ERDBEBEN IN HAITI: Ärzteteam arbeitet im Krankenhaus der Hoffnung

von Simone Winneg/Dieter Schmidt/SRI, 16.01.2010

Am gestrigen Freitagmittag haben sie das Katastrophengebiet erreicht: Das achtköpfige humedica-Einsatzteam war müde von der durchaus schwierigen Anreise, dennoch konnten die Ärzte bereits erste Behandlungen durchführen. Der aktuelle Bericht von unseren Koordinatoren Simone Winneg und Dieter Schmidt ist beides, traurig und dennoch hoffnungsvoll.

Koordinatorin Simone Winneg zeigte sich ebenso wie das gesamte Team erschüttert von der Situation in Port-au-Prince. Foto: humedica/Dieter Schmidt

„Ein langer, aber auch guter Tag geht zu Ende. Ein Tag mit Furcht erregenden ersten Eindrücken und freudigen Überraschungen. Der erste, leider traurige Moment: Das verabredete Treffen mit unserem lokalen Partner CSI war geplatzt, der Truck von ihnen war nicht da und wir konnten keinen Mitarbeiter in Haiti erreichen. Also fuhren wir einfach mit unserem gemieteten Bus zur Grenze und, siehe da, wurden einfach durch gewunken.

Quer übers Land fuhren wir zu unserem Partner CSI in eine Gesundheitsstation, die sich acht Meilen außerhalb von Port-au-Prince befindet. Je näher wir der Hauptstadt kamen, desto größer wurde das Ausmaß der Zerstörung: von abgebröckelten Fenstern zu einzeln eingestürzten Rohbauten und nicht mehr vorhandenen Mauern - oder einfach nur komplett schief stehenden Häusern.

Ein Erkundungsgang durch den Stadtkern machte uns schnell klar, warum die Situation so schwierig ist: Ganze Straßenzüge sind eingebrochen, von großen Einkaufsmärkten sind nur noch Schutthaufen übrig geblieben. Unter den Steinbrocken liegen zerquetschte Autos. Dass sich darunter noch Menschen befinden, kommt mir sehr abwegig vor.

Die Vorstellung, dass irgendjemand aus den Trümmern noch lebend geborgen werden kann scheint absolut irreal. Menschenmassen stehen um die Trümmer herum, suchen nach ihren Angehörigen oder Freunden. Der Verwesungsgeruch steigt einem immer wieder so stark in die Nase, dass es weh tut. An der Einfahrt zum Friedhof von Port-au-Prince riecht es nach verbranntem Fleisch.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Zerstörung und großes Leid macht auch vor den dauerhaften Helfern in Haiti nicht halt. Foto: humedica/Jens Großmann

Wasser, Strom, Nahrungsmittel, Treibstoff - alles ist Mangelware hier oder existiert überhaupt nicht mehr. Nach diesen schlimmen, erschreckenden Eindrücken wird ist unser Einsatz immens wichtig.

Wir arbeiten von heute, Samstag, an in einem Krankenhaus mitten in Port-au-Prince, das wegen Mangel an Personal und Material geschlossen ist. Das Krankenhaus ist in einem guten Zustand, kaum Zerstörungen, intakter Operationssaal, Röntgen, Labor, stationäre Aufnahme - alles ist möglich und scheint zu funktionieren. Das Krankenhaus wurde von der Organisation FONDATION POUR LES ENFANTS D'HAITI gegründet und heißt übersetzt „Krankenhaus der Hoffnung“.

Die lokalen Nachrichten berichten inzwischen von 50.000 Toten, die wichtigsten Bedarfsgüter Wasser, Lebensmittel, medizinische Hilfe, Decken und wir denken, dass Zelte dringend notwendig sind. Überall in der Stadt sieht man auf großen Plätzen Menschen unter Laken oder Stoffen und auf Decken oder dem blanken Boden schlafen.

Das Schicksal eines kleinen Jungen bewegt gleich am ersten Tag: Der fünfjährige Quinz hat einen schweren Oberschenkelbruch, eine Gehirnerschütterung und liegt apathisch auf der Liege in der von uns besuchten Schule. Gleich der erste Patient, der unsere Hilfe braucht und dem nach den Anweisungen von Prof. Dr. Dr. Bernd Domres (Tübingen) ein Spezialverband angelegt - nur so kann der Bruch gut und ohne OP heilen. Wir hoffen, ihn heute optimal behandeln zu können, wenn wir die Arbeit im „Krankenhaus der Hoffnung“ weiterführen werden.

Koordinator Dieter Schmidt hat die Möglichkeit, weiter in den Westen vorzustoßen, wo noch keine medizinischen Teams sind. Wir werden uns wieder melden.

Gleichzeitig bitten wir die Menschen in Deutschland und die Freunde und Förderer von humedica weiterhin um Spenden, die uns dann die Chance geben, weiter zu helfen. Vielen Dank dafür.

Simone Winneg und Dieter Schmidt für das humedica-Team in Port-au-Prince“

Prof. Dr. Dr. Bernd Domres gehört zu den renommiertesten Katastrophenmedizinern in Deutschland. Das Team konnte bereits kurz nach der Ankunft in Port-au-Prince behandeln. Foto: humedica/Jens Großmann

humedica und die Organisation Kindernothilfe werden ihre Kompetenzen und Möglichkeiten bündeln, um alle Hilfsprojekte in Haiti erfolgreich durchführen zu können. Unter anderem werden sie dabei von der Stiftung des Axel Springer Verlages „Ein Herz für Kinder“ unterstützt.

humedica bittet die Bevölkerung in Deutschland auch weiterhin dringend um konkrete Unterstützung für alle geplanten Hilfsmaßnahmen in Form von Spenden auf das folgende Konto:
      humedica e. V.
      Stichwort „Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

BITTE SPENDEN SIE AUCH HIER ONLINE. Vielen Dank.

Hinweis für Medienvertreter: Das Einsatzteam in Haiti steht für Telefon- und Live-Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an humedica-Pressesprecher Steffen Richter.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, am Sonntag, den 17. Januar 2010 ab 14 Uhr die Abfahrt von einem Teil des Team (sowie der Hilfsgüter) in der humedica-Hauptzentrale Kaufbeuren journalistisch zu begleiten.

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