester ist, einer zweiten Medizinstudentin, die ausgebildete Rettungsassistentin ist, einem belgischen Allgemeinarzt, unserem Koordinator und pakistanischen Pflegern und Schwestern.

Die einheimischen Mitarbeiter kommen von einem Projekt, in dem Slumkinder betreut werden und das von der Kindernothilfe e. V. (Duisburg) in Deutschland unterstützt wird. Unsere pakistanischen Helfer sind auch unsere Übersetzer, da die Patienten hier kein Englisch sprechen.

Dr. Petra Kranz-Ries (links, gelbe Burka) und Krankenschwester Saskia Hankel während einer Behandlung direkt am Fluss. Foto: humedica/Simon Gelzenleuchter

Ich selbst bin Ärztin für Orthopädie. Hier muß ich aber alle medizinischen Disziplinen abdecken wie Innere Medizin, Hals-Nasen-Ohren,
Augenheilkunde, Haut, Frauenheilkunde, Kinderheilkunde. Wir haben viele Kinder und alte Menschen als Patienten. Die Kinder sind oft in einem jämmerlichen Zustand, total unterernährt, schwach, ausgetrocknet und mit Hauterkrankungen bedeckt.

Jeden Tag treffen wir ähnliche Umstände an. Dies Alles geht einem sehr zu Herzen. Ich denke, es relativiert so manche Sorgen, die wir wegen Nichtigkeiten zuhause in Deutschland haben. Ich danke Gott, daß ich hier sein und helfen kann und hoffe, daß unsere Hilfe nicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Dies wird bestimmt nicht mein letzter Ensatz gewesen sein.

Auch die alten Menschen sind oft sehr mager. Eine häufige Klage, die wir hören, wenn wir nach den Beschwerden fragen, ist allgemeine Schwäche und Durchfall. Man muß sich die katastrophalen Umstände vorstellen, unter denen die Menschen leben hier ohne regelmäßiges Essen, oft ohne sauberes Trinkwasser, keine Toiletten oder gar Möglichkeiten, sich richtig zu waschen, mitten im Müll.

Liebe Grüße an Alle, die uns und diesen Einsatz unterstützen,
Dr. Petra Kranz-Ries

Bitte helfen Sie uns weiterhin bei der medizinischen Versorgung der Flutopfer in Pakistan, die zunehmend auch die Behandlung unterernährter Kinder umfasst. Senden Sie dafür eine sms mit dem Stichwort DOC an die 8 11 90, spenden über unser Online-Formular für die pakistanische Bevölkerung oder auf dem traditionellen Weg der Banküberweisung:

      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Pakistan
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Vielen Dank.

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