„Wir möchten diesen großartigen Menschen Hoffnung und Sinn in ihr Leben zurückbringen“

von Marianne Lako/SRA, 22.09.2010

Marianne Lako arbeitet für humedica im Familienpatenschaftsprogramm in Haiti. Mit ihrem Bericht möchte sie alle Freunde und Förderer von humedica dazu einladen aus erster Hand zu erfahren, was es bedeutet, in Haiti zu leben und zu arbeiten und den Familien im Patenschaftsprogramm die Hand zu reichen.

„Seit März arbeiten wir mit unserem lokalen Partner des „Hospital Espoir“ (Krankenhaus der Hoffnung), um Familien die Möglichkeit zu geben, sich für das Patenschaftsprogramm zu bewerben. Ohne die harte Arbeit des Sozialarbeiters der Klinik und meines Assistenten und Übersetzers, hätte ich diese Aufgabe nicht bewältigen können.

Mein Ehemann Rene und ich mussten, wie die Menschen hier, anfangs einige Monate selbst in einem Zelt leben. Deshalb fiel es mir leichter, nachzuvollziehen, welches Schicksal die Menschen, denen wir helfen wollen, hier erfahren. Unsere Aufgabe klingt zuerst sehr einfach – man muss die Familien aufnehmen, sie zur Teilnahme an einem persönlichen Gespräch bewegen, ein Foto machen und es kann losgehen. Ist man aber in Haiti, funktioniert es nicht so einfach.

Da sie ihr Zuhause und darüber hinaus so vieles mehr verloren haben, werden die meisten Familien in Zeltstädte oder auf offene Felder umgesiedelt. Für einige, die zu einem Gespräch kommen sollen, bedeutet das mitunter,eine umständliche Anreise. Vier bis fünfmal müssen sie umsteigen auf dem Tap Tap, dem öffentlichen Verkehrsmittel vor Ort.

Viele Familien in Haiti sind dringend auf die Unterstützung des humedica-Familienpatenschaftenprogramms angewiesen. Foto: humedica

Im Moment haben sich 81 Familien für Patenschaften eingetragen. Das bedeutet, dass 398 Menschen das Programm zugute kommt. Viele stehen noch auf der Warteliste und warten auf Paten.

Einige Planung und Organisation verlangt unsere monatliche Lebensmittelverteilung für die Familien, die am Patenschaftsprogramm teilhaben. Da ein Großteil der Infrastruktur in Port-au-Prince noch immer nicht vollkommen wiederhergestellt werden konnte, stellt es schon eine Herausforderung dar, einen Großhändler für die benötigten Grundnahrungsmittel zu finden.

Zwei Wochen bevor wir uns mit den Familien treffen, sehen wir unsere Empfängerliste durch, um zu klären, wie viele Menschen in diesem Monat an dem Programm teilnehmen. Je nachdem, wie groß die Familien sind, planen wir den Inhalt und die Kosten der Lebensmittelpakete, um schließlich bei einem der Großhändler, mit denen wir zusammenarbeiten, unsere Bestellung aufgeben zu können.

Die Lebensmittelpakete, die von humedica verteilt werden, helfen bei der Grundversorgung. Foto: humedica

Eine Woche vorher geben wir den Familien Bescheid, wann und wo die Verteilung stattfinden wird. Wir stellen sicher, dass sie am angegebenen Tag auch kommen können. Aufgrund der vielen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben und in Zelten leben müssen, wäre es nicht sicher für uns, in eine der Zeltstädte zu fahren und Lebensmittel zu verteilen. Deshalb sind wir froh, dass es uns gelungen ist, in der Region um La Plaine zwei abgesicherte Gebiete einzurichten.

Neben La Plaine kommen Familien an zwei Tagen im Monat auch zu Verteilungen ins „Hospital Espoir“. Da die Zahl der Menschen, die durch eine Patenschaft unterstützt werden, zunimmt, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir die Verteilungen bald fünfmal im Monat durchführen werden.

Einige von ihnen hatten etwas mehr Glück. Ihre Häuser sind „nur“ beschädigt und nicht vollständig eingestürzt. Diese Menschen sind in ihre Häuser zurückgekehrt und haben notdürftig Zelte in ihren Gärten errichtet. Wenn es stark regnet, können sie sich in einen Teil des Hauses zurückziehen, der weniger stark beschädigt ist.

