Ruth Bücker schreibt aus Haiti eine kleine Geschichte über große Wunder

von Ruth Bücker, 03.11.2010

"Wunder gibt es immer wieder", dieser alte Schlager von Udo Jürgens entspricht nicht unbedingt meinem Musikgeschmack. Um ehrlich zu sein, nicht einmal annähernd. Dennoch schwirrt mir die Melodie samt Text seit Tagen durch den Kopf. Vermutlich liegt es daran, dass ich hier in Haiti das Gefühl habe, tatsächlich Wunder erleben zu dürfen, ja, sogar davon umgeben zu sein.

Hilfe in letzter Sekunde: Dieser alte Mann konnte gerade noch rechtzeitig behandelt werden. Foto: humedica/Ruth Bücker

Ich weiß, dass es seltsam anmuten mag und manch einer von Ihnen, liebe Freunde und Förderer unserer Arbeit, mag sich vielleicht denken, dass diese Beschreibung der Situation im Choleragebiet Drouin übertrieben emotional sei. Wahrscheinlich würde ich angesichts eines solchen Texteinstiegs ähnlich denken.

Aus diesem Grund möchte ich Sie mitnehmen auf eine Reise nach Haiti in unseren Alltag. Bitte versuchen Sie sich vorzustellen, mit der Ärztin Irmgard Harms, Medizinstudent Simon Oeckenpöhler und Koordinatorin Caroline Klein unterwegs zu sein zu einem abgelegenen Dorf, von dem es in offiziellen Verlautbarungen hieß, dass eine unbekannte Zahl an Cholera-Erkrankten dringend auf medizinische Hilfe wartet.

Als Sie in dem Dorf ankommen, steuert sofort ein kleines Grüppchen auf Sie zu. Links und rechts von Verwandten gestützt, wird ein völlig entkräfteter Mann zu Ihnen gebracht. Just in dem Moment der Begegnung mit den medizinischen Rettern knicken dem alten Mann einfach die Beine weg.

Er ist vollkommen ausgetrocknet, seine Augen sind eingefallen und matt, die Wangenknochen stehen spitz hervor. Der Mann atmet flach, kaum wahrnehmbar. Bereits das Sitzen bedeutet für ihn eine kaum zu bewältigende Anstrengung, sodass er von seiner Frau gestützt werden muss.

Das humedica-Team an Ihrer Seite realisiert, wie schlecht es um den Mann bestellt ist, wie kritisch sich der Gesamtzustand aufgrund des Wasserverlustes, des Durchfalls und des Erbrechens darstellt. Innerhalb kürzester Zeit geben sie ihm Infusionen, die mit Salzen und Nährstoffen versetzt sind. Sie geben ihm sauberes Wasser zu trinken, das angereichert ist mit Medikamenten zur Abtötung der Cholera-Bakterien. Sie geben ihm einen hochkalorischen Keks, der den Zuckerspiegel wieder anhebt.

Diesen kleinen Jungen traf das humedica-Team nicht nur unterernährt, sondern auch gefährlich dehydriert an. Foto: humedica/Ruth Bücker

Eine knappe Stunde, nachdem der alte Mann nicht einmal mehr alleine gehen konnte, Minuten nachdem er vor Ihren Augen zusammengebrochen ist und einen existenziell schlechten Eindruck gemacht hat, steht er auf und lächelt.

Er lächelt Sie an. Er strahlt die Koordinatorin an, ebenso die Mediziner. Er bedankt sich und geht, in der Hand weitere Trinklösungen mit Elektrolyten, gemeinsam mit seiner Frau wieder zurück in sein Zuhause. Er geht alleine, ohne Stütze. Dafür mit einem derart intensiven Ausdruck neuer Kraft und Hoffnung im Gesicht, dass es längst nicht mehr so eingefallen wirkt.

Mit einfachen Mitteln Leben retten, der Alltag für das humedica-Team hier in Haiti. Mit großer Freude und einem Gefühl der Hoffnung blicken selbst die Mediziner diesen Patienten hinterher, die in vielen Fällen schon am äußeren Rande ihres Lebens standen.

Deren Herz kurz davor war, aufzugeben. Deren Körper aufgrund der Cholera ausgetrocknet waren und keine Kräfte mehr in sich bargen. Deren Leben ohne den Einsatz der humedica-Kräfte in diesen Augenblicken ein Ende genommen hätten.

Liebe Freunde und Förderer, dank Ihrer Unterstützung können die lebensrettenden Infusionen und Medikamente den Menschen hier in Haiti verabreicht werden. Dank Ihrer Hilfe ist es möglich, dass die medizinischen Teams diese Patienten wieder ins Leben zurückholen können. Dank Ihnen sind diese Rettungen möglich. Vielen herzlichen Dank dafür.

Ich hoffe, Sie können jetzt ein klein wenig besser nachvollziehen, warum mir dieses Lied in den Sinn kam. Und ich hoffe auch, dass Sie ein Gefühl dafür bekommen konnten, wie dringend die Hilfe hier gebraucht wird. Wir können diese oft lebensrettende Arbeit dank Ihrer Unterstützung realisieren und somit auch die Voraussetzung für die erlebten Wunder schaffen. Vielen Dank dafür!

Bitte stehen Sie auch in den kommenden Wochen an unserer Seite!
      humedica e. V.
      Stichwort „Haiti Cholera"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und direkt ist die Möglichkeit der sms-Spende: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5 Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Katastrophenhilfe.

Bitte beachten Sie auch die durchaus intensive Medienberichterstattung in Deutschland über unseren Cholera-Einsatz in Haiti. Darüber hinaus erbitten wir Ihre Aufmerksamkeit für unsere Social Media-Präsenzen, twitter (hier postet Simon Oeckenpöhler direkt aus Haiti), facebook und myspace.

Ein besonderer Dank gilt bei unseren Hilfsmaßnahmen auch dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland für die freundliche Unterstützung und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Hinweis für Medienvertreter:

Sehr gerne stehen Ihnen weiterhin unsere Einsatzkräfte in Haiti oder Pressesprecher Steffen Richter für Interviews zur Verfügung. Entsprechende Anfragen bitte über die angegebenen Kontaktdaten. Danke.

Diesem Baby durfte das humedica-Team mitten im Choleragebiet auf die Welt helfen. Foto: humedica/Irmgard Harms

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