ERDBEBEN IN HAITI: Eines der humedica-Teams schlägt seine Zelte dauerhaft in Léogane auf

von Myriam Estko/Ruth Bücker, 08.02.2010

Inzwischen sind seit dem verheerenden Erdbeben in Haiti knapp vier Wochen vergangen. Seit kurzem ist die Medizinstudentin Myriam Estko Unterstützung für die Einsatz-Teams am Ort und schreibt in folgendem Bericht über die derzeitige Situation der humedica-Teams.

„Die Strecke vom Krankenhaus der Hoffnung zu unserem Camp dauert zu Fuß etwa eine halbe Stunde und bietet eine gute Gelegenheit, sich die Gegend in der wir wohnen und arbeiten ein bisschen anzuschauen. Wir wohnen in einem Viertel von Port-au-Prince, in dem die Zerstörung der Häuser nicht so stark ist wie in anderen Stadtteilen. Viele der Häuser haben das Erdbeben nahezu unbeschadet überstanden.

Trotz der vielen Bilder in den Medien ist die Realität schwer zu begreifen. Foto: humedica/Julia Micklinghoff

Dazwischen gibt es aber auch immer wieder Lücken. Es ist eine merkwürdige Sache. Schon bei der Anreise aus der Dominikanischen Republik brachte uns die Zerstörung durcheinander. Ich weiß selber nicht, was ich erwartet hatte, aber der Anblick der Häuser, bei denen einfach die Stockwerke zusammengebrochen sind und die nun flach aussehen, ist immer noch nicht begreifbar für mich.

Trotzdem gibt es kleine Zeichen von neuem Mut, neuer Hoffnung und einem Neubeginn. Fassaden zum Beispiel, die gerade gestrichen werden. Oder heute ertönte zum ersten Mal laut scheppernde Musik an einer Straßenecke.

Auch im Krankenhaus "Espoir" wird für uns als neues Team jeden Tag ein kleines Stückchen mehr an Normalität spürbar. Die Station ist übersichtlich und für die Verhältnisse gut organisiert. Die Behandlung der Patienten, die auf dem Hof liegen, ist leichter geworden durch neue große Zelte, die den Patienten mehr Ruhe und Privatsphäre geben.

Ungewohnte Arbeitsbedingungen, ungewöhnlich schwere Verletzungen: die Ärzte Benjamin Kienast und Michael Brinkmann verarzten täglich viele Patienten. Foto: humedica/Simone Winneg

Trotzdem ist das gebückte Arbeiten auf dem Boden oder auch das Wechseln der Verbände in der Enge häufig eine Herausforderung. Auch unser Operationssaal hat ein neues Gesicht bekommen: kleine Tische wurden zusammengebaut um die Medikamente vom Boden ein wenig zu ordnen. Auch neu mitgebrachte medizinische Utensilien zum Stabilisieren der Brüche ermöglichen ein routinierteres Arbeiten.

Und dennoch gibt es täglich immer wieder Schwierigkeiten. Einen ganzen Tag lang war beispielsweise die Tür zum Röntgenraum versperrt und musste mühsam aufgesägt werden. Oder erschwerend ist auch, dass immer wieder der Strom ausfällt und wir im Dunkeln weitermachen müssen.

Die akuten Fälle direkt nach dem Erdbeben werden nach und nach abgelöst von chronischen Erkrankungen, von Wunden die einer Nachbehandlung bedürfen und leider auch immer wieder von Verletzungen, die in dem Chaos der ersten Tage in Port-au-Prince und Umgebung nur unzureichend versorgt werden konnten und sich in vielen Fällen infiziert haben.

Heute hat sich unser Team in zwei Gruppen aufgeteilt und wir verabschiedeten schweren Herzens die kleinere Gruppe, die nun dauerhaft in Léogane ihre Arbeit fortführen wird. Bisher fuhren wir noch täglich hin und her, aber die Strecke ist nicht ungefährlich und nach einem – zum Glück folgelosen – Unfall oder stundenlangem Warten in Staus erschien ein Umzug als sinnvoller.

Für die nächsten Tage steht im "Espoir" ein großer Umbau der Lager an. Wir bekommen Regale zur Verfügung gestellt und werden nach dem Aufstellen mehr Übersicht über unser Material haben. Es scheint als würde tatsächlich ein klein bisschen Normalität in das tägliche Chaos einkehren können. Ich hoffe es zumindest sehr!

Die Behandlung der Patienten im Krankenhaus der Hoffnung wird allmählich routinierter. Foto: humedica/Tim Frodermann

Die Menschen in Haiti brauchen unsere Hilfe langfristig. Bitte legen Sie mit Hilfe einer konkreten Spenden einen wichtigen Grundstein:
      humedica e. V.
      Stichwort „Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

BITTE SPENDEN SIE AUCH HIER ONLINE. Vielen Dank.

Die Hilfsmaßnahmen in Haiti werden unterstützt vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und in enger Zusammenarbeit mit der Kindernothilfe (Duisburg), World Vision (Friedrichsdorf) und Bild hilft - Ein Herz für Kinder (Hamburg) umgesetzt. Unsere Bemühungen werden darüber hinaus unterstützt von der AIR BERLIN GROUP (Berlin), GAiN Germany e. V. (Gießen), Skandinavische Kindermission, hoffnungszeichen e. V. (Singen), Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V., Deutsches Institut für Katastrophenmedizin (Tübingen) und last but not least von Apotheker helfen - Hilfswerk der Bayerischen Apotheker (München). Auch an dieser Stelle vielen Dank für jede Form der Unterstützung und die hervorragende Zusammenarbeit.

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