An einem durchschnittlichen Verteilungstag fahren wir morgens um 8.15 Uhr nach La Plaine. Die Treffen mit den Familien gehören für mich persönlich zu den Höhepunkten, da wir auch Zeit finden, uns auszutauschen und am Leben des anderen teilzuhaben. Jedes Mal, wenn ich von einer Lebensmittelverteilung zurückkehre, bin ich überwältigt davon, wie die Menschen mit ihrer schwierigen Situation zurechtkommen. Viele von ihnen leben noch immer in Zeltstädten oder auf einem offenen Feld in improvisierten Unterständen.

Viele der Menschen, die in den Zeltstädten leben, haben durch das Erdbeben in Haiti alles verloren. Foto: humedica

Fragt man die Menschen danach, ob die verteilten Pakete für ihre Familie eine Veränderung bedeuten, auch angesichts der Tatsache, dass die Lebensmittel nicht für den ganzen Monat reichen, ist die Antwort im Prinzip immer gleich. Die Menschen sind glücklich und dankbar für die Hilfe, die sie erreicht. Sie sind glücklich, weil sie sonst überhaupt nichts hätten.

Aufgrund des ungeheueren Mitgefühls und der Großzügigkeit der Spender, ist es uns möglich, die Grundschulkinder im nächsten Halbjahr wieder in die Schule zu schicken. Damit konnten wir eine große Sorge von den Familien nehmen. Zu unserer Freunde konnten wir in den vergangenen Wochen in verschiedenen Schulen bereits die ersten Kinder einschreiben.

In die Schule zu gehen, wird den Kindern helfen, wieder ein normales Leben führen zu können. Damit können sie hoffentlich allmählich anfangen, die Schrecken des Erdbebens zu vergessen.

Mir wird bewusst, dass die Hilfe, die wir den Familien mit den Lebensmittelpaketen und den Schulgebühren zukommen lassen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Die Not ist so groß, der Schmerz für viele noch so unmittelbar. Wir können ihnen nicht alles ersetzen, was sie verloren haben. Und dennoch weiß ich auch, ein steter Tropfen höhlt den Stein. Für uns ist das Glas nicht halb leer, sondern halb voll. Wir möchten auch den Familien hier in Haiti diese Sicht auf die Dinge vermitteln.

Wir möchten diesen großartigen Menschen Hoffnung und Sinn in ihr Leben zurück bringen. Es wird uns nicht möglich sein, die Frage nach dem „warum“ zu beantworten. Aber wir möchten Gottes Liebe weitergeben und ich empfinde es als Ehre, diese wunderbaren Familien bei jedem Treffen ein bisschen näher kennenzulernen.

Ich danke ihnen dafür, dass sie mir erlauben daran teilzuhaben.“

Liebe Freunde und Förderer von humedica, wenn Sie eine Familie in Haiti mit einer Patenschaft unterstützen möchten, finden sie alle grundlegenden Informationen hier. Melden Sie sich schon heute über unseren Patenschaftsantrag. Die Familien werden registriert, so dass wir so schnell wie möglich starten können.

Helfen Sie uns auch bei unserer Arbeit in Haiti mit einer gezielten Spende auf:
     humedica e.V.
       Stichwort "Erdbeben Haiti"
       Konto 47 47
       BLZ 734 500 00
       Sparkasse Kaufbeuren

Bitte unterstützen Sie uns auch mit einer Online-Spende, die den Menschen in Haiti zu Gute kommt oder wählen Sie den schnellen, einfachen und sicheren Weg der Unterstützung durch das Senden einer sms:
Senden Sie dafür ganz einfach DOC an die Kurzwahl 8 11 90 und unterstützen uns einmalig mit 5,- Euro, wovon 4,83 Euro direkt der humedica-Projektarbeit zu Gute kommen. Vielen Dank.

Die Menschen in Haiti sind dankbar und glücklich über die Hilfe die sie erhalten. Marianne Lako und ihr Assistent freuen sich mit ihnen. Foto: humedica

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