Leben zwischen Wasser und extremer Armut

von Judith Kühl, 05.11.2010

Es hört nicht auf zu regnen in Benin. Seit Wochen. Weite Teile des Landes stehen unter Wasser. Cholera und Malaria sind existenzielle Gefahren für die Bevölkerung, vor allem die Kinder.

Rund 12.000 Menschen sind nicht aus dem überfluteten Kessounou geflohen; es gibt kein Entrinnen vor dem Wasser. Foto: humedica/Judith Kühl

Seit zwei Wochen bereits hilft Koordinatorin Judith Kühl gemeinsam mit humedica-Einsatzkräften im Flutgebiet und trifft Tag für Tag auf Menschen in großer Not. Ein Bericht über Leben zwischen Wasser und Armut.

"Alles steht im verschmutzen Wasser: Die Wohnhütten, die Schule, die Krankenstation, die öffentlichen Toiletten und die Ställe für das Vieh. Das Dorf Kessounou (Dangbo) liegt direkt am Fluss.

Vor wenigen Wochen stand das Wasser im ganzen Dorf zwei Meter hoch, inzwischen etwa einen Meter. Die rund zwölftausend Einwohner sind nicht geflohen. Sie wissen nicht, wohin. Die nächsten Dörfer sind ebenfalls überschwemmt.

Mit Holzbooten bewegen sie sich von Ort zu Ort. Kinder fahren in die Schule, die wie eine Insel im Wasser liegt. Als wir mit unserem Boot zum ersten Mal durch das Dorf fahren, winken die Menschen aufgeregt aus den Fensterlöchern ihrer Hütten heraus.

Ihr zu Hause wirkt wie ein Gefängnis. Zwar können sie mit ihren einfachen Booten kleine Fahrten machen, doch der Zugang zu Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Gütern ist nur schwer möglich.

Eine Frau erzählt, dass am Anfang der Flut im September Einheimische der nächsten Stadt mit Motorbooten gekommen wären, um Wasser und Essen zu bringen. Inzwischen kommt kaum mehr jemand. Außerdem haben die gestrandeten Menschen kein Geld mehr, die gelieferten Güter zu
bezahlen. Es gibt keine organisierte Versorgung und Hilfe.

Die Gesundheitsstation von Kessounou ist nur mit dem Boot erreichbar; hier behandelt das humedica-Team. Foto: humedica/Judith Kühl

Tausende von Menschen in den Dörfern rund um den Fluss sind beinahe vergessen. In der Not trinken sie aus dem verschmutzen Wasser um
sie herum und erkranken, vor allem die Kinder. Die Gesundheitsstation des Dorfes Kessounou liegt ebenfalls wie eine Insel im Wasser.

Die Innenräume sind trocken, doch Inventar und Medikamente fehlen. Vor einigen Wochen musste die Station wegen der Flut geschlossen werden.

Unser Team hat gestern die verlassene Krankenstation zusammen mit der Krankenschwester am Ort eröffnet. Als wir die Station betraten, war niemand dort. Ich zweifelte, ob überhaupt Patienten über das Wasser zu uns kommen könnten.

Würden auch die Kranken den Weg mit dem Boot bestreiten können? Unsere Ankunft hatte sich schnell herumgesprochen. Innerhalb von wenigen Minuten kamen Mütter und Kinder aus allen Richtungen mit ihren Booten angefahren.

Die Klinik war schnell voll Leben. Babys schrien und Mütter drängelten sich durch den Eingang, um schnell behandelt zu werden.

Viele der Patienten waren dringend auf Behandlung und Medikamente angewiesen. Neben Malaria und Unterernährung, die unsere Ärzte häufig diagnostizieren, leiden die Menschen hier vor allem unter Billharziose, einer Wurmkrankheit, die lebensbedrohlich sein kann.

In der nächsten Woche werden wir wieder in Kessounou sowie in den Nachbardörfern sein, um den vergessenen Menschen auch weiterhin zur Seite zu stehen.

Viele Grüße nach Deutschland vom humedica-Team in Benin.

Ihre Judith Kühl"

Liebe Freunde und Förderer, wir möchten Ihnen diesen Einsatz besonders ans Herz legen. Die Katastrophe ereignet sich abseits der Weltöffentlichkeit ohne jegliche Lobby. Diese Menschen sind sehr dringend auf unsere Hilfe angewiesen. Bitte geben Sie uns mit einer gezielten Spende auch weiterhin die Chance, in den überfluteten Gebieten zu helfen. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Flut Benin"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und direkt ist die Möglichkeit der sms-Spende: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5 Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Katastrophenhilfe.

Selbstverständlich halten wir Sie über die Situation in Benin auf dem Laufenden. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch unsere Social Media-Präsenzen, twitter (hier postet Simon Oeckenpöhler direkt aus Haiti), facebook und myspace.

Kaum ein Foto könnte die trostlose Lage der Menschen in Benin besser fassen als dieses. Foto: humedica/Judith Kühl

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