Benin: Karin Uckrow und Irmgard Römpp im Interview - „Die Spuren der Zerstörungen sind noch deutlich sichtbar“

von Sven Ramones, 26.11.2010

Mit einem medizinischen Team sind Karin Uckrow und Irmgard Römpp zurzeit in den Flutgebieten in Benin für humedica im Einsatz. Die Tage sind lang und anstrengend für Koordinatorin Karin und Krankenschwester Irmgard. Wir freuen uns daher umso mehr, dass sie die Zeit gefunden haben, uns gemeinsam schriftlich einige kurze Fragen zur Situation in dem Land und zu ihrer Arbeit vor Ort zu beantworten.

Ihr seid nun schon seit mehreren Tagen im Land. Wie ist die aktuelle Lage in Benin?

Es regnet noch vereinzelt und die Wasserspiegel sinken langsam. Man kann sagen, dass sich die Situation normalisiert. Die Spuren der Zerstörungen sind jedoch an einigen Orten noch deutlich sichtbar.

Welche Hilfsmaßnahmen benötigen die Menschen am dringendsten und was sind die häufigsten Probleme?

Vor allem die Menschen in entlegenen Gebieten sind noch immer auf Hilfsgüter angewiesen. Viele Flutopfer fragen uns nicht nur nach medizinischer Hilfe sondern auch nach Lebensmitteln. Die häufigsten medizinischen Probleme, denen wir begegnen sind Malaria, Augenentzündungen, Atemwegsinfektionen, Würmer und Wurmerkrankungen.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf des humedica-Teams aus? Wo und in welcher Form leistet ihr Hilfe?

Unsere Einsatzorte sind im gesamten Süden von Benin. Das bedeutet für uns, dass wir sehr lange Fahrzeiten haben. Oft müssen wir nach drei bis vier Stunden Autofahrt noch bis zu einer Stunde mit dem Boot weiterfahren, um an unser Ziel zu kommen.

Der Andrang auf die Hilfsstationen ist groß. Hunderte Menschen jeden Tag brauchen medizinische Versorgung. Foto: humedica/Karin Uckrow

Wir brechen jeden Tag sehr früh auf, nachdem wir jeden Morgen eine Einsatzbesprechung mit dem gesamten Team, inklusive den Übersetzern, Fahrern und lokalen Schwestern abgehalten haben. Am Einsatzort warten meist schon viele Menschen. Nach unserer Ankunft versammeln sich innerhalb kürzester Zeit oft mehrere hundert Personen, die Hilfe brauchen.

In der Regel besuchen wir zwei bis drei Tage lang denselben Einsatzort. Die Einsätze sind sehr intensiv und anstrengend. Die lange Anfahrt, die Hitze, die laute wartende Menschenmenge, der Druck, der durch die langen Wartenschlangen auf dem Team lastet, alles das kostet viel Kraft.

Oft hektisch treten wir die Rückfahrt an, um nicht in der Dunkelheit fahren zu müssen. Abends dann halten wir eine Nachbesprechung zum Einsatztag ab, die Ärzte schreiben die Statistiken und es werden die Medikamente für den nächsten Tag gepackt.

Was sind die größten Schwierigkeiten, denen ihr bei Eurer Arbeit begegnet?

Oft ist der Andrang der Menschen, die Hilfe brauchen so groß, dass wir nicht alle behandeln können, oder sie auf einen anderen Termin verweisen müssen. Viele Leute glauben uns nicht sofort, dass wir wiederkommen, wenn sie unser Team noch nicht kennen.

Schwierig für uns persönlich sind auch die endlos scheinenden Stunden, die wir im Auto verbringen müssen. Besonders anstrengend wird eine stundenlange Fahrt durch den schlechten Zustand der Strassen und den dichten Verkehr, der hier meistens herrscht.

Gibt es ein Erlebnis, das Euch bisher besonders berührt hat?

Bei einem unserer letzten Einsätze gab es drei kleine Kinder, die ohne Begleitung untersucht werden wollten. Auf die Frage nach ihrer Mutter haben wir erfahren, dass sie geistig verwirrt sei. Die Kinder im Alter von fünf, sieben und zwölf Jahren erzählten uns, dass ihr Vater vor Kurzem gestorben ist und sie noch drei Geschwister hätten – Drillinge im Alter von drei Monaten.

Vor allem den Schwächsten gilt die Aufmerksamkeit von humedica. Zahlreiche Kinder konnten von den medizinischen Teams schon versorgt werden. Foto: humedica/Karin Uckrow

Kurze Zeit später kam die Großmutter der Kinder mit den Drillingen zu uns. Nach einigen Fragen und zögerlichen Antworten haben wir erfahren, dass neben dem medizinischen Bedarf das größte Problem sei, die drei Babys zu füttern, weil die Mutter nicht stillt. Den Drillingen sah man die Mangelernährung deutlich an. Alle drei waren sehr apathisch.

Nach einer Besprechung mit dem gesamten Team wussten wir, dass eine ausschließlich medizinische Behandlung hier nicht ausreichen würde. Es besteht die Gefahr, dass die Babys verhungern. Daher beschlossen wir, die Großmutter über die nächsten zehn Tage mit Milchpulver für die Drillinge zu versorgen. Wir versuchen jetzt auch, über andere Organisationen ein Ernährungsprogramm für diese Familie zu finden.

Der Dank, der aus den Augen der Großmutter bei ihrem Abschied sprach, war ein besonders emotionales Erlebnis für uns alle.

Liebe Karin, liebe Irmgard, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute und Gottes Segen für Eure Arbeit.

Liebe Freunde und Förderer, bitte unterstützen Sie auch weiterhin unsere Arbeit. Viele Menschen in Benin haben alles verloren, was sie hatten. Mit Ihrer Hilfe können unsere ehrenamtlichen Teams diesen Menschen medizinische Versorgung und Hoffnung bringen.

Helfen Sie uns bitte mit einer Spende über unser Online-Formular oder auf folgendes Konto:

      humedica e. V.
      Stichwort: "Flut Benin"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und direkt ist auch die Möglichkeit der Unterstützung durch das Senden einer sms: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5,- Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Katastrophenhilfe.

Vielen Dank!

Die Katastrophenhilfe in Benin wird umgesetzt in Kooperation mit der Deutschen Stiftung für Katastrophenmedizin (Tübingen), zudem unterstützt vom Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland (Berlin). Danke für die gute Zusammenarbeit.

